Text vorlesen lassen
Der Cane Corso Italiano (oder übersetzt „italienischer Corso-Hund“) ist eine Hunderasse, die nach ihrem beinahen Verschwinden ein Comeback feiern darf – denn die Welt entdeckt die gutherzigen Wächter wieder.
Der Cane Corso Italiano ist ein beeindruckender, kraftvoller Molosser mit italienischen Wurzeln, der seit Jahrhunderten als Wach- und Schutzhund eingesetzt wird. Trotz seiner imposanten Erscheinung ist er seinem Menschen gegenüber treu und sensibel. In diesem Rasseporträt erfährst du alles über Aussehen, Charakter, Haltung, Gesundheit und die rechtliche Situation – ergänzt mit praktischen Tipps und einem ausführlichen Steckbrief.
Geschichte & Ursprung
Ursprünglich wurden Cane Corso zum Bewachen von Personen und deren Besitztümern sowie der damit verbundenen Viehherden, besonders von Großvieh wie Rindern, eingesetzt. Sie eigneten sich aber auch zur Großwildjagd. Aus diesem Grund sind auch heutige Corso-Hunde noch aufmerksam, arbeitsam und gelehrig.
Diese Ursprungsaufgaben erklären auch ihren ausgeprägten Schutztrieb und die Fähigkeit, selbstständig zu entscheiden. Noch heute zählen Cane Corso zu den aufmerksamsten Wachhunden, die ihre Familie und ihr Revier instinktiv beschützen. Sie kombinieren körperliche Stärke mit hoher Intelligenz, was sie zu vielseitigen Arbeitspartnern, aber auch zu anspruchsvollen Begleitern macht.
Der Cane Corso gilt als direkter Nachfahre des römischen „Canis Pugnax“, eines Molosserhundes, der bei Jagden und als Kriegshund eingesetzt wurde. Nach dem Ende der traditionellen Landwirtschaft in Süditalien und dem Rückgang der Viehhaltung ging die Zahl der Cane Corso stark zurück. Erst in den 1970er- und 1980er-Jahren begann eine kleine Gruppe italienischer Züchter mit der gezielten Rückzüchtung. 1994 wurde die Rasse offiziell von der ENCI anerkannt, 1996 provisorisch von der FCI, und 2007 folgte die endgültige internationale Anerkennung.
Der Cane Corso Italiano in der Neuzeit
Durch die Modernisierung und technische Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Sektors verschwand der Bedarf nach Hirtenhunden immer mehr. Damit sank auch die Motivation, diese Hunderasse im bekannten Ausmaß weiter zu züchten, und Bestände schrumpften auf ein gefährliches Maß zusammen. Bis vor kurzem war der Cane Corso nur noch in Apulien und angrenzenden süditalienischen Provinzen vertreten und damit vom Aussterben bedroht. Nur einige wenige Liebhaber der Rasse erhielten ihre Zuchtlinien und gaben dem Cane Corso Italiano mit einem erweitertem Aufgabenbereich eine neue Identität.
Die heutigen Cane Corso sind vielseitig einsetzbare Gebrauchshunde, die gerne als Familien-, Schutz-, Herdentreiber- oder Hütehunde gehalten werden. Mittlerweile kann man eine Handvoll seriöser Züchter in beinahe jedem Land finden. Trotzdem sind sie außerhalb Italiens ein seltener Anblick geblieben.
Wesen & Charakter
Sie gehorchen gerne, haben ein ruhiges und ausgeglichenes Temperament und sind sehr freundlich, besonders zu Kindern. Fremden gegenüber verhalten sie sich eher gleichgültig – außer, wenn sie denken, dass diese ihre Familiebedrohen. Denn ihre Familie beschützen sie mit der mutigen Treue und dem aufmerksamen Pflichtbewusstsein eines echten Hüters von Haus und Hof. Dieser starke Beschützerinstinkt, gepaart mit der körperlichen Kraft und Entschlossenheit des Cane Corso, kann jedoch auch zu gefährlichen Situationen bzw. Missverständnissen führen.
Mit einer der höchsten gemessenen Beißkräfte bei Hunden (rund 700 PSI) ist der Cane Corso physisch beeindruckend– doch entscheidend ist nicht seine Kraft, sondern wie verantwortungsvoll er geführt wird. Eine gute Sozialisierungvon klein auf, klare Regeln und ein sicherer, gelassener Halter verhindern Missverständnisse und sorgen dafür, dass der Cane Corso seine Wachsamkeit in positive Bahnen lenkt.
