Zu wenig Geld vom Land: Muss Arche Noah für immer schließen?

Vor dem gebäude der Arche Noah stehen Mitarbeitern und Tierfreunde mit Protestschildern.
Auf einer Pressekonferenz schilderten die Leiterinnen und Leiter steierischer Tierheime die prekäre Finanzlage. / Foto: Aktiver Tierschutz Steiermark.

In einer aufsehenerregenden Pressekonferenz sprach der Aktive Tierschutz offen und ehrlich über die finanziellen Probleme steirischer Tierheime. Seit Jahren können die Gelder vom Land die Betriebskosten nicht decken – und deswegen steht die Arche Noah Graz kurz vor dem Aus. Nur sofortige Zusammenarbeit mit der Regierung kann den Stützpfeiler steirischen Tierschutzes jetzt noch retten!

Am Mittwoch beriefen die Obmänner von fünf steirischen Tierheimen eine ungewöhnliche Pressekonferenz ein. Das Thema war ein Schlag in die Magengrube eines jeden Tierfreundes, denn die Arche Noah in Graz, seit vielen Jahrzehnten Anlaufstelle für hilfsbedürftige Tiere und Tierhalter, steht Ende November vor der Zahlungsunfähigkeit. Obwohl die steirischen Tierheime mit ihrer Arbeit im öffentlichen Auftrag handeln, können die jährlichen Leistungsentschädigungen vom Land Steiermark bereits seit Jahren nicht die Betriebskosten decken. Laut ihren Angaben stehen den jährlichen 635.000 Euro in Leistungsentschädigungen laufende Betriebkosten von 1,7 Millionen Euro gegenüber. Selbst die jedes Jahr steigenden Spendengelder von engagierten Tierfreunden konnten dieses riesige Defizit in Budget und Ausgaben nicht ausgleichen. „Vom Vorstand wurde seit jeher versucht, die so nötige und wichtige Tierschutzarbeit trotz der unzureichenden Finanzierung aufrecht zu erhalten. Denn Leidtragende sind am Ende die Tiere, die wir nicht im Stich lassen wollen und können“, so der Aktive Tierschutz.

Finanzielle Verzweiflung

Die Arche Noah steht mit diesen finanziellen Missverhältnissen nicht alleine da – auch fünf andere steierische Tierheime haben ähnlich gravierende Geldnöte. Wegen der zu geringen Leistungsentschädigungen wurden an allen Ecken und Enden Sparmaßnahmen getroffen, und die Folgen dieser verzweifelten Versuche, die Tore der Tierheime offen zu halten, legen die Leiterinnen und Leiter nun offen und ehrlich dar. Neben der Unmöglichkeit, Rücklagen zu bilden oder zukünftige Projekte zu finanzieren, droht auch eine Abgabenschuld von 500.000 Euro. Denn die vorherige Führungsperiode meldete Mitarbeiter nicht ordnungsgemäß an, um auch hier verzweifelt Geld zu sparen. Nina Mocnik, Leiterin des Franziskus-Tierheims, spricht offen über diese deprimierende Taktik: „Die erste Frage bei Bewerbungsgesprächen ist nicht, wie die Qualifikation oder Erfahrung in der Tierpflege ist, sondern, ob es eine Fördermöglichkeit gibt. Eine normale Anstellung können wir uns nicht leisten. Viele Mitarbeiter sind am Ende. Es kann nicht sein, dass Tierschutz auf die Ausbeutung von Menschen hinausläuft.“

Sofortiges Handeln nötig

Die Tierheime fordern nun eine umgehende Überarbeitung des bisherigen Finanzierungssystems, welches zum größten Teil von Spenden getragen wird und trotzdem immer größere Löcher in das Budget reißt. Sie streben eine “ faire, transparente und realistische Basisfinanzierung“ in einem Gespräch auf Augenhöhe mit dem Land Steiermark an. Das Ziel ist die Ermöglichung nachhaltiger und ehrlicher Tierschutzarbeit, die nicht auf dem Rücken unterbezahlter und ausgebrannter Mitarbeiter erfolgen muss. Denn Mensch und Tier sollen Tierheime gleichermaßen als schützenden Hafen betreten können. Doch dies kann nur durch eine sofortige Steigerung der Leistungsentschädigungen geschehen – ansonsten werden bald weitere Tierheime vor dem Aus stehen. „Wir sind unendlich dankbar für die jahrelange, wertvolle Unterstützung unserer SpenderInnen, ohne die wir es bis hierhin nicht geschafft hätten. Doch nun liegt es an der Politik, ihren Teil dazu beizutragen.“

Wenn auch Sie helfen wollen, besuchen Sie für weitere Informationen die Homepage des Aktiven Tierschutzes! Neben Geldspenden gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, steirischen Tierheimen eine Plattform und eine Stimme zu geben.