Border Collie: der energiegeladene Spezialist
Als ausgezeichneter Hütehund erlangte der Border Collie internationale Bekanntheit. Er ist sehr lernfähig, hat einen ausgeprägten Bewegungsdrang und liebt sportliche Abwechslungen. Als reiner Familienhund fühlt er sich sehr schnell unausgelastet und muss daher ausreichend geistig und körperlich beschäftigt werden. Zudem gilt der Border Collie als intelligenter und arbeitswilliger Zeitgenosse. Dies stellt die Rasse auch bei (sportlichen) Wettbewerben gerne unter Beweis – z. B. beim Agility oder beim Schafehüten.
Geschichte & Ursprung
Die Geschichte des Border Collie beginnt in den Grenzregionen zwischen England und Schottland – und diese trägt die Hunderasse noch immer im Namen. „Border“ bedeutet nämlich auf Englisch „Grenze“, und unter dem Begriff „Collie“ verstand man allgemein Hütehunde. Ursprünglich verwendete man den Border Collie also als Hütehunde in diesen Gebieten, primär für Schafe.
Bereits im 17. Jahrhundert berichten historische Schriften von kleinen, flinken Hunden, die Schafherden präzise und ausdauernd lenkten. Doch der eigentliche Ursprung des modernen Border Collies liegt im 19. Jahrhundert. Der Rüde Old Hemp, geboren 1893, gilt als Stammvater der Rasse. Er zeigte außergewöhnlich effektives Hüteverhalten – ruhig, konzentriert und mit natürlicher Autorität gegenüber Schafen. Seine Arbeitsweise setzte neue Maßstäbe für andere Hütehunde und wurde zum neuen Zuchtziel.
Deswegen züchtete man den Border Collie (anders als viele andere Rassen) nicht nach Aussehen, sondern nach Leistung . Die Selektion der Zuchttiere richtete sich nach den Anforderungen der Schäfer: hohe Intelligenz, Reaktionsschnelligkeit, Ausdauer und der berühmte „eye“ – ein konzentrierter Blick, mit dem der Hund die Herde nahezu lautlos dirigiert.
Der Border Collie in der Neuzeit
Bereits seit dem Jahr 1906 beschäftigt sich die ISDS (International Sheep Dog Society) mit den Hütequalitäten der Rasse. Dennoch dauerte es bis 1967, ihn als eigenständige Hunderasse durch den britischen Kennel Club anzuerkennen. Im Jahr 1977 folgte auch die europäische FCI mit einem offiziellen Rassestandard. Die Zuchtlinien sind weiterhin primär auf die hohe Leistungsfähigkeit der Rasse ausgelegt.
Bis heute zählt der Border Collie zu den intelligentesten und arbeitsfreudigsten Hunderassen der Welt. Besonders beim Leistungshüten und in Agility-Wettkämpfen dominieren diese Hunde die Spitzenklasse. Neben Großbritannien findet man leistungsstarke Zuchtlinien in Australien, Neuseeland und Nordamerika.
Wesen & Charakter
Typisch für den Charakter des Border Collies ist seine starke Konzentrationsfähigkeit, sein ausgeprägter Will to Please (der Wunsch, mit dem Menschen zu arbeiten) und seine nahezu unermüdliche Arbeitsbereitschaft. Diese Hunde wollen nicht einfach „nur spazieren gehen“ – sie möchten Aufgaben lösen, mit ihren Menschen zusammenarbeiten, gefordert werden. Sie brillieren als Hütehunde, als Rettungshunde, im Hochleistungssport und im Showbiz. Er ist wachsam, ohne Anzeichen von Aggressivität oder lautes Bellen zu zeigen.
Doch seine hohe Leistungsfähigkeit ist keinesfalls ein Selbstläufer – sie stellt auch sehr hohe Ansprüche an Haltung und Training. Für Hundeanfänger oder Personen, die ihre Hunde mehrere Stunden pro Tag alleine lassen müssen, eignet sich diese Rasse daher überhaupt nicht. Wer sich für einen Border Collie entscheidet, sollte nicht nur selbst körperlich sehr aktiv sein, sondern vor allem auch bereit, den Hund durch anspruchsvolles Training und Übungen geistig auszulasten.