Der Name „Cane Corso“ leitet sich vom lateinischen cohors ab, was „Hofwächter“ oder „Beschützer“ bedeutet – ein Hinweis auf die traditionelle Aufgabe dieser Hunde. Trotz ihrer imposanten Erscheinung sind sie sensibel und nehmen feinste Stimmungen ihrer Bezugspersonen wahr. Für Anfänger sind sie nur bedingt geeignet, da ihre ErziehungGeduld, Erfahrung und Konsequenz erfordert.
Buchempfehlung:
Cane Corso: Erziehung, Training, Charakter (2020)
Mein Hund fürs Leben Ratgeber
Amazon:
Taschenbuch: 9,95€
Als Kindle-Edition gratis erhältlich – gleich hier Kindle Unlimited-Porbemonat abschließen.
Prominente Herrchen und Frauchen
Zu den berühmten Besitzern des Cane Corso Italiano gehör(t)en u. a.
- Schauspieler Vin Diesel („Fast and the Furious“),
- Basketballer LeBron James („Los Angeles Lakers“),
- Sängern Patti LaBelle („On my own“),
- Footballer Tony Richardson („Kansas City Chiefs“),
- Boxer William Guthrie (IBF-Weltmeister im Halbschwergewicht),
- Footballer Dee Martin („New Orleans Saints“),
- Baseballspieler Mike Sweeney („Kansas City Royals“),
- Footballer Tim Biakabutuka („Carolina Panthers“),
- Footballer Greg Hill („Detroit Lions“),
- Footballer Kimble Ambers („Kansas City Chiefs“),
- Footballer Neal Smith („Denver Broncos“),
- Footballer Jamal Lewis („Baltimore Ravens“),
- Erotikdarstellerin Chasey Lain („After Porn ends“) und
- Footballer Napoleon Kaufman („Oakland Raiders“).
Gesetzeslage
Wegen seiner Abstammung von als gefährlich eingestuften Hunden wird der Cane Corso Italiano in manchen Gebieten als Listenhund geführt, dessen Haltung bestimmte Auflagen unterliegt oder – im Fall von Genf – ganz verboten ist. Dies trifft auf einige Schweizer Kantone (Genf, Freiburg, Glarus, Schaffhausen, Thurgau und Tessin) zu sowie auf manche deutsche Bundesländer (Bayern und Brandenburg) und Liechtenstein. Informieren Sie sich hier über die Haltungsvorraussetzungen von Listenhunden in Deutschland und in der Schweiz.
Viele Kritiker sind gegen die Existenz solcher Rasselisten, da Aggressivität von mehreren (oft menschlichen) Faktoren abhängt und die Rassezugehörigkeit als potentieller Faktor angezweifelt wird. Immer mehr Bundesländer und Kantone im deutschsprachigen Raum schaffen aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen Listen mit potentiell gefährlichen Hunderassen ab oder verkürzen diese. Der Trend, stattdessen das Verantwortungsbewusstsein der HalterInnen auszubilden und zu kontrollieren, ist positiv zu betrachten.
Zudem ist das Kupieren der Ohren und Rute im deutschsprachigem Raum aus nicht-medizinischen Gründen strikt verboten.
Aussehen & Besonderheiten
Cane Corso Italiano sind große, robuste und stämmige Hunde, deren kräftiger, rechteckiger Körper eher lang als hoch sein sollte. Das Fell ist kurz, dicht und glänzend, erlaubt sind laut FCI: Schwarz, verschiedene Grautöne, Falbfarben, Hirschrot und Gestromt – jeweils mit schwarzer oder grauer Maske, die nicht über die Augenlinie hinausgeht. Weiße Abzeichen nur an Brust, Zehen und Nasenspitze zulässig.
Rüden: Widerristhöhe 64–68 cm, Gewicht 45–50 kg – Hündinnen: Widerristhöhe 60–64 cm, Gewicht 40–45 kg.
Damit ist ihm ein elegantes Äußeres sicher, über das nicht viele andere Molosserartige verfügen, die eher durch gedrungene Körpermasse bestechen. Der breite Kopf ist typisch für Molossoide, ausgeprägte Gesichtsfalten sind jedoch nicht erwünscht. Der Rücken ist gerade und stark bemuskelt, die Brust gut entwickelt. Die Rute soll natürlich sein und in Aktion hoch getragen werden, darf sich aber nicht kringeln oder aufrecht stehen. Die kräftigen Beine und elastischen Gelenke erlauben eine lange Schrittweite und ausgreifenden Gang.
