Ein Hund und ein alter Mann auf der Veranda eines Hauses am Meer

Gemeinsamkeiten sind was Schönes. 

Meistens. Dass es uns die Vierbeiner aber auch in so mancher Krankheit gleichtun, weniger. Vergesslich, verwirrt und wunderlich zu werden gehört nicht zu den Dingen, die wir uns für unsere Hunde wünschen … 

Da war am Anfang dieses irgendwie seltsame Bellen. Er stand mitten im Zimmer und gab Laut wegen etwas, das (für uns?) nicht sichtbar war. Auch mitten in der Nacht. Dann verlor er mal beim Haxerlheben das Gleichgewicht. Das kommt mittlerweile oft vor. Die Schwerhörigkeit kam davor oder danach oder schlich sich einfach so langsam ein. Ich weiß es nicht. Jedenfalls steht er jetzt oft vor der Badezimmertür und wartet, bis ich rauskomme. Auch wenn ich nicht drinnen bin. Und ihn schon längst von ganz woanders rufe. Wenn ich ihn dann anstupse, zuckt er plötzlich zusammen. Ach ja, und irgendwann kam dieses nächtliche Herumwandern dazu. Wie bei meiner Oma. Vielleicht, weil beide einfach alt sind. Oder eben auch dement.

Demenz beim Hund und Mensch vergleichbar

Die Krankheit verläuft bei beiden sehr, sehr ähnlich“, weiß dazu Barbara Bockstahler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Wobei sich nicht nur die Symptome der Betroffenen, sondern auch die Veränderungen im Gehirn ähneln. Beim Vierbeiner spricht man vom Kognitiven Dysfunktionssyndrom, kurz CDS. Es wird als Alzheimer bei Hunden beschrieben und ist das Pendant zu Alzheimer beim Menschen.

Es werden noch Patienten gesucht! 

Das Projekt „Altern und CDS beeinflussen die posturale Kontrolle des Hundes“ braucht noch Teilnehmer, vor allem ältere Fellnasen. Die Tests mit der Druckmessplatte finden an der Veterinärmedizinischen Universität Wien statt.

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Ein Hund lehnt sich an
In stiller Umarmung: Die stützende Rolle bei Demenz im Hundealter. © bee32 (Getty Images)

Langsam Senil

Wirklich diagnostiziert worden ist bei unserer Fellnase Demenz eigentlich nicht, unser Tierarzt bestätigt aber meine Vermutung. Die Anzeichen sprechen halt aus meiner Sicht irgendwie auch dafür. Wobei die Krankheit unterschiedliche Stadien durchläuft. „Viele Menschen berichten, dass ihr Hund langsam senil wird oder verwirrt die Wand anstarrt. Das ist der Beginn. Im schlimmsten Fall erkennt er dann seinen Besitzer nicht mehr“, so Bockstahler, und sie meint weiter: „Ein weiteres Anzeichen kann nächtliche Unruhe sein. Es kann auch sein, dass Hunde ihr Futter nicht mehr erkennen oder vor dem Wassernapf stehen und nicht wissen, was sie damit anstellen sollen.“

Nicht zwingend Demenz

Die Veterinärmedizinerin mahnt dabei aber zur Vorsicht. Schließlich können Symptome wie Schwerhörigkeit oder wackelige Hinterhand auch ganz andere Ursachen haben und müssen nicht zwingend der Demenz geschuldet sein. „Mit den Symptomen ist das sehr schwierig. Hier ist es nicht wie bei einem gebrochenen Bein, das man eindeutig erkennt. Es gibt bei CDS verschiedene Möglichkeiten des Ausdrucks. Deshalb gibt es in der Diagnostik Fragebögen, vergleichbar damit, wie das beim Menschen gehandhabt wird. Damit kann man dann ganz gut abschätzen, ob der Hund Demenz hat oder nicht“, so Bockstahler, die gemeinsam mit ihrem Team in einem vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Projekt gerade eine Methode entwickelt, um CDS früher zu erkennen. Und zwar mithilfe einer Druckmessplatte, die das Gleichgewicht messen soll. Weil Alzheimer den Gleichgewichtssinn beeinträchtigt.

Ein Hund liegt auf der Couch
Ruhephasen im Alter: Ein Zeichen für nachlassende Aktivität? © inhauscreative (Canva)

Aufhalten? Gegensteuern?

Ich frage mich ehrlich gesagt täglich, ob sich da was dagegen tun lässt. Vor allem graut mir bei der Vorstellung, dass er ir- gendwann nicht mehr wissen wird, wer ich bin. Aber lässt sich Demenz denn aufhalten? Oder kann ich sie im besten 

Fall sogar verhindern? Schwer zu sagen. Ich kann unter Umständen zumindest Geschwindigkeit rausnehmen. „Beim beginnenden Alzheimer des Hundes gibt es tatsächlich ein Medikament, das die Krankheit verlangsamen kann. Aufzuhalten ist sie leider nicht“, so die Expertin. Ob und wie frühzeitig gegengesteuert werden kann (zum Beispiel durch die Verabreichung von Antioxidantien), werde derzeit noch untersucht. Zwar sei dies ein eher junges Forschungsfeld, „die Hundepopulation wird aber auch immer älter. Damit gibt es auch mehr CDS- Patienten. So steigt das Bewusstsein für die Krankheit.“ Wie aber kann ich bei meinem Hund eine Demenz bereits im sehr frühen Stadium erkennen? Barbara Bockstahler empfiehlt ohnehin den jährlichen Gang zum Tierarzt und „ab dem siebten Lebensjahr sowieso halbjährlich, damit etwaige Krankheiten frühzeitig erkannt werden“.

Bleibt da noch die Frage nach der Lebens- qualität. Liegt unser Vierbeiner zufrieden schlafend auf der Couch, stelle ich die nicht in Zweifel. Wandert er scheinbar rastlos und verwirrt in der Nacht umher, schwankt die Hinterhand oder uriniert er ins Zimmer, nehme ich mich natürlich schon in die Pflicht, darüber nachzudenken, was für ihn das Beste ist. Man hat schließlich Verantwortung. Da heißt es vor allem darauf zu vertrauen, dass man den  vierbeinigen Liebling gut kennt und so hoffentlich einschätzen kann, was für ihn noch tragbar ist. „Bis zu einem gewissen Grad können sie sicher gut mit der Krankheit leben“, so Bockstahler und sagt auch: „Je schlimmer es wird, desto schlimmer ist es halt auch für Hund und Besitzer:in. Ich glaube, wichtig ist, das Medikament zu geben, ein liebevoller Umgang, geistige Beschäftigung, die Zeit mit ihm zu genießen, geduldig zu bleiben.“

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