Schuldig oder nicht? Was wirklich hinter dem Hundeblick steckt

by Verena Hauck
Ein Hund mit Hundeblick schaut in die Kamera.

Jeder kennt ihn – den schuldigen Hundeblick. Doch können Hunde wirklich Schuldgefühle empfinden, wenn sie etwas angestellt haben? Im Zuge eines wissenschaftlichen Experiments wollten Forscher herausfinden, was wirklich hinter dem „Hundeblick“ steckt.

Ein heruntergefallener Blumentopf, ein zerfledderter Müllbeutel, ein gestohlenes Wurstbrot – jeder Hundebesitzer hat seinen Vierbeiner schon einmal bei etwas Verbotenem erwischt. Daher kennt jeder auch den berühmt-berüchtigten „Hundeblick“. Doch können Hunde wirklich Schuldgefühle empfinden? Oder interpretieren wir Menschen zu viel in die großen Augen und die geduckten Körperhaltung hinein?  Ein US-amerikanisches Forscherteam des „Dog Cognition Lab“ der New Yorker Barnard University wollte ganz genau herausfinden, was tatsächlich hinter dem „Hundeblick“ steckt.

Lüge für die Wissenschaft

Deswegen richtete das Team um Psychologin Alexandra Horowitz ein besonders perfides Experiment ein. Sie luden Hundebesitzer samt vierbeiniger Begleitung in ein Versuchzimmer ein.  Den Hunden legte man ein Leckerchen vor die Schnauze. Die Besitzer wiederum verbaten ihnen, dieses zu fressen. Danach bat man die Hundebesitzer, kurz aus dem Zimmer zu gehen. Beim Zurückkommen ins Zimmer erzählte man einer Gruppe von Versuchspersonen, dass die Hunde brav gewesen wären und das Leckerchen (wie befohlen) nicht angerührt hatten. Einer anderen Gruppe gestand man, dass der Hund das Leckerli aufgefressen hatte – obwohl das nicht immer ganz wahr war.

Denn manchen Personen log man schlicht und einfach etwas vor. So konnten die Hunde sich gar nicht schuldig fühlen, weil sie alles richtig gemacht hatten. Danach filmte man die Reaktionen der Hundebesitzer auf das tatsächliche und das angebliche Verhalten ihrer Hunde – und die Reaktion der Hunde selbst. (Natürlich wurden Hund und Herrchen bzw. Frauchen kurz darauf aufgeklärt und versöhnt.) Eine andere Gruppe von Personen bewerteten die Videoaufnahmen anschließend danach, wie stark der „Hundeblick“ bei den Fellnasen auftrat.

Alles nur menschliche Fehlinterpretation?

Überraschenderweise zeigten jene Hunde am deutlichsten die geduckte Körperhaltung und den entschuldigenden „Hundeblick“, die eigentlich brav gewesen waren und schuldlos von ihren Besitzern ausgeschimpft wurden. Zudem reagierten nur Hunde, die beim Zurückkommen der Besitzer eine Rüge erhielten, eine „Schuldmine“. Die meisten Hunde, die beim Zurückkommen des Besitzers freundlich begrüßt und gelobt wurden, zeigten keinen „Hundeblick“. Und das, obwohl manche das verbotene Leckerchen gefressen hatten. Demnach gehen Horowitz und ihr Forscherteam davon aus, dass Hunde lediglich auf den Ärger von Menschen mit Beschwichtigungssignalen reagieren. Dazu gehören u.a. die großen Augen und der Blick von unten, eine geduckte Körperhaltung und ausweichende Bewegungen.

Menschen wiederum interpretieren diese hündische Versuche, eine spannungsgeladene Situation zu entschärfen, als Schuldbekenntnis – und das oftmals zu Unrecht. Denn Menschen tendieren dazu, tierisches Verhalten zu „vermenschlichen“ und damit falsch zu interpretieren. Diesen Effekt nennt man in der Wissenschaft auch „Anthropomorphismus“, also die Übertragung von menschlichen Eigenschaften auf nicht-menschliche Subjekte oder gar Objekte.  Ob Hunde überhaupt wissen, was Schuldgefühle tatsächlich sind, wissen wir nicht – selbst, wenn so mancher Hundebesitzer im Angesicht des „Hundeblicks“ darauf schwören mag!

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