Naturschützer auf vier Pfoten!

Bea Maas und Watson beim Sucheinsatz
© Verein Naturschutzhunde

Dass Hunde viele wichtige Aufgaben übernehmen, ist keine Neuigkeit. Ob als Blinden-, Therapie- oder Lawinenhunde, überall leisten sie Hervorragendes. Jetzt gibt es auch Naturschutzhunde – und alle können mitmachen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Hundeschnauze wesentlich effizienter arbeitet als das menschliche Auge. Genau das macht sich eine Gruppe von Wildtierbiologinnen und -biologen zunutze. Sie setzen ihre Hunde in der Forschung im Sinne des aktiven Naturschutzes ein. Wie dieser Naturschutz auf vier Pfoten funktioniert, erklärt Bea Maas vom Verein Naturschutzhunde. „Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit in der Biologie und im Naturschutz ist das Sammeln von Daten und Informationen. Je seltener oder kleiner Lebewesen sind, desto schwieriger wird es für uns, diese zu finden und so Informationen zu generieren“, stellt sie fest. „Genau da kommen die Hunde ins Spiel. Sie helfen uns beim Nachweis verschiedenster Arten, vom großen Beutegreifer bis zum Borkenkäfer. Alles, was einen Geruch verströmt, können die Hunde finden.“

Die Naturschutzhunde erschnüffeln alle möglichen Spuren der gesuchten Tiere, etwa Kot, Haare oder Beutetierreste, und helfen so den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beim Nachweis von Wildtieren, die man unter normalen Umständen so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Zum Beispiel seltene Eulen- oder Fledermausarten. Ihre Quartiere liegen sehr hoch in Bäumen oder an unzugänglichen Orten und sind für Menschen nur schwer zu finden. Ein weiteres Einsatzgebiet ist der Nachweis von Wolfsrissen. Um sicherzugehen, ob ein Wolf für den Riss von Weidetieren infrage kommt, kann man langwierige und teure Genanalysen machen – oder einen dafür speziell ausgebildeten Naturschutzhund einmal hinschüffeln lassen.

Solche Hunde werden auch im Zuge des Herdenschutzprogrammes „LIFEstock-Protect“ der EU eingesetzt.

Energie- und Kriminaleinsatz

Sogar auf unsere künftige Energieversorgung haben die Naturschutzhunde einen nicht unwesentlichen Einfluss. Derzeit suchen sie nämlich in Windparks in der Steiermark und im Burgenland nach Resten von Vögeln oder Fledermäusen, die einer Kollision mit den Rotorblättern der Windkrafträder zum Opfer gefallen sind. Die Naturschutz-Spürnasen finden dabei auch kleinste oder schon verdeckte Kadaver. Diese Informationen erlauben Verbesserungen beim Vogelschutz von bestehenden Anlagen und wirken sich damit indirekt auf die Gestaltung und Platzierung von künftigen Windparks aus. Naturschutzhunde sind sogar im Kriminaleinsatz. Sie helfen beim Aufspüren vergifteter Greifvögel, die ihrer illegalen Verfolgung zum Opfer gefallen sind. Sie können auch Gift auf den ersten Riecher erkennen, was bei der Feststellung der Todesursache sehr hilfreich ist – ganz ohne toxikologischen Befund. Und das sind nur ein paar Beispiele von vielen. „Die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten ist riesig, und laufend kommen neue Anfragen aus Wissenschaft und Wirtschaft auf uns zu“, weiß Bea Maas.

Genau deshalb ist bei den Naturschutzhunden Verstärkung gerne gesehen. „Wir sind ein hochprofessionelles Team mit teils jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Hunden, das sich gewissenhaft um die Ausbildung von Naturschutzhunden kümmert.“ Und das Beste dabei: So gut wie alle können mitmachen. Es gibt keine Rassebeschränkungen für die Ausbildung zum Naturschutzhund. Bea Maas: „Wenn der Hund motiviert und auch körperlich in der Lage ist, die manchmal doch anstrengenden Einsätze zu absolvieren, kann aus ihm sicher ein guter Naturschutzhund werden.“ Eine schöne Herausforderung für Zwei- und Vierbeiner. Die Termine für die nächsten Kurse und weitere Informationen gibt es auf www.naturschutzhunde.at.

Gegenseitiges Vertrauen und Top-Ausbildung

Doris Wolkner-Steinberger, Direktorin des Tierpark Herberstein und Präsidentin der Naturschutzhunde, über die faszinierende Arbeit in diesem Bereich.

Doris Wolkner-Steinberger
© Harry Schiffer Photodesign

Warum engagieren Sie sich für die Arbeit mit Naturschutzhunden?

Doris Wolkner-Steinberger: Die Naturschutzhunde werden im Natur- und Artenschutz eingesetzt. Natur- und Artenschutz ist auch langjähriges Thema im Zoo Herberstein, der Teil des Natura-2000-Schutzgebietes Feistritzklamm/Herberstein ist.

Warum sollten Zwei- und Vierbeiner mitmachen?

Viele Hundehalter möchten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, und hier können sie das tun. Es ist wichtig, dass es Hunde gibt, die diese Ausbildung machen und dadurch die Zertifizierung erhalten, um bei internationalen Projekten mitzuarbeiten, etwa beim EU-Herdenschutzprogramm LIFEStockProtect.

Was fasziniert Sie an der Arbeit der Naturschutzhunde?

Aufgrund meiner Präsidentschaft bei den Naturschutzhunden habe ich in diese vielfältigen Tätigkeiten Einblick bekommen. Ich bin begeistert, wie viel Arbeit, aber auch Liebe bei der Ausbildung ist – alles natürlich ganz ohne Gewalt. Der Hund vertraut voll seinem Besitzer und umgekehrt, sonst würde es nicht so gut funktionieren.