Iran: Politiker wollen Haustierhaltung verbieten

Ein braun-weißer Hund sieht ins Off.
Hunde haben im Islam eine schwierige Position. / Symbolfoto: pexels.

Radikale Mitglieder des Parlaments in Iran wollen einmal mehr die Tierhalter ihres Landes einschränken. Denn im Islam ist Barmherzigkeit gegenüber Tieren zwar Pflicht, die Haltung gewisser Tierarten im eigenen Haus jedoch bestenfalls nicht empfohlen. Die Haustierfrage spaltet das Land.

Laut ORF soll es im iranischen Parlament einmal mehr Diskussionen rund um die Haustierfrage geben. Denn diese ist im Iran und im Islam nicht eindeutig geklärt. Einerseits ist in religiösen Schriften wie dem Koran und der Sunna festgelegt, dass alle Tiere mit Barmherzigkeit und Respekt behandelt werden müssen. Tierquälerei oder schädliche Handlungen gegen Tiere werden moralisch streng geahndet. Besonders der Prophet Mohammed gilt als großer Tierfreund, der speziell Katzen sehr schätzte. Andererseits gelten manche Tierarten wie Schweine oder Hunde im Islam als „unrein“ und sollen nicht im Haus gehalten werden. Damit sehen sich viele Muslime in einem Paradox gefangen. Islamische Rechtsgelehrte im Parlament verfolgen jedoch bereits seit Jahrzehnten eine sehr klar umrissene Linie: Im Iran sollen keinerlei Haustiere gehalten werden, besonders Hundehaltern gegenüber sehen neue Gesetzesentwürfe schwere Strafen vor.

Strafen fürs Gassigehen

Geplant sind Geldstrafen für die Haltung von Krokodilen, Schlangen, Eidechsen, Mäusen, Affen, Schildkröten, Katzen, Kaninchen oder Hunden. Außerdem sollen jene zur Kasse gebeten werden, die mit ihren Hunden in der Öffenlichkeit Gassi gehen. Auch Autos, in denen Hunde transportiert werden, sollen beschlagnahmt werden. Wohnungen sollen ebenfalls nicht mehr an Haustierhalter vermietet werden dürfen. Damit gehe die iranische Politik in eine neue Phase der Hetze gegen Haustiere, die bereits mit Panikmacherei vonseiten der Polizei begonnen hat. Die Polizei von Iran nahm in der Vergangenheit wiederholt Hundehalter in öffentlichen Parks fest, weil diese angeblich für „Panik in der Bevölkung“ sorgten. Diese mussten jedoch bisher stets freigelassen werden, da es (noch) keine Gesetze gegen einen Spaziergang mit Hund gibt. Auch Videos von Hundeangriffen auf Menschen werden auf sozialen Medien verbreitet, um Angst vor den Fellnasen zu schüren. Zum Glück trugen die Bemühungen der radikalen Politiker bisher kaum Früchte.

Iraner ignorieren Verbote

Denn die Tierfreunde von Iran lassen sich von fadenscheinigen Panikkampagnen und behördlichen Schikanen nicht beirren. Bereits seit Jahren ignorieren Hundefans ähnliche Verbote und Gesetze. Besonders junge Menschen halten sich gerne Haustiere wie Hunde oder Katzen, auch ihren Kindern zuliebe. In Großstädten wie Teheran eröffnen immer mehr Tierklinken und Tierbedarfsgeschäfte. Schon vor zwei Jahren scheiterte ein Versuch der iranischen Regierung, konsequent gegen die Haltung von Hunden vorzugehen. Ganz im Gegenteil – seit der Covid-19-Pandemie ist die Anzahl an Haustierhaltern geradezu explodiert.