American Pitbull Terrier (Hunderasse) – vorurteilsbehafteter Charmeur

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Pitbull Terrier sind freundliche, gutherzige Tiere, die Menschen gefallen wollen. / Foto: pixabay.

Kaum eine andere Hunderasse ist dermaßen mit einem Stigma belegt wie der Pitbull Terrier: „Kampfhund“. Während diese Bezeichnung zu Zeiten von Hunde- und Tierkämpfen zu Unterhaltungszwecken durchaus angebracht war, sind Pitbulls heute Familienmitglieder und treue Begleiter geworden. Trotzdem haben sie immer noch unter dem Vorurteil der beißwütigen Bestie zu leiden – obwohl sie Menschen eigentlich lieben.

American Pitbull Terrier (Hunderasse) – nicht von der FCI anerkannt

seit 1989 vom UKC (United Kennel Club) anerkannt
Ursprungsland: USA
Verwendung:Familienhund, Gebrauchshund

Gewicht:
Rüde: 16–27 kg
Hündin: 13,5–22,5 kg
Größe:
Rüde: 46–53 cm
Hündin: 43–51 cm

Namensverwirrung

Viel Verwirrung herrscht um die Rassenbezeichnungen „American Pitbull Terrier“ und „American Staffordshire Terrier„. Diese geht auf den Umstand zurück, dass es in den USA zwei große Dachverbände für Hundezucht gibt: den UKC (United Kennel Club) und den AKC (American Kennel Club). Viele Jahre lang gab es Unstimmigkeiten, wie man die Hunderasse bezeichnen sollte – lange war Yankee Terrier ein heißer Kandidat. Schließlich nahm der UKC die Rasse 1898 als „American Pit Bull Terrier“ in ihre Rasseliste auf, während der AKC 1936 mit „(American) Staffordshire Terrier“ folgte und somit formal eine eigene Hunderasse gründete. Später ließ der UKC auch diese „neue“ Rasse eintragen, sodass es heute eine Doppeleintragung derselben Hunderasse gibt. Daher ist auch der American Staffordshire Terrier von der FCI anerkannt, der American Pitbull Terrier jedoch nicht.

Neue Bücher über die Rasse gibt es nicht, aber dafür ein Buch mit einer tollen Geschichte über vier unterschiedliche Pitbulls.

Irene Hohe
Teddy, Sally, Beavis & Spock: Aus dem Leben von vier „Kampfhunden“
Hohe, Irene (2017)
Taschenbuch: 13,27€

Geschichte und Herkunft

Die Rasse des Pitbull Terriers entstand aus Kreuzungen von Bulldoggen mit verschiedenen Terriern mit dem ursprünglichen Ziel, einen ebenso flinken wie kräftigen Rattenjäger heranzuzüchten, der in sogenannten Rattenfängerwettbewerben beweisen musste, welcher Hund in einer gewissen Zeitspanne am meisten Ratten töten konnte. Das Ergebnis war der perfekte Jäger: muskulös, klug und mutig, aber trotzdem sanft im Umgang mit Menschen. Später wurden genau diese Eigenschaften missbraucht, und Pitbulls wurden leider auch zu Hundekämpfen eingesetzt, in denen für die Unterhaltung des Publikums Hund gegen Hund gegeneinander aufgehetzt wurden – und diese mussten oftmals bis zum bitteren Ende kämpfen. Zu diesem Zweck wurden Merkmale wie blinde Aggressivität und Durchhaltevermögen belohnt und durch die Zucht und Erziehung verstärkt, auf Sozialisierung und liebevollen Umgang legte man keinen Wert mehr. Seine schreckliche Vergangenheit schlägt sich immer noch im Namen des Pitbulls nieder: Als „pit“ (= zu dt. „Grube, Kuhle“) wurde früher die Arena dieser Kämpfe bezeichnet.

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Jahrelang wurden Pitbull Terrier als Kampfhunde missbraucht - das Stigma tragen sie heute noch. / Foto: pixabay.

