Work-Dog-Balance: Was bewirken Hunde am Arbeitsplatz?

Laut zahlreichen Studien können Hunde am Arbeitsplatz die Atmosphäre verbessern und Wohlbefinden sowie Kommunikation verbessern. / Abbildung: u.a. Veii Rehanne Martinez.

Hunde am Arbeitsplatz sieht man besonders in den letzten Jahren immer öfter – aus gutem Grund. Denn nicht nur besitzen mehr Menschen als zuvor eine Fellnase. Auch die positiven Einflüsse von Hunden im Büro sind mittlerweile wissenschaftlich belegt. Für Arbeitgeber könnten sie eine kostengünstige Möglichkeit darstellen, die Moral im Team zu heben und allgemeine Stresslevels zu senken. Wau!

Gerade in der heutigen Zeit ist es für Arbeitgeber schwieriger denn je, qualifiziertes Personal anzuwerben und auch langfristig an das Unternehmen zu binden. Denn nicht nur Gehalt und Workload spielen eine tragende Rolle, ob man sich bald nach einer neuen Stelle umsieht. Auch der soziale Faktor darf nicht unterschätzt werden. Dazu gehören soziale Dynamik im Team, die allgemeine Atmosphäre im Büro und auch, wie sehr der Arbeitgeber die potentielle Verantwortung des Arbeitnehmers als Elternteil unterstützt und möglich macht.

Diese Elternrolle nimmt man heutzutage nicht nur Kindern gegenüber wahr, sondern bezieht sich mehr und mehr auch auf Hunde. Vollzeitarbeit war für viele Hundebesitzer lange unmöglich oder mit viel Bauchweh und Zusatzaufwand verbunden. Doch mittlerweile erlauben mehr und mehr Arbeitgeber, auch das vierbeinige Familienmitglied mit zur Arbeit zu nehmen.

Wo darf der Hund mit zur Arbeit?

Grundsätzlich ist die Mitnahme von Haustieren zur Arbeit nicht gesetzlich geregelt – einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer also nicht. Die Arbeitgeber selbst entscheiden, ob und unter welchen Umständen die Fellnase mit ins Büro darf. Dennoch zeigt eine Umfrage, dass viele Unternehmen “pro Hund” sind. Besonders in Österreich dürfen stolze 34 Prozent der Befragten ihren Hund mit zur Arbeit nehmen. Dieser Wert liegt deutlich über denen der Schweiz (28 Prozent), England (20 Prozent) oder Belgien (11 Prozent).

Österreich: Wie viel Prozent der Unternehmen erlauben Hunde (nach Unternehmensgröße)?

Wie viele Unternehmen erlauben Hunde am Arbeitsplatz?

Statistisch gesehen neigen eher kleinere Unternehmen mit wenig Personal dazu, die Mitnahme von Hunden am Arbeitsplatz zu erlauben. Das liegt möglicherweise daran, dass sich mit steigender Personalanzahl auch die Wahrscheinlichkeit hebt, dass jemand an Hundehaarallergie oder Hundephobie leidet. Beides können gute Gründe darstellen, warum die Fellnase besser zu Hause bleiben sollte – daher ist es auch wichtig, die Thematik Hund im Vorfeld abzuklären. Bei größeren Unternehmen ist es deswegen schwieriger, die Zustimmung aller Mitarbeitenden im Großraumbüro zu erlangen.

Hunde am Arbeitsplatz – so gelingt’s

Sie wollen wissen, was vor dem ersten “Arbeitstag” des Hundes zu tun ist und wie man die eigene Fellnase am besten auf den veränderten Alltag vorbereitet? Dann lesen Sie hier, was es vor dem Mitbringen des vierbeinigen Kollegen abzuklären gibt und wie der Büroalltag mit Hund klappen kann.

Immer öfter sind Hunde auch am Arbeitsplatz willkommen. / Foto: evablancophotos.

Soziale Effekte von Hunden am Arbeitsplatz

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Mitarbeiterzufriedenheit viel dazu beiträgt, ein Unternehmen sozial und damit auch finanziell gesund zu halten. Denn wer gerne zur Arbeit kommt, meldet sich seltener krank, bleibt der Firma langfristig als Personal erhalten und trägt wiederum selbst zur positiven Grundstimmung bei. Mitarbeitende, die gut miteinander kommunizieren und einander vertrauen, arbeiten effektiver zusammen.Sie vermeiden auch öfter Missverständnisse, die zu kostspieligen Fehlern führen könnten. Teambuilding lautet das Zauberwort des 21. Jahrhunderts. Doch dieses ist oft teuer und findet deswegen bestenfalls einmal im Jahr statt, wenn nicht seltener.

Ein Bürohund kann hier kosteneffiziente und tagtägliche Abhilfe schaffen. Laut Umfragen aus Schweden und den USA tragen Hunde am Arbeitsplatz wesentlich dazu bei, dass die Atmosphäre am Arbeitsplatz als angenehmer wahrgenommen wird. Hunde bieten Mitarbeitenden viele Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten und ein Vertrauensverhältnis zueinander aufzubauen. Beispielsweise, wenn Kollegen anbieten, den Hund in der Pause Gassi zu führen oder während eines Kundentermins die Betreuung zu übernehmen. Dies führt zu einem festeren Gruppenzusammenhalt und einem wertschätzenden Umgang untereinander. Dieser Effekt ist mehrfach wissenschaftlich belegt.