Wird er ausschließlich als Familienhund oder Begleithund gehalten, kann dies problematisch werden. Denn dann zeigen sich diese Hunde von ihrer nervösen Seite. Denn gleichzeitig sind diese Hunde sehr sensibel, nehmen Stimmungen genau wahr und reagieren stark auf Körpersprache. Typische Problematiken von unterforderten Border Collies zeigen sich als starke Trennungsangst und Zerstörungswut Gegenständen gegenüber.
Aussehen & Besonderheiten
Der Border Collie verbindet Athletik, Eleganz und Funktionalität wie kaum eine andere Hunderasse. Sein gesamter Körperbau ist auf Beweglichkeit, Ausdauer und Präzision ausgelegt – Eigenschaften, die ihn zum idealen Arbeitshund machen. Dabei wirkt er weder schwer noch überzogen muskulös, sondern harmonisch proportioniert, geschmeidig und reaktionsschnell.
Mit einer Widerristhöhe von etwa 48–56 cm bei Rüden (Hündinnen etwas kleiner) und einem Gewicht zwischen 14 und 20 kg zählt der Border Collie zu den mittelgroßen Hunderassen. Sein Körper ist länger als hoch, gut bemuskelt, aber nie massig. Die Brust ist tief, der Rücken gerade, die Lendenpartie leicht gewölbt. Zusammen mit seinen gut gewinkelten Gliedmaßen ermöglicht ihm dies einen fließenden, raumgreifenden und sehr kraftsparenden Gang. Seine Bewegungen wirken leichtfüßig und zielgerichtet, oft fast schwebend.
Auffällig ist der ausdrucksstarke Kopf mit intelligenten, mandelförmigen braunen oder blauen Augen, die auch unterschiedliche Farben zeigen können. (Blaue oder mehrfarbige Augen kommen jedoch nur bei Hunden mit Merle-Fellfärbung vor.) Die Ohren stehen halbaufgerichtet oder kippen nach vorne. Dies gibt ihm einen besonders aufmerksamen und aufgeweckten Ausdruck.
Fell & Pflege
Der Border Collie besitzt ein funktionales und wetterfestes Fell, das ihn bei seiner ursprünglichen Arbeit als Hütehund in den schottischen Highlands zuverlässig vor Wind, Regen und Kälte schützt. Es gibt zwei anerkannte Fellvarianten: mittellanges (langstockhaariges) und kurzhaariges Fell. Beide Typen verfügen über eine dichte Unterwolle und ein schützendes Deckhaar, das Wasser gut abweist.
Der langhaarige Border Collie zeigt oft eine prachtvolle Mähne um den Hals und eine befederte Rute und Hosen an den Hinterbeinen. Trotz seiner Fülle verfilzt das Fell selten, solange man es regelmäßig bürstet. Der Kurzhaar-Typ wirkt sportlicher, glatter und pflegeleichter, ist aber seltener verbreitet.
Die Fellfarben des Border Collies sind äußerst vielfältig. Neben dem klassischen Schwarz-Weiß kommen auch Rot-Weiß, Blau-Merle, Tricolor, Braun, Lilac, Zobel oder Seal vor. Wichtig ist, dass weiß nie vorherrschend sein darf – laut Standard soll die Funktionalität immer im Vordergrund stehen, nicht die Optik.
Die Fellpflege des Border Collies ist insgesamt mäßig aufwendig, aber regelmäßig nötig. Ein bis zweimal pro Woche sollte man ihn bürsten, im Fellwechsel (Frühjahr/Herbst) häufiger. Dann kann man auch die Unterwolle mit speziellen Bürsten gezielt ausdünnen. Bäder sollte man so gut es geht vermeiden und nur mit mildem Hunde-Shampoo durchführen.
Gesundheit
Der Border Collie gilt insgesamt als gesunde und widerstandsfähige Hunderasse mit einer überdurchschnittlich hohen Lebenserwartung. Bei artgerechter Haltung, guter Pflege und hochwertiger Ernährung erreicht der Border Collie in der Regel ein Alter von 12 bis 15 Jahren, manche Tiere sogar darüber hinaus. Seine ursprüngliche Zucht als Arbeitshund, bei der Leistung und Ausdauer im Vordergrund standen, sorgt bis heute für eine robuste Konstitution. Dennoch gibt es einige rassetypische Erkrankungen, die potenzielle Halter kennen sollten.
