„Kampfhunde“: Listenhunde als Opfer von Vorurteilen?

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Was ist dran am Mythos "Kampfhund"? Eines ist sicher: Wie auch andere Rassen brauchen sogenannte "Listenhunde" die richtige Erziehung. / Foto: Pexels

Besitzer von sogenannten „Listenhunden“ müssen sich oft mit Vorurteilen gegenüber ihren Lieblingen herumschlagen. Denn nicht zuletzt durch Boulevardmedien hat sich der Begriff „Kampfhunde“ im Sprachbrauch vieler Menschen eingebürgert. Die Thematik dahinter ist allerdings viel komplexer.

Da liegt er, der Staffordshire Terrier, dicht an Frauchen und Herrchen geschmiegt am Sofa, der vermeintliche „Kampfhund“ – was für eine unglücklich gewählte und veraltete Wortwahl, finden doch in unseren Breitengraden längst keine Hundekämpfe mehr statt. Er ist viel mehr„Kampfkuschler“, sagen seine Menschen.

Aufgrund jüngster und auch nicht mehr so junger Vorfälle ist es mit der Idylle aber vorbei, sobald es runter vom Sofa und raus in die Welt geht. Da sind sie vielen schiefen Blicken und auch bösen Kommentaren der Mitmenschen ausgesetzt, die – früher noch vom Schwanzwedeln begeistert – jetzt plötzlich die Straßenseite wechseln. Einige Hundemenschen sahen sich sogar gezwungen, ihre Vierbeiner abzugeben, weil Vorwürfe und Drohungen vonseiten der Nachbarn nicht mehr tragbar waren.

Sogenannte „Kampfhunde“ fürs Ego?

Sind die vermeintlichen „Kampfhunderassen“ wirklich gefährlicher als andere Rassen? Oder liegt das Problem am anderen Ende der Leine, an uns Menschen? Zumindest sollten die Beweggründe überdacht werden, bevor Rottweiler, Cane Corso und Co. einziehen. Schließ-lich sollte man mit diesen Hunden gerne zusammenleben und arbeiten wollen, und zwar so, wie es den Bedürfnissen dieser Vierbeiner entspricht. Und nicht, um zu provozieren oder sich selbst stärker zu fühlen.

„Ich kann mir schon vorstellen, dass man eine innige Beziehung zu einem Staffordshire Terrier haben kann, aber ich kann ehrlich gesagt nicht ganz verstehen, warum sich manche Leute unbedingt eine Rasse halten wollen, die gesellschaftlich nicht akzeptiert ist“,meint dazu Verhaltensbiologe und Wolfsforscher Kurt Kotrschal. „Die Menschen sehen solche Hunde halt oft als Verlängerung ihres Egos. Sie dienen oft zur Selbstdarstellung. Die Leute werden sehr stark aufgrund ihres Hundes gelesen.“ Dass so mancher es sogar schätzt, wenn sein Hund als aggressiv gilt, ist also durchaus möglich.

US-amerikanische Forscher wollen in einer Studie herausgefunden haben, dass sogenannte scharfe, antisoziale Hunde auch mehrheitlich von antisozialen Herrchen und Frauchen gehalten werden – obwohl es „keine gescheite Evidenz gibt, dass diese Vierbeiner gefährlicher sind als andere Rassen“, so der Verhaltensbiologe. „Von der Genese her haben unterschiedliche Rassen einfach unterschiedliche Arbeitseigenschaften.“ Und dessen sollte man sich bewusst sein. Schließlich spricht ursprünglich zur Jagd gezüchteten Rassevertretern auch niemand so einfach pauschal den Jagdtrieb ab – auch wenn es unter ihnen definitiv nicht jagdlich ambitionierte Hunde gibt. Die Ursprungsbestimmung der Rassen darf nicht missachtet oder gar geleugnet werden.

Erziehung und Genetik sogenannter „Listenhunde“

Hochgerechnet auf alle Rassevertreter bedeutet es vermutlich mehr Arbeitsaufwand, Pitbull, Dogo Argentino und Co. gut zu sozialisieren. „Was solche Rassen vor allem brauchen, ist ein mutiges und sicheres Leadership vonseiten des Menschen“,meint Kotrschal dazu.

Die Ergebnisse neuester Forschungen rund um die Genetik bestätigen, dass es nicht DIE Genetik eines Hundes oder einer Rasse gibt. Unterschiedliche Vererbungsmodi sind verantwortlich für die Ausprägung sämtlicher Merkmale. Hier sind die ZüchterInnen in die Verantwortung zu nehmen. Es wäre wünschenswert, neben Krankheiten auch Charaktereigenschaften zu analysieren, statt zu beschönigen, um die Ergebnisse bestmöglich zu verstehen. Und KäuferInnen sind gefragt, wenn es um die Auswahl der Zuchtstätte geht – damit der Ruf der sogenannten Kampfhunde und ihrer Menschen besser werden kann.

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