Tiergestützte Intervention mit Hunden: Snowdragons und dogs4kids stärken Mensch & Hund

Tiergestützte Intervention mit Hunden: Snowdragons und dogs4kids stärken Mensch & Hund

von Gastautor
Tiergestützte Intervention / Hundegestützte Intervention

Geschrieben von Petra Sallaba und Lukas Mikulics

Tiergestützte Intervention mit Hunden: Wenn Hunde Herzen öffnen

Hunde gelten seit Jahrtausenden als treue Begleiter des Menschen. Doch viele Vierbeiner sind weit mehr als nur Haustiere: Sie übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben und arbeiten in verschiedenen Berufen Seite an Seite mit Menschen. Dank ihres ausgeprägten Geruchssinns, ihrer Lernfähigkeit und ihrer engen Bindung zum Menschen sind Hunde in vielen Bereichen unverzichtbar. Neben den klassischen Aufgaben wie Polizei und Rettungshunden, Such – Lawinenhunden, Assistenzhunden, gibt es in Österreich eine große Zahl an Therapiebegleithunden die in tiergestützten Interventionen ihren Einsatz finden.

Nach der Definition der International Association of Human–Animal Interaction Organizations (IAHIAO) versteht man unter tiergestützter Intervention einen geplanten und zielorientierten Einsatz von Tieren, der von qualifizierten Fachpersonen durchgeführt oder begleitet wird, um therapeutische, pädagogische oder soziale Ziele bei Menschen zu erreichen. Dabei ist die Interaktion zwischen Mensch und Tier ein zentraler Bestandteil des Prozesses und soll Gesundheit, Wohlbefinden oder Entwicklung fördern.

Hunde in der tiergestützten Intervention leisten wertvolle Beiträge in Pädagogik, Therapie und sozialer Arbeit. Ob in Schulen, Reha-Einrichtungen oder bei Kindern mit besonderem Förderbedarf – professionell ausgebildete Mensch-Hund-Teams schaffen Zugänge, wo Worte allein oft nicht ausreichen.

Tiergestützte Intervention / Hundegestützte Intervention
(c) Petra Sallaba
Tiergestützte Intervention / Hundegestützte Intervention
(c) Lukas Mikulics

Snowdragons und dogs4kids: Tiergestützte Arbeit mit Hunden in Österreich

Die Initiativen Snowdragons und dogs4kids verfolgen unterschiedliche Ansätze in der tiergestützten Arbeit mit Hunden. Gemeinsam ist ihnen jedoch ein zentrales Ziel: das Wohl der Tiere ebenso wie der positive Nutzen für den Menschen. Durch respektvolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund entstehen Begegnungen, die sowohl das Tierwohl berücksichtigen als auch das Wohlbefinden, die Entwicklung und die Lebensqualität von Menschen fördern.

Snowdragons: Tiergestützte Arbeit mit Huskies im Einklang mit Tier und Mensch

Das Snowdragons Husky Team wurde vor fast 20 Jahren von Lukas Mikulics gegründet. Damals war in der tiergestützten Arbeit häufig die Ansicht verbreitet, dass Tiere vor allem an die Bedürfnisse der Menschen und an bestimmte Settings angepasst werden müssten. Oft wurden sie dabei als eine Art Werkzeug zum Erfolg betrachtet, während das Tierwohl nicht immer auf derselben Ebene wie das Wohl des Menschen stand.

Für Mikulics war dieser Ansatz jedoch schwer nachvollziehbar. Ein Beispiel dafür war eine Prüfung, bei der sich sein Husky in einem Wiener Einkaufszentrum beweisen sollte – ein Umfeld, das selbst bei ihm Unbehagen auslöste. Für seine sensiblen und bewegungsfreudigen Hunde erschien ein solcher Rahmen kaum passend.