Aufgrund ihres kräftigen Körperbaus sind diese Hunde sehr sportlich und haben viel Freude an täglicher Bewegung. Wer jedoch gemeinsam mit einem Cane Corso an Hundesportarten wie Agility, Joggen oder Gebrauchshundesport teilnehmen möchte, muss die Belastung der Gelenke bedenken. Denn je schwerer ein Hund ist, desto mehr schaden übermäßiges Springen und Rennen in voller Geschwindigkeit den Gelenken. Besser für schwere Hunderassen geeignet sind Sportarten wie Begleithundesport und Degility.
Der große Kopf mit dem quadratischen Fang sorgt dafür, dass die weiten Lefzen über den Kiefer hinausgehen. Deswegen können Cane Corso Italiano ihr Maul nie ganz schließen, und sie neigen zu konstantem Speichelfluss. Die Schnauze und Lidränder sind üblicherweise dunkel pigmentiert – je nach Fellfarbe schwarz oder gräulich. Erlaubte Farben der mittelgroßen, ovalen Augen sind nicht genau festgelegt. Lediglich „so dunkel wie möglich“ ist im FCI-Rassestandard spezifiziert.
Erziehung
Der Cane Corso Italiano braucht daher aufmerksame und kompetente Halter, die in jeder Situation die Führungbehalten. Auch eine sorgfältige Sozialisation und konsequente Erziehung ist von Welpenalter an besonders wichtig. Denn aus den süßen, tapsigen Cane Corso-Welpen werden sehr bald imposante Muskelpakete, denen man mit Kraftallein nicht beikommen kann. Es ist deswegen wichtig, ihnen schon früh beizubringen, brav an der Leine zu gehen und abrufbar zu sein. Regelmäßiger Kontakt zu freundlichen Hunden aller Rassen und Größen ist ebenfalls wichtig, um ihnen ein gesundes Selbstvertrauen und Sozialfähigkeiten zu geben.
Am besten gelingt die Erziehung mit positiver Verstärkung – Lob, Leckerli und gemeinsame Spiele fördern das Vertrauen und die Bindung. Harte Erziehungsmethoden oder Ungeduld können hingegen Unsicherheit oder Abwehrverhalten auslösen. Neben dem Training ist auch die körperliche und geistige Auslastung entscheidend: lange Spaziergänge, Suchspiele oder Hundesportarten wie Mantrailing helfen, den Cane Corso ausgeglichen zu halten.
Auch gesundheitlich brauchen diese Hunde Aufmerksamkeit: Häufige Themen sind Hüft- und Ellenbogendysplasie, Augenerkrankungen wie Entropium oder Ektropium sowie ein erhöhtes Risiko für Magendrehungen. Wer auf ein gesundes Wachstum, gelenkschonende Bewegung und hochwertige Ernährung achtet, kann die Lebenserwartungvon durchschnittlich 9–12 Jahren positiv beeinflussen.
Der Cane Corso ist kein Hund für ein Leben ohne ausreichend Platz und Bewegung. Ideal ist ein Haus mit sicher eingezäuntem Garten, ergänzt durch lange Spaziergänge und geistige Beschäftigung. Seine kurzen, dichten Haaresind pflegeleicht – wöchentliches Bürsten genügt, um loses Fell zu entfernen. Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt, Zähne und Ohren in die Pflegeroutine einbezogen werden.
In einigen deutschen Bundesländern, der Schweiz und Österreich gilt der Cane Corso als Listenhund, wodurch eine Genehmigungspflicht oder Haltungsauflagen bestehen können. Vor der Anschaffung sollte man sich daher über die lokalen Vorschriften informieren.
Fell & Pflege
Das Fell des Cane Corso ist glänzend, dicht und kurz mit wenig Unterwolle. Von der FCI erlaubte Farben umfassen schwarz, bleigrau, schiefergrau, hellgrau, hell-falbfarben und dunkle Falben und hirschrot sowie dunkel weizenfarbig. Falben und gestromte Hunde sollen eine schwarze oder graue Maske haben, die nicht weiter als die Augenlinie reichen soll. Weiße Abzeichen sind nur auf der Brust, den Zehenspitzen und auf der Nase zulässig.
Das kurze Fell des Cane Corso ist sehr pflegeleicht. Regelmäßiges Bürsten etwa alle zwei bis drei Wochen mit einer weichen Bürste reicht vollkommen aus. Mehr Aufmerksamkeit braucht jedoch das Schlappohr dieser Rasse. Denn darunter können sich leichter Ohrenentzündungen bilden, wenn Dreck oder Feuchtigkeit zu lange im Innenohr bleiben. Regelmäßige Ohrenpflege ist daher wichtig, damit der Cane Corso Italiano langfristig gesund bleibt.
