Ressourcenverteidigung beim Hund: „Den Ball gibt er nicht mehr her!“

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Ressourcenverteidigung ist keine Seltenheit! Wie man damit umgeht, ist dabei entscheidend. / Foto: Pexels

Viele Besitzer verharmlosen, manche negieren das Problem der Ressourcenverteidigung beim Hund. Wie aber darauf reagieren? Inwiefern ist das normal und wann wird es zu einem Problem? Die Lösung liegt – wie so oft – im richtigen Training!

„Ach, den gelben Ball darf er doch behalten, den nehme ich ihm nicht weg“, kann eine Reaktion auf einen drohenden, Zähne fletschenden Hund sein, der seine 35 Kilo bedrohlich dazu einsetzt, dem gänzlich cool wirkenden Frauchen zu vermitteln: „Das ist meiner, und ich verstehe keinen Spaß!“ Spätestens jetzt sollte man die Ressourcenverteidigung beim Hund ernstnehmen.

Aber es ist ernst zu nehmen, das Problem der Ressourcenverteidigung oder überhaupt aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Artgenossen. Vielfach haben Hunde mit diesen Verhaltensweisen gelernt: Es macht Sinn, wenn ich mich so aufführe, denn dann wahrt das Gegenüber die Distanz. Und der Hund hat vermutlich auch gelernt, dass ihm sein teures Gut weggenommen wird. Wenn er also brav folgt (er gibt etwas her), erfolgt als „Belohnung“, dass es nun weg ist. Eine unfaire Situation!

Was ist also wichtig, damit der Kampf um Ressourcen gar nicht erst aufkommt?

1. Positive Tauschgeschäfte

  • „Rücke ich den Ball eins heraus, gibt es dafür meinen Lieblingsball!“ Am besten trainiert man das bereits mit Welpen. Und das in vielen verschiedenen Situationen. Nähert man sich dem kleinen Hund beim Fressen, dann nur, um etwas noch Schmackhafteres anzubieten und ihn danach ungestört weiterfressen zu lassen. Gesteigert kann diese Übung werden, indem man den schmackhaften Zuschlag zuerst dem Hund zuwirft, dann direkt hinhält, dann neben den Napf legt, dann in den Napf und schließlich den Napf kurz entfernt, um ihn bereichert wieder zurückzustellen.

2. Vertrauen schaffen

  • Der Hund lernt durch die oben beschriebene Übung, dass er sein Futter, sein Spielzeug oder Ähnliches zwar kurz hergeben muss, dass er es aber gleich (und im besten Fall noch besser bzw. begleitet von Lob) wiederbekommt.

3. Frust vermeiden

  • Vermeiden Sie Situationen, in denen der Hund für seinen Gehorsam bestraft wird! Das geschieht schneller, als vermutet: Der Labrador bringt eifrig den Ball, Herrchen bückt sich und steckt ihn ein, denn er befindet, nun ist genug. Wir verstehen ihn freilich, denn ein Labrador würde Apportieren bis zum Umkippen. Aber wie viel netter und fairer wäre Herrli gewesen, wenn er zeitgleich mit „Jetzt ist genug“ ein Stück Rinderpansen zum Suchen ins hohe Gras geworfen und den Ball so eingetauscht hätte. Bleiben wir also fair!

4. Nicht kämpfen

  • Hat der Hund bereits ressourcenverteidigendes Verhalten entwickelt, streiten, schimpfen und kämpfen Sie nicht. Das macht die Situation noch schlimmer! Holen Sie sich professionelle Hilfe und vermeiden Sie Situationen, die sich hochschaukeln könnten. Im besten Fall lassen sich, im Training risikolos angeleitet, Tauschgeschäfte auch im Seniorenalter Ihres Vierbeiners noch erlernen. Wir drücken Daumen und Pfoten!