Nachdem 1835 alle Formen von Tierkämpfen in England verboten wurden, kehrte der Fokus der Pitbullzucht wieder zu seinen ursprünglichen Werten zurück. Endlich war es dem Pitbull wieder erlaubt, seine gute Seite zu zeigen: intelligente und sanftmütige Begleit- und Familienhunde mit ausgeglichenem Temperament kehrten wieder. Dennoch haftet Pitbulls auch heute noch das Stigma als „Kampfhunde“ an, das von unseriösen Züchtern und verblendeten Haltern weiter aufrechterhalten wird. Zu viele Menschen erwerben die als „gefährlich“ geltenden Hunde aus genau diesem Grund – um selbst als gefährlich zu gelten und mit den imposanten Wächtern zu beeindrucken. Die für jedes Lebewesen so wichtige Sozialisation und sanfte, aber konsequente Erziehung wird oftmals vernachlässigt, das Endergebnis sind einmal mehr verstörte Tiere und frustrierte, überforderte BesitzerInnen. Katastrophen sind unter diesen Umständen schwer zu vermeiden.

Um Unglücksfällen und Beißattacken, wie sie leider zu häufig geschehen, vorzubeugen, wird daher in vielen Ländern die Haltung von u.a. Pitbulls ganz verboten oder dafür gesorgt, dass die BesitzerInnen gut ausgebildet und verantwortungsbewusst sind. Es bleibt zu hoffen, dass durch den liebevollen Umgang mit dieser (einst) so misshandelten Rasse die Gewaltspirale und damit zusammenhängende Vorurteile endlich durchbrochen werden können.

Wesen und Charakter

Die essentiellen Merkmale von Pitbull Terriern sind Stärke, Selbstvertrauen und Lebenslust. Sie sind verspielt, enthusiastisch und grundsätzlich sehr kinderfreundlich. Aufgrund ihrer kräftigen Statur und ihrer Vergangenheit als Jäger und Kämpfer brauchen Pitbulls eine ruhige und selbstbewusste Hand zur Führung, denn sie gehorchen gerne und wollen „ihren“ Menschen gefallen. Dies liegt auch zum Teil daran, dass die füheren Kampfhunde zwar ihre tierischen Gegner, aber nicht andere Menschen beißen durften – solche Hunde wurden als man biter (zu dt. „Menschenbeißer“) von der Zucht ausgeschlossen. Daher eignen sie sich aufgrund ihrer Offenherzigkeit auch Fremden gegenüber nicht als Wachhunde, können aber misstrauisch gegenüber anderen Hunden sein. Sie sind sehr athletisch, gute Kletterer und können hoch springen – ein ausreichend hoher, stabiler Zaun ist also unbedingt vonnöten, damit sie nicht ausbüxen. Ihre Freude an körperlicher Betätigung und geitiger Förderung sollte ein entsprechendes Ventil finden, zum Beispiel Hundesportarten wie Agility, (Rally) Obedience, Rennsport, Schwimmen, Fährtensuche oder  Zughundesport. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz, ihrem Arbeitseifer und ihrer Achtsamkeit auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen können Pitbulls auch fähige Assistenz- und Therapiehunde abgeben.

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Pitbulls können aufgrund ihrer Aufmerksamkeit und Intelligenz ausgezeichnete Assistenzhunde abgeben. / Foto: pixabay.

Erscheinungsbild

Pitbull Terrier sind mittelgroße, kompakte Hunde mit glatter, gut definierter Muskulatur, die weder zu muskelbepackt noch zu langgliedrig sein dürfen. Der Körper ist eher länger als hoch und soll harmonisch zusammenarbeiten. Der Kopf ist eher breit und flach, die Schnauze weit. Die Ohren sind klein bis mittelgroß; in den amerikanischen Rassestandards dürfen die Ohren auch kupiert sein, im deutschsprachigen Raum ist das Kupieren verboten.

Das Fell des Pitbull Terriers ist kurz, dicht und glänzend und soll sich unter Berührung etwas steif anfühlen. Alle Farben und Zeichnungen (bis auf Merle) sind erlaubt, allerdings sind blaue Augen im Rassestandard des UKC als schwerwiegender Mangel eingetragen.

Gesetzeslage im deutschsprachigen Raum

Aufgrund ihrer historischen Verwendung als Kampfhunde zur blutigen Unterhaltung der Zuschauer wird die Haltung, die Zucht und der Vertrieb von Pitbulls häufig gesetzlich eingeschränkt bzw. ganz verboten. Sie gehören damit in den deutschsprachigen Ländern zu den sogenannten „Listenhunden“.

