Es ist eine der schwersten Entscheidungen, die Frauchen und Herrchen in einem Hundeleben treffen müssen. Weil es genau darum geht. Ums Leben. Und darum, wo es enden darf, wenn es muss. Vielleicht einfach daheim, im Lieblingskörbchen.
Hund euthanasieren lassen: Wenn die Entscheidung unausweichlich wird
Mein Mann wusste es schon längst. Dass es so weit ist. Nur ich habe es irgendwie nicht sehen wollen. Oder können. So einen Herzenshund lässt man halt auch nicht so einfach gehen. „Er ist immer so gern gelaufen und schau ihn jetzt an, das ist für ihn kein Leben mehr“, hat er gesagt. Und leicht gefallen ist ihm das auch nicht. Schließlich hat er sich während der letzten Jahre die Nächte damit um die Ohren geschlagen, Finn wieder und wieder bei seinen vielen Gassigängen zu unterstützen. Weil den die Demenz schon fest im Griff hatte.
Lebensqualität beim Hund: Woran ich gemerkt habe, dass es „so weit“ ist
„Aber er frisst ja noch“, habe ich darauf geantwortet. Und mit Schrecken dabei zugeschaut und gleich wieder verdrängt, dass er eigentlich nicht mal mehr zum Lacki machen rechtzeitig aufstehen konnte. Dabei habe ich mir immer vorgenommen, dass das für mich die Grenze ist. Die Würde. Wenn’s der Hund nicht mehr rechtzeitig raus in den Garten schafft.
Dann ist er eines Tages aber auch beim Spazierengehen eingeknickt. Konnte sich ohne Unterstützung nicht mehr selbst auf den Beinen halten. Und ich musste endlich eine Entscheidung treffen, die die letzten Wochen oder eigentlich sogar Monate wie ein Joch über mir geschwebt ist. Und sich an diesem Tag wie ein schwerer Stein auf meine Brust legte. Es war also so weit. Das wusste ich. Allerdings nicht, wie ich auch noch die vielen kleinen Entscheidungen treffen sollte, die mit dieser schweren, großen einhergingen. Wie bringe ich es den Kindern bei? Sollen sie beim Einschläfern dabei sein? Soll unser junger Hund Bruno mit dabei sein? Soll unser Tierarzt zu uns nach Hause kommen oder wir besser in seine Praxis?
Und als ich gar nichts mehr zu wissen glaubte, ging auf einmal alles Hand in Hand. Auch wenn ich fest der Meinung bin, für den Hund ist es in gewohnter Umgebung am stressfreisten, hab ich mich für die Tierarztpraxis entschieden. Weil wir zu diesem Zeitpunkt gerade nicht daheim wohnten. Weil Finn nicht nur unser Tierarzt, sondern seine Praxis vertraut war. Und weil ich den Kindern die Möglichkeit geben wollte, rausgehen zu können. Und die haben sie dann auch gebraucht. Sie haben sich verabschiedet und wollten vor der Spritze mit dem Papa raus. Und das war gut so. So haben seine letzten Minuten nur uns beiden gehört. Und mit dem letzten Atemzug durfte seine Seele in Ruhe zum Fenster rausfliegen. Mein Mann ließ Bruno sich erst danach verabschieden, auch das hat gut gepasst.
Euthanasie beim Hund beim Tierarzt oder zuhause: Was für euch stimmig ist
Geplant hatten wir das alles so nicht. Ich hatte mir vorgenommen, Finn zieht mit uns wieder ins renovierte Haus ein. Dann wäre er im eigenen Garten eingeschlafen. Gute Gründe, warum Tierärzt:innen zum Einschläfern nach Hause kommen, gibt es schließlich so einige. „Die Vorteile liegen für Tier und Besitzer auf der Hand“, sagt dazu Stefan Moser von MobilVET. Er kommt als Tierarzt dorthin, wo es für die Vierbeiner am stressfreisten ist. Nämlich nach Hause. „Wenn klar ist, dass es der letzte Weg ist, will keiner mehr sein Tier ins Auto verfrachten“, erklärt er weiter. „Es ist wesentlich ruhiger und entspannter, wenn das zuhause in gewohnter Umgebung stattfinden kann. Man erspart dem Tier viel Aufregung, weil die wenigsten gern zum Tierarzt gegangen sind. Aus diesem Grund wünschen sich die meisten Tierbesitzer auch eine Euthanasie zu Hause.“ Sind Risiken damit verbunden? „Eigentlich nicht, jede Euthanasie setzt voraus, dass genau abgeklärt ist, dass eine Euthanasie indiziert ist. Dann gibt es keine Nachteile. Auch Vorkehrungen sind keine zu treffen – das Beste wäre, alles für das Tier so alltäglich wie möglich zu gestalten. Das sagt sich natürlich so leicht. Ob der Hund nun in seinem Lieblingskörberl liegen mag oder die Katze auf ihrem angestammten Fensterbankerl – das kann genau dort stattfinden“, so der Tierarzt.
Ablauf der Euthanasie beim Hund: Was der Tierarzt genau macht
Und dass der letzte Weg möglichst ruhig gegangen werden soll, versteht sich vielleicht eh von selbst. Oder besser, wenn einem der Ablauf bewusst wird. „Grundsätzlich wird das Tier zuerst in Narkose versetzt. Das Tötungsmittel ist dann ein sehr stark konzentriertes Narkosemittel, das einen Herz- und Atemstillstand verursacht“, erklärt Moser und meint weiter: „Den Ablauf bestimmt jeder Tierarzt so wie er es gewohnt ist, aber im Grunde besteht eine Euthanasie aus diesen Bestandteilen. Das Wichtige dabei ist, dass der Bewusstseinsverlust vor dem Atemstillstand eintritt, das ist das Um und Auf.“ Wobei der Vierbeiner beim Legen des Venenzugangs keiner Aufregung mehr ausgesetzt sein sollte, damit man ihn nicht auch noch festhalten muss. „Das will keiner. Meist aber kommt man zur Euthanasie, wenn die Tiere ohnehin schon geschwächt und kaum mehr wehrhaft sind. Die Prämisse ist immer, dass es so ruhig wie möglich vonstatten geht, damit auch die Besitzer in Ruhe Abschied nehmen können.“
Euthanasie beim Hund beim Tierarzt: Sollen Kinder beim Abschied dabei sein?
Mit der Entscheidung würde man die Besitzer:innen aber nie alleine lassen. „Der Tierarzt muss beurteilen, ob eine Euthanasie der einzig mögliche Weg ist. Im Normalfall ist es eine gemeinsame Entscheidung. Der Tierarzt macht aufmerksam, zeichnet ein klares Bild, die letztendliche Entscheidung jedoch muss natürlich der Besitzer treffen. Der Tierarzt ist in erster Linie aber immer dem Tierwohl verpflichtet“, erklärt Stefan Moser. Welche Erfahrung er in diesem Zusammenhang mit Kindern habe? „Ich habe sehr viele Euthanasien erlebt, die sehr ruhig und in schönem Rahmen mit Kindern stattgefunden haben. Ich glaube, man kann den Kleinen mehr zutrauen, als das oft der Fall ist. Aber schlussendlich ist das etwas, das die Familie entscheiden sollte.“