Als Alternative gab es damals bereits das Konzept der freien Begegnung zwischen Mensch und Tier. Dieser Ansatz basiert auf Freiwilligkeit, Authentizität und gegenseitigem Respekt. Für Mikulics und sein Husky-Rudel schien genau das der richtige Weg zu sein. Statt Tiere an vorgegebene Situationen anzupassen, stellte er ihre natürlichen Stärken in den Mittelpunkt: Bewegung, Lebensfreude und die Begeisterung für Aktivitäten in der Natur.

Freie Begegnung zwischen Mensch und Hund: Tierwohl als Grundlage

So entwickelte sich ein anderer Zugang zur tiergestützten Arbeit. Die Tiere geben den Rahmen vor, der ihnen guttut – und die passenden Menschen werden in dieses Setting eingeladen. Das Ziel ist es, Begegnungen zu schaffen, von denen beide Seiten profitieren: Die Hunde können ihre natürlichen Fähigkeiten ausleben, während Menschen positive Erfahrungen, neue Perspektiven und oft auch wichtige Unterstützung für ihr Leben gewinnen.

Gleichzeitig betont Mikulics, dass dieser Ansatz nicht für alle Menschen oder Situationen geeignet ist. Gerade deshalb sei es wichtig, dass es viele unterschiedliche Konzepte und engagierte Fachpersonen in der tiergestützten Arbeit gibt, die verschiedene Wege der Mensch-Tier-Begegnung ermöglichen.

Huskies in Lappland: Enrichment, Empowerment und natürliche Bedürfnisse

Aktuell befindet sich das Snowdragons Team mit seinen Huskies in Schwedisch Lappland, wo sie gemeinsam den Winter verbringen. Dort erleben die Hunde ihren natürlichen Lebensraum: Schnee, Bewegung und weite Landschaften. Begriffe wie Enrichment und Empowerment werden hier greifbar, denn die Tiere können das ausleben, was ihrem Wesen als Schlittenhunde entspricht – geprägt von einer jahrtausendelangen Tradition.

Die Zeit im Norden stärkt auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Es bleibt Raum, die Hunde zu beobachten, ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. Die Freude der Tiere am Laufen, Entdecken und Arbeiten im Schnee ist dabei selbst nach vielen Wintern noch deutlich spürbar.

Besondere Momente entstehen auch, wenn Menschen diese Erfahrungen teilen dürfen. In diesem Winter besuchte eine Gruppe von Kindern das Team in Lappland. Gemeinsam mit den Huskies draußen zu stehen und das Nordlicht am Himmel tanzen zu sehen, schafft Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben.

Für Mikulics ist diese Arbeit längst mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung. Sein Ziel ist es, Menschen auch in schwierigen Lebensphasen zu begleiten und ihnen durch die Begegnung mit den Hunden neue Kraft zu geben. Weitere Informationen zur Arbeit des Teams finden Interessierte auf www.snowdragons.at.

Tiergestützte Intervention / Hundegestützte Intervention
(c) Lukas Mikulics

dogs4kids: Therapiebegleithunde mit Herz, Freude und Pfotenpower

2012 gründeten Petra Sallaba und Martin Klinger den Verein dogs4kids, um Therapiebegleithundeteams auszubilden und vielfältige Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu schaffen. Diese Teams werden seit 2015 von der Prüf- und Koordinationsstelle des Messerli Forschungsinstituts zertifiziert. dogs4kids setzt damit Standards für hundegestützte Interventionen und legt besonderen Wert auf das Zusammenspiel von fachlicher Kompetenz und Tierwohl. Ausgebildet werden ausschließlich Personen mit einem beruflichen Hintergrund in Pädagogik, Sozialarbeit, Psychologie, Therapie oder Pflege. So kommen die Hunde direkt in ihrem jeweiligen Fachbereich zum Einsatz.

Die Einsatzbereiche reichen von Einzelbetreuung von fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen über Kindergärten und Schulen („Hundesprache besser verstehen lernen“) bis hin zu Lesehund-Programmen in Kooperation mit Büchereien zur Leseförderung. Weitere Aufgaben umfassen Gruppen- oder Einzelbegleitungen in Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Unterstützung in Kinderhospiz-Einrichtungen und sogar die Begleitung von Feriencamps für palliativ erkrankte Kinder.

