Studie: Bevorzugen Egoisten „aggressive“ Hunderassen?

by Verena Hauck
Ein Mann hält einen Hund an der kurzen Leine, gelbe Blitze von seinem Mund auf den Hund suggerieren, dass er negativ und als Egoist auf den Hunde einwirkt. Bei dem Hund handelt es sich um einen Mastiff, die auf vielen Listen "aggressiver" Hunderassen stehen.

Es gibt schon länger einen Stereotyp über Menschen, die Hunde „aggressiver“ Hunderassen bevorzugen. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Eine britische Studie ging auf den Grund, welcher Typ Mensch welche Hunde am meisten mag – und die Ergebnisse waren überraschend vielschichtig.

Auch heute noch haben viele Hunderassen unter dem Stigma „Kampfhund“ oder „Listenhund“ zu leiden. Denn immer noch gelten manche Hunderassen als „aggressiver“ als andere. Sei es, weil sie für die Großwildjagd, Herdenschutz oder ehemals gar Hundekämpfe mit kräftigen Kiefern und muskelbepackten Körpern gezüchtet wurden. Vor dem Kupierverbot im deutschsprachigen Raum veränderten viele Menschen auch operativ das Aussehen von Hunderassen wie dem Dobermann, um ihnen durch die Entfernung der Schlappohren ein „gemeineres“ Aussehen zu geben.

Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass manche Hunderassen öfter in Beißvorfälle verwickelt sind als andere – doch den Grund dafür sieht man mehr und mehr am anderen Ende der Leine. Denn aggressive Menschen, so heißt es, bevorzugen Hunderassen mit einschüchterndem Aussehen. Und impfen den Hunden von Welpenpfoten an durch schlechte Erziehung aggressives Verhalten ein. Diesem Sachverhalt ist die britische School of Psychology der University of Leicester auf den Grund gegangen.

Persönlichkeit und Hunderassen

In einer Studie untersuchte das Forscherteam um Vincent Egan anhand des Big-Five-Tests fünf Aspekte der Persönlichkeit: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Danach bewerteten die Testpersonen einige Hunderassen nach verschiedenen Kriterien. Die Datenanalyse förderte tatsächlich einige erwartete, aber auch überraschende Ergebnisse zutage. 

Wie erwartet bevorzugten Personen mit niedriger Verträglichkeit eher Hunde „aggressiver“ Hunderassen, wie Pitbull Terrier oder Boxer. Personen mit niedriger Verträglichkeit sind tendenziell egozentrisch, misstrauisch, streitbar, und auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie haben weniger Hemmungen, sich anderen Menschen gegenüber unfreundlich und unkooperativ zu verhalten. Besonders junge Personen mit niedriger Verträglichkeit werden von als „aggressiv“ wahrgenommenen Hunderassen stark angezogen. Stimmt es also, dass Verhaltensauffälligkeiten gewisser Rassen auf unverträgliche Halter zurückgeht? Ja und nein – denn die Studie ging tiefer in den Stereotyp hinein.

Unverträglich, aber gewissenhaft

Denn wie sich herausstellte, sind Personen mit Präferenz für „Listenhunde“ zwar unverträglicher, aber auch gewissenhafter. Ihre Testwerte besagen, dass sie vorsichtig handeln, Aktionen vorher gut überdenken und sich sorgfältig an Regeln und Gesetze halten. Dies spiegelt sich auch in ihrem Verhalten wieder: Denn trotz der eher negativen Einstellung anderen Menschen gegenüber waren unverträgliche Testpersonen nicht öfter straffällig oder gesetzeswidrig als verträgliche Testpersonen. „Der Effekt der Gewissenhaftigkeit hat uns überrascht, aber er ist klein und muss sich erst auch in einer anderen Gruppe von Testpersonen zeigen“, so Dr. Egan über die Aussagekraft dieses Ergebnisses. „Trotzdem ist diese Art von Studie wichtig, da wir so verstehen, dass Vorurteile uns nicht das ganze Bild zeigen.“ 

Woher kommt Hundeaggression?

Die Ergebnisse der Studie zeigen uns, dass sich Aggression bei Hunden nicht auf einen Faktor allein reduzieren lässt. Um das Zusammenspiel zwischen genetischen Anlagen, Erziehung und gelerntem Verhalten besser zu verstehen, muss noch weiter geforscht werden. Kann sich beispielsweise das Misstrauen unverträglicher Personen unbewusst auf den Hund übertragen? Oder ist die Qualität der Hundeerziehung und Bindung durch die höhere Unverträglichkeit, aber auch höhere Gewissenhaftigkeit besser oder schlechter? Diese wichtigen Fragen muss die Wissenschaft noch klären, bevor man den Stereotyp tatsächlich bestätigen oder ablehnen kann.


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