Gesundheit
Der Cane Corso wird im Durchschnitt etwa 10 bis 12 Jahre alt. Gesundheitliche Probleme sind kaum bekannt, es gibt allerdings manche Krankheiten, die typisch für große Hunderassen sind. Dazu zählen Gelenksprobleme wie Hüftdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) und Herzmuskelerkrankungen. Auch Augenprobleme wie Bindehautentzündungen kommen häufiger vor, können aber durch regelmäßige Kontrollen der Augen vorgebeugt werden. Grundsätzlich gilt diese Rasse als sehr gesund, robust und auch sportlich.
Der Cane Corso gilt als robust, ist aber anfällig für einige große-Hunderassen-typische Erkrankungen:
Hüft- und Ellbogendysplasie
Herzerkrankungen (z. B. Dilatative Kardiomyopathie)
Magendrehung
Augenprobleme wie Entropium und Ektropium
Epilepsie
Hautprobleme (z. B. Demodikose)
Häufige Fragen zum Cane Corso Italiano
Ist der Cane Corso familienfreundlich?
Ja, bei guter Sozialisierung und klarer Führung ist der Cane Corso ein loyaler Familienhund. Kinder sollten dennoch nie unbeaufsichtigt mit ihm gelassen werden.
Braucht er viel Bewegung?
Ja, der Cane Corso benötigt täglich mindestens 1–2 Stunden körperliche Aktivität sowie zusätzliche geistige Beschäftigung.
Ist er für Anfänger geeignet?
Nein, der Cane Corso ist eine anspruchsvolle Rasse, die erfahrene Halter mit klarer Führung und konsequenter Erziehung benötigt.
Welche Krankheiten kommen häufig vor?
Typische Erkrankungen beim Cane Corso sind Hüftdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED), Herzprobleme, Magendrehung, Augenkrankheiten wie Entropium und Ektropium sowie Epilepsie.
Welche Fellfarben sind erlaubt?
Laut FCI sind beim Cane Corso die Farben Schwarz, verschiedene Grautöne, Falb, Hirschrot und Gestromt erlaubt, jeweils mit schwarzer oder grauer Maske. Kleine weiße Abzeichen sind nur an Brust, Zehen und Nasenspitze zulässig.
Wo ist die Haltung eingeschränkt?
Die Haltung des Cane Corso ist in Teilen Deutschlands (Bayern, Brandenburg), in mehreren Schweizer Kantonen, in Liechtenstein sowie je nach österreichischem Bundesland reglementiert oder bewilligungspflichtig.
Kleine Cane Carso Italiano-Welpen beim Spielen (Video)
Der italienische Corso-Hund ist schon von klein auf sehr neugierig! Dieses Video gibt einen Einblick in den Alltag kleiner Cane Corso-Welpen einer seriösen Zuchtstätte. Die verschiedenen Hindernisse, klingelnde Ketten und unterschiedliche Untergründe bringen den Hundebabys spielerisch bei, mit einer Vielzahl von Stimuli selbstsicher umzugehen.
Die Rasse im Überblick
Bewegung
Anfängertauglich
Familienfreundlich
Fellpflege
Du hast Anregungen und Wünsche zu den Porträts, die du mit uns teilen möchtest? Deine Meinung ist uns wichtig. So einfach geht’s: E-Mail an fotos@diehundezeitung.com
Quellen
ENCI – Ente Nazionale della Cinofilia Italiana: Standard Cane Corso Italiano, https://www.enci.it/
(abgerufen am 11.08.2025)FCI – Fédération Cynologique Internationale: Cane Corso Italiano Breed Standard Nr. 343, https://www.fci.be/en/nomenclature/CANE-CORSO-ITALIANO-343.html
(abgerufen am 11.08.2025)Wikipedia: Cane Corso Italiano, https://de.wikipedia.org/wiki/Cane_Corso_Italiano
(abgerufen am 11.08.2025)The Spruce Pets: Cane Corso Dog Breed: Characteristics & Care, https://www.thesprucepets.com/cane-corso-dog-breed-1117915
(abgerufen am 11.08.2025)PetMD: Cane Corso Breed Profile, https://www.petmd.com/dog/breeds/cane-corso
(abgerufen am 11.08.2025)AS.com: La lista de razas de perros con la mayor fuerza de mordida, https://as.com/actualidad/sociedad/la-lista-de-razas-de-perros-con-la-mayor-fuerza-de-mordida
(abgerufen am 11.08.2025)PMC – National Library of Medicine: Longevity and mortality in Cane Corso Italiano dogs in Italy, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5475242/
(abgerufen am 11.08.2025)