In einem Experiment der Central Michigan University (2017) beispielweise stellte das Forscherteam fest, dass allein die Anwesenheit eines Hundes im Raum dazu führte, dass Personen während einer Aufgabe miteinander prosozialer interagierten. Sie arbeiteten besser zusammen, drückten mehr verbale Zustimmung aus und zeigten mehr Anzeichen körperlicher Nähe. Zudem schätzten sie die Vertrauenswürdigkeit der anderen Personen höher ein als eine Kontrollgruppe ohne Hund im Versuchsraum.

Körperliche Effekte von Hunden am Arbeitsplatz

Haustierbesitzer verfügen im Allgemeinen über einen niedrigeren Ruhepuls und Blutdruck als Personen ohne Haustiere, wie die State University of New York und die University of California in Teamarbeit nachwiesen. Selbst während mental und körperlich anstrengenden Aufgaben zeigten sie geringere Anzeichen körperlichen Stresses und erholten sich nach dem Ende der Aufgaben schneller. Dieser Effekt zeigt sich in Anwesenheit des Haustieres stärker als sogar in Anwesenheit eines Freundes oder Ehepartners. Dies bedeutet, dass Haustiere wie Hunde ein wichtiger Faktor für Stressresistenz darstellen und einen entspannenden Effekt auf Menschen ausüben.

Auch die Virginia Commonwealth University kam in einer Studie zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie fanden heraus, dass Personen, die ihren Hund mit zur Arbeit nehmen, ein niedrigeres Level körperlichen Stresses zeigten als Personen, die ihren Hund zu Hause ließen oder Personen, die über kein Haustier verfügen. Auch psychisch wahrgenommener Stress verschwand über den Arbeitstag mehr als bei den anderen Personengruppen. Zudem äußerten Personen, die ihren Hund an den Arbeitsplatz mitnehmen dürfen, signifikant höhere Arbeitszufriedenheit als Personen ohne Hund oder Personen, die ihren Hund zu Hause lassen.

Zudem fühlen sich Hundebesitzer laut Umfrage im Allgemeinen fitter und gesünder dank ihres Haustiers. Denn sie sind durch das Gassigehen dazu gezwungen, zumindest tägliche Spaziergänge zu unternehmen. Das kann sich positiv auf die kardiovaskuläre Konstitution auswirken, ergonomische Belastungen vorbeugen und auch die mentale Gesundheit fördern. Dieser Effekt kann sogar über andere Mitarbeitende überspringen, zum Beispiel, wenn diese während der Arbeit eine Gassirunde übernehmen.

Nicht überall lässt sich der Hund gleich gut ins Arbeitsleben einbinden. / Foto: mixetto.

Was spricht gegen den Hund am Arbeitsplatz?

Obwohl immer mehr Arbeitsgeber die Mitnahme von Hunden ins Büro erlauben, gibt es dennoch einige (berechtigte) Vorbehalte, die gegen Haustiere im Unternehmen sprechen. In Umfragen äußern ein Großteil der Arbeitnehmer Bedenken, was den Geruch und eventuelle Verschmutzungen der Umgebung angeht. Besonders die Kontamination des Büroraums durch Hundehaare und Speichel lässt sich schwer vermeiden. Dennoch stellt sie ein großes Problem für Personen mit Hundeallergie dar. Zudem gibt es viele Menschen, die sich in Anwesenheit von Hunden unwohl fühlen oder gar unter Hundephobie leiden. Daher könnten sich Mitarbeitende und auch Kunden durch die Mitnahme des Haustiers gestört fühlen.

Arbeitgeber fürchten zudem, dass die Mitarbeitenden zu sehr von der Arbeit abgelenkt werden. Ein Bürohund kann laut Studien auch einen unterschiedlichen Effekt auf die Wahrnehmung des Unternehmens haben. Einerseits könnten sich Kunden über den Tierkontakt freuen, sich entspannen und schneller Vertrauen zur Firma aufbauen. Andererseits werden Arbeitsplätze mit vierbeinigen Angestellten oftmals als weniger professionell eingeschätzt. Büroräume, die für Kunden nicht einsehbar sind, sollten diesen Effekt jedoch leicht negieren.

Dennoch sollte man all diese Risiken sorgfältig mit den Vorteilen abwiegen, um die beste Entscheidung für das individuelle Unternehmen und die Mitarbeitenden treffen zu können.

Fazit: Hunde am Arbeitsplatz

Dennoch sollte man all diese Risiken sorgfältig mit den Vorteilen abwiegen, um die beste Entscheidung für das individuelle Unternehmen und die Mitarbeitenden treffen zu können. Eine Patentlösung für alle Firmen gibt es hier nämlich nicht. Wichtig ist, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer offen zusammenarbeiten, um Zwei- und Vierbeinern ein möglichst bereicherndes Arbeitsverhältnis zu bieten.

  • Stimmung & Atmosphäre angenehmer und entspannter
  • verbesserte Zusammenarbeit & prosoziale Interaktion
  • schneller Aufbau von Vertrauensverhältnis
  • kostengünstiges & regelmäßiges Teambuilding
  • verbesserte körperliche & mentale Gesundheit
  • höhere Stressresistenz
  • höhere Arbeitszufriedenheit
  • Unternehmen wird als familiär und angenehm eingeschätzt
  • Geruch & Verschmutzung
  • Ablehnung durch Personen mit Allergie oder Phobie
  • mögliche Ablenkung
  • Unternehmen kann als weniger professionell eingeschätzt werden

Noch nicht genug von Hunden am Arbeitsplatz? Dann lesen Sie hier über alles über den perfekten Bürohund und wie man weiß, dass der eigene Hund am Arbeitsplatz glücklich und sicher ist.

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