Neue Gesichtsmuskeln? Die Evolution des Hundeblicks

by Verena Hauck
Ein Welpe mit Hundeblick schaut in die Kamera, neben seinen Augen sind Herzen und in der oberen Bildecke eine Doppelhelix als Symbol für Evolution.

Ist der „Hundeblick“ ein Produkt der Evolution? Wie eine wissenschaftliche Untersuchung der Gesichtsanatomie zeigt, verfügen Hunde über gewisse Muskeln um die Augenpartie, die Wölfe nicht haben. Haben Hunde extra für uns Menschen einen besonders „niedlichen“ Blick entwickelt?

Jeder kennt ihn, viele Hundebesitzer können ihm nicht widerstehen: der berühmte „Hundeblick“. Mit riesengroßen Augen und schiefgelegtem Kopf sehen uns unsere Fellnasen an. Besonders dann, wenn sie einen Happen von unserem Essen haben, über ein Missgeschick hinwegtrösten oder noch ein Mal den Ball geworfen haben wollen. Als Hundebesitzer hat man nur zwei Möglichkeiten: stark und konsequent bleiben oder vor der geballten Niedlichkeit kapitulieren. Doch warum wird unser Herz so weich, wenn Hunde uns mit dem speziellen Hundeblick ansehen? Und woher lernen Hunde diesen Blick?

Süße Evolution

Um die letzte Frage schon vorab zu beantworten: Wahrscheinlich gar nicht. Denn den meisten Haushunden ist der Hundeblick buchstäblich in die Wiege gelegt. Wie eine wissenschaftliche Untersuchung der Gesichtsanatomie von Hunden zeigt, ist eine besondere Muskelpartie um die Augen herum dafür notwendig. „Die Beweise deuten stark in die Richtung, dass Hunde Muskeln entwickelt haben, mit denen sie die innere Augenbraue besser heben können, nachdem wir sie vom Wolf domestiziert haben“, so komparative Psychologin und Studienautorin Dr. Juliane Kaminski. Zusammen mit ihrem Team der Universität von Portsmouth verglich sie mit Experten aus den USA und England die Gesichtsanatomie von Haushunden und Wölfen. Die Erkenntnisse waren deswegen so überraschend und bedeutend, weil sich die generelle Auslegung von Muskeln nur sehr langsam verändert. Die „Hundeblick-Muskeln“ jedoch entwickelten sich über eine Spanne von mehreren tausend Jahren – für evolutionäre Veränderungen eine Rekordzeit. Demnach muss diese Veränderung aus einem guten Grund geschehen und einen signifikanten evolutionären Vorteil erbracht haben.

Die Gegenüberstellung einer anatomischen Zeichnungen von Gesichtsmuskeln von Hund und Wolf zeigt jene neuen Muskeln, die den Hundeblick ermöglichen.
Unsere Haushunde verfügen über bestimmte Muskelpartien im Gesicht, die Wölfe nicht haben (rot markiert). / Bild: Tim D. Smith, Cambridge University Press, Cambridge, UK.

Fürsorge-Trigger Hundeblick

Dank dieser Muskeln wirken die Hundeaugen größer und runder und ähneln jener Mimik, die Menschen zeigen, wenn sie traurig sind. Zudem entspricht ein Hund mit „Hundeblick“ eher dem Kindchenschema, das uns Menschen dazu bringt, für ein Lebewesen sorgen zu wollen. „Auch im Verhalten zeigen Hunde nach nur zwei Minuten Interaktion mit Menschen signifikant mehr Bewegungen der inneren Augenbraue als Wölfe“, erklärt Dr. Kaminski. Evolutionär könnte es den Vorteil gehabt haben, dass Menschen Hunde mit diesen Gesichtsmuskeln besser umsorgt haben. Damit waren die Überlebenschancen jener Hunde mit den „Hundeblick-Muskeln“ wesentlich höher, und heute verfügen beinahe alle Hunderassen darüber. „Die expressiven Augenbrauen sind ein Hinweis auf eine unbewusste Präferenz von Menschen, welche die Selektion während der Domestizierung beeinflusst hat.“ Zudem ist der Hundeblick ein wichtiger Bestandteil der Hund-Mensch-Kommunikation und auch Bindung. Denn Menschen schenken Hunden mit speziellem Blick nicht nur mehr Liebe, sondern auch mehr Aufmerksamkeit. Und diesen Zusammenhang lernen auch Hunde sehr schnell!

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