Kunst & Hund: Kreativität trifft tiergestützte Begegnung

Das Projekt „Kunst & Hund“ verbindet dogs4kids die tiergestützte Arbeit von Therapiebegleithunden mit kreativen Gestaltungsprozessen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Im Workshop lernen die Teilnehmenden nicht nur den sicheren und respektvollen Umgang mit Hunden, sondern setzen ihre Erlebnisse auch künstlerisch um.

In Zusammenarbeit mit Makrela Mal- und Kreativlabor werden z. B. Hundeportraits, Handpuppen oder Collagen aus Natur- und Recyclingmaterialien gestaltet. So wird die Erfahrung der Begegnung mit dem Hund vertieft, Wahrnehmung und Feinmotorik gefördert und der kreative Ausdruck unterstützt. Alle Teilnehmenden können ohne Vorkenntnisse mitmachen, wer möchte, kann die Hunde beobachten, ohne direkten Kontakt zu haben. Im Mittelpunkt steht immer die Freude am gemeinsamen Tun!

Kunst & Hund schafft auf diese Weise eine Verbindung von Tierwohl, menschlichem Lernen und kreativer Entfaltung.

Mit dieser Bandbreite zeigt dogs4kids, wie vielseitig und wertvoll die Arbeit von Therapiebegleithunden sein kann – immer mit dem Ziel, Mensch und Hund gleichermaßen zu respektieren und zu fördern. www.dogs4kids.at.

Tiergestützte Intervention / Hundegestützte Intervention
(c) Petra Sallaba
(c) Lukas Mikulics

Fachtagung „Menschengestütztes Tierwohl“ 2026 in Wien

Petra Sallaba und Lukas Mikulics leben tiergestützte Interventionen auf zwei unterschiedliche Arten. Der Blick auf das Tierwohl eint die Beiden in ihrer Arbeit. Um diesen Schwerpunkt im Zusammenhang mit tiergestützten Einsätzen mit vielen KollegInnen und Kollegen zu teilen, organisieren sie eine internationale Fachtagung für tiergestützte Arbeit mit dem Titel „Menschengestütztes Tierwohl“. SprecherInnen aus den USA, Deutschland und Österreich werden in Form von Vorträgen und Workshops am 30. und 31. Mai 2026 in Wien ein spannendes und informatives Wochenende gestalten. Unter anderem wird Michael Kaufmann als Präsident der IAHIAO (International Association of Human Animal Interaction Organizations) am zweiten Tag globale Einblicke in die Entwicklung der tiergestützten Intervention geben. Ziel ist es Wissen aus der Praxis und Forschung zu vermitteln und sich innerhalb Österreichs und mit unseren internationalen Gästen zu vernetzen. Es gibt noch freie Plätze für TeilnehmerInnen an der Tagung. Informationen und Anmeldung gibt es auf www.fachtagung.mensch-plus-tier.at.

Veranstaltungshinweis: Fachtagung „Menschengestütztes Tierwohl“

30.-31. Mai 2026
Wien
Tiergestützte Interventionen basieren auf fachlicher Kompetenz, tragfähigen Beziehungen und einem gemeinsamen Verständnis von Tierwohl. Im Beziehungsdreieck von Tier, Fachkraft und Klient entsteht der professionelle Rahmen, der wirksame und verantwortungsvolle Interventionen ermöglicht. Mit dieser Auftaktveranstaltung entsteht TGI Österreich – eine Plattform, die Menschen vernetzt, die mit Tieren für Menschen arbeiten und dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten in den Mittelpunkt stellen.

Fazit

Wenn Fachwissen, Empathie und Tierwohl Hand in Hand gehen, entsteht ein starkes Team auf vier und zwei Beinen. Anbieter wie Snowdragons Österreich und dogs4kids verdeutlichen, wie qualitätsvolle tiergestützte Arbeit in der Praxis aussehen kann – und warum der fachliche Austausch auf Tagungen unverzichtbar ist. Denn am Ende profitieren alle: die Klienten, die Fachkräfte – und vor allem die Hunde

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