Collie Eye Anomaly (CEA)
Die Collie Eye Anomaly ist eine erblich bedingte Fehlbildung der Netzhaut, die von harmlosen Veränderungen bis hin zu vollständiger Erblindung führen kann. Verantwortungsvolle Züchter lassen ihre Tiere auf CEA untersuchen und schließen betroffene Hunde aus der Zucht aus.
Beim Border Collie tritt gelegentlich idiopathische Epilepsie auf, meist im jungen bis mittleren Alter. Die Anfälle können medikamentös behandelt werden, erfordern aber eine lebenslange Überwachung.
Trapped Neutrophil Syndrome (TNS)
TNS ist eine genetisch bedingte Störung des Immunsystems, die vor allem bei Welpen auftritt. Betroffene Hunde leiden an häufigen Infektionen und haben eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Ein Gentest kann Klarheit bringen.
Narkoseempfindlichkeit durch MDR1-Defekt
Einige Border Collies tragen eine Mutation im MDR1-Gen, was zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten führen kann, insbesondere bei Narkosen oder Entwurmungen. Ein Gentest kann beweisen, ob der Hund darunter leidet, ansonsten sollte man im Falle einer notwendigen Narkose stets sichergehen, dass der behandelnde Tierarzt über die Thematik Bescheid weiß.
Obwohl der Border Collie keine schwere Rasse ist, kann auch bei ihm HD vorkommen, vor allem bei Tieren aus nicht kontrollierter Zucht. Für seriöse Züchter gehören HD-Röntgenuntersuchungen gehören zur verantwortungsvollen Praxis. Aber: Hüftdysplasie kann auch durch Überbelastung in der Wachstumsphase entstehen. Besonders beim hohen Energieniveau der Border-Collie-Welpen kann es schnell passieren, dass Bänder und Gelenke überbelastet werden. Obwohl man den Hund also artgerecht auslasten wollte, können irreparable Schäden am Bewegungsapparat die Folge sein! Grundsätzlich gilt: Vor dem ersten Lebensjahr sollten Welpen nicht zu viel springen, Treppen steigen und keine langen Wandertouren unternehmen. Gelenksschonende Aktivitäten wie Schwimmen sind jedoch sehr empfehlenswert!
Vom Border Collie-Welpe zum Hund (Video)
Schon gewusst, dass der Border Collie…
… als eine der intelligentesten Hunderassen der Welt gilt?
Nicht nur die Hunderasse allgemein gilt als extrem lernfreudig und intelligent. Einzelne Exemplare haben unglaubliche Rekorde gesetzt: Beispielsweise der Border Collie Chaser, der zwischen etwa 1.000 verschiedenen Wörtern unterscheiden konnte.
… gerne mit dem Australian Shepherd verwechselt wird?
Weil beide Hunderassen aktive Hütehunde mit ähnlichem Körperbau und Fellkleid sind, werden der Australian Shepherd und der Border Collie gerne verwechselt. Dabei handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Rassen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen!
… durch einen Film berühmt wurde?
Mitte der 90er-Jahre erhielt der Border Collie durch den Kinokassenschlager „Ein Schweinchen namens Babe“ (engl. Originaltitel: The Sheep Pig) weltweit große Aufmerksamkeit, was die Beliebtheit der Rasse weiter steigerte. Der australische Familienfilm (siehe Trailer unten) kam Anfang Dezember 1995 im deutschsprachigen Raum in die Kinos.
Prominente Border Collie-Frauchen und -Herrchen
Mit seiner unvergleichlichen Art hat es der Border Collie auch unter den Prominenten zu zahlreichen Fans geschafft. Bekannte Besitzerinnen und Besitzer sind bzw. waren u. a.:
- James Franco,
- Queen Victoria,
- Tiger Woods,
- Robert Burns,
- Jon Bon Jovi,
- James Dean,
- Anna Paquin
- und Ethan Hawke.
Bewegung
Anfängertauglich
Familienfreundlich
Fellpflege
Du hast Anregungen und Wünsche zu den Porträts, die du mit uns teilen möchtest? Deine Meinung ist uns wichtig. So einfach geht’s: E-Mail an fotos@diehundezeitung.com