In Deutschland wird die Gefährlichkeit der Hunderasse in Baden-Wüttemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt vom Gesetz angenommen, und dementsprechend ist die Haltung eingeschränkt bzw. nur mit einer speziellen Bewilligung möglich. Die Zucht von Pitbulls ist meist verboten.

In Österreich gilt in Wien, Niederösterreich und Voradelberg Maulkorb- und Leinenpflicht für Pitbulls, die in Einzelfällen mit spezieller Erlaubnis von Seiten der Gemeinde aufgehoben werden kann. In Wien muss vor dem Erwerb eines Pitbulls ein Hundeführerschein absolviert werden, der mit einem gültigen Lichtbildausweis mitgeführt werden muss, wenn man sich mit einem Hund dieser Rasse in der Öffentlichkeit bewegt. In Niederösterreich ist das Halten eines Pitbulls anzeigepflichtig, in Voradelberg muss im Vorhinein eine Bewilligung erlangt werden.

In der Schweiz sind der Erwerb und die Haltung von Pitbulls in Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Glarus, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Tessin und Waadt bewilligungspflichtig; in Freiburg, Genf, Wallis und Zürich sind Einfuhr, Zucht, Erwerb und Haltung gesetzeswidrig.

Viele Kritiker sind gegen die Existenz solcher Rasselisten, da Aggressivität von mehreren Faktoren abhängt und die Rassezugehörigkeit selbst immer wieder als potentieller Faktor angezweifelt wird. Nichtdestoweniger schaffen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr Bundesländer und Kantone im deutschsprachigen Raum Listen mit potentiell gefährlichen Hunderassen ab oder verkürzen diese – ein Trend zur verstärkten Ausbildung und Kontrolle des Verantwortungsbewusstseins der HalterInnen ist positiv zu betrachten.

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Pitbull Terrier sind aktive, atheltische Hunde und brauchen viel Auslauf und Bewegung zum Glücklichsein. / Foto: pixabay.

Buchempfehlung zum Thema Kampfhunde

Burkhart Stefan
Das Pitbull-Syndrom: Die Angst vor Hunden und der moderne Zeitgeist
BoD – Books on Demand (2009)
Taschenbuch 11,31€
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Wusstest du, dass der American Pitbull Terrier...

… einen eigenen nationalen Bewusstseinstag hat?

Am 26. Oktober wird in den USA der „National Pit Bull Awareness Day“ gefeiert, um eine Gelegenheit zu schaffen, über spezifische Vorurteile, Probleme und Vorteile der Rasse zu sprechen. Ins Leben gerufen wurde dieser Tag von der „Bless the Bullys“-Gruppe, die sich auf die Rettung von und Erziehung über Pitbulls und verwandte Rassen spezalisiert hat.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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Süße Pitbull-Welpen in Action (Video)

Pitbull-Welpen sind wie alle anderen Tierkinder neugierige, verspielte und abenteuerlustige Wesen. Genießen Sie zehn Minuten lang niedliche Pitbull-Action mit gelegentlichen Gastauftritten anderer Rassen!

Prominente Pitbull-Frauchen und Herrchen

Der Pitbull Terrier hat auch unter Berühmtheiten zahlreiche Fans. Zu den prominenten Haltern gehören u. a.:

  • „The Big Bang Theory“-Star Kaley Cuoco, die sich für eine positive Wahrnehmung dieser Hunderasse einsetzt
  • Filmstar Jessica Alba
  • „Friends“-Ikone Jennifer Aniston
  • Jessica Biel mit einem eigenen Hashtag für ihren Pitbull Tina (#tuesdaywithtina)
  • „Grey’s Anatomy“-Star Katherine Heigl
  • Modedesigner Marc Jacobs
  • Moderator Jon Stewart mit gleich drei geretteten Pitbulls
  • „Hunger Games“-Star Josh Hutcherson
  • Hundeaktivist Cesar Milan
  • Schauspieler Norman Reedus
  • Frauenschwarm Channing Tatum
  • Filmikone Betty White und
  • Schaupieler Liam Hemsworth.

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