Statistik: Mehr verhaltensauffällige Hunde dank Pandemie

by StefanC
Ein Hund fletscht die Zähne als Symbol für verhaltensauffällige Hunde.

So manch einem mag es vorkommen, dass es momentan an jeder Straßenecke bellt und keift.

Immer öfter enden Begegnungen in Hundeparks oder während der Gassirunden in unangenehmen Vorfällen, wie eine britische Statistik zeigt. Experten sehen den Grund für den Anstieg an verhaltensauffälligen Hunden in der Pandemie.

Nicht nur England verzeichnete einen rapiden Anstieg von frischgebackenen Hundeeltern während der Covid-19-Pandemie. Auch in Deutschland bemerkten Tierschutzorganisationen eine enorme Nachfrage nach Hundewelpen – und damit einhergehend leider auch eine Verdoppelung der illegal geschmuggelten Hundekinder. Dank Homeoffice, Kurzarbeit und Langeweile in der Isolation nutzten viele Menschen die günstige Gelegenheit, sich eine Fellnase ins Haus zu holen. Diese „Corona-Welpen“ sind nun erwachsen. Und sind leider zu einem nicht unwesentlichen Teil zu verhaltensauffälligen Hunde geworden, wie eine britische Statistik nun belegt.

Anstieg von verhaltensauffälligen Hunden

Laut BBC verzeichnete die britische Polizei 34 Prozent mehr Hundeattacken als im Vorjahr. 2022 stieg die Anzahl an gemeldeten Beißvorfällen auf 22.000, im Vergleich dazu waren es 2018 „nur“ 16.000 Attacken. Dass mehr Hunde in britischen Haushalten auch für mehr Beißvorfälle sorgen, ist logisch, doch laut der „Ulster Society for the Protection of Animals“ nicht der einzige Grund für Verhaltensstörungen. Denn der Anstieg der Hundebisse übersteige den Anstieg an gehaltenen Hunden in Großbritannien signifikant. Woran liegt es also, dass es plötzlich zu mehr unangenehmen Zwischenfällen mit verhaltensauffälligen Hunden kommt? Experten sehen hier mehrere Faktoren, die direkt mit der Pandemie zusammenhängen.

Schnelle Hunde aus dem Internet

Der USPCA zufolge beginnt das Problem schon bei dem Erwerb der Tiere. Denn die hohe Nachfrage nach Hundewelpen habe dazu geführt, dass viele Menschen Hunde aus dubiosen Quellen gekauft haben. Besonders auf sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. boomte der (illegale) Handel mit Hundewelpen. Diese wurden aber hinter einer betrügerischen Fassade unter schrecklichen Haltungsbedingungen gezüchtet. Erblich bedingte Krankheiten, die zu frühe Trennung von der Mutter und unabgeschlossene Entwicklungsphasen sorgten dafür, dass diese Welpen bereits einen schwierigen Start ins Leben hatten. Oftmals unbemerkt von den glücklichen Käufern, die in dem Glauben gelassen wurden, einen Rassehund von einem seriösen Züchter erhalten zu haben.

Dennoch war es für viele Menschen praktischer, die Hunde schnell und einfach aus dem Internet zu bestellen und sogar geliefert zu bekommen. So habe man als Endkunde keinerlei Ahnung davon, wo und wie die Welpen aufgewachsen waren oder welchen Charakter die Elterntiere hätten. „Sie haben diese Welpen [geliefert] bekommen, ohne jemals mit den Eltern interagiert zu haben“, lamentiert auch Hundetrainerin Sandra Gilliland.

Hunderassen in den falschen Händen

Seriöse Züchter achten darauf, dass ihre Welpen nur zu Menschen kommen, die der Rasse und ihren individuellen Herausforderungen gewachsen sind. Doch Vermehrer kümmern sich nicht darum, wo ihr Hund endet. Für sie zählt nur der Profit beim Verkauf der Welpen. So gelangten auch Hunderassen in die Hände von Familien, die mit deren Lebensstil überhaupt nicht kompatibel waren. Besonders betroffen sind hier Arbeitshunderassen wie u.a. Border Collies, Australian Shepherds oder Malinois, deren Auslastung nicht nur viel Zeit und Aufwand, sondern auch viel Trainingserfahrung vonseiten der Menschen voraussetzt. Auch hochspezialisierte Hunderassen wie Schlittenhunde (u.a. Sibirische Huskys oder Samojeden) sowie Herdenschutzhunde gelangten so an ungeeignete Besitzer. Verhaltensprobleme und Frustration beim Hund und Herrchen bzw. Frauchen sind da vorprogrammiert.

Online-Training statt Hundeschule

Weil während der Pandemie viele Hundeschulen den Betrieb komplett einstellen mussten, entstand so ein weiterer Stolperstein in der Hundeerziehung. Viele Welpen und auch Ersthundebesitzer haben so wichtige Einführungskurse und erste wichtige Trainingseinheiten komplett verpasst. In der Not haben sich die frischgebackenen Hundebesitzer online nach Trainingsvideos umgesehen – und obwohl der Gedanke löblich ist, lauerte hier die nächste Gefahr.

„Viele Menschen sind Hundetrainern auf sozialen Medien gefolgt, doch oftmals unterdrücken deren Methoden das unerwünschte Hundeverhalten nur. Wenn man diesen Methoden in Eigenregie zu Hause folgt, kann man mehr Schaden als Nutzen anrichten und eine tickende Zeitbombe kreieren“, so Gilliland. Zudem ist nicht jede Person, die sich online als Hundetrainer ausgibt, wirklich vom Fach. Im schlimmsten Fall erzieht man so seinen Hund mit völlig falschen Methoden – dabei eignet sich auch nicht jeder Erziehungsansatz für jede Fellnase. Deswegen ist es so wichtig, mit dem Hund eine Hundeschule zu besuchen. So können sich die Trainer ein Bild von Hund und Besitzer machen und live sehen, wie diese zusammenarbeiten – oder auch nicht.

Isolation und Unwissenheit

Viele Menschen, die sich während Covid-19 einen Hund angeschafft haben, sind außerdem Ersthundebesitzer ohne Erfahrung, wie man Hunde erzieht und auch sozialisiert. Auch der fehlende Kontakt mit anderen Hunden und Menschen während der Isolation hat vielen Fellnasen nicht gutgetan. Da sie in einer Ausnahmesituation aufgewachsen sind, sind viele Hunde nun mit dem normalen Alltag überfordert. Besuche zu Hause und Begegnungen auf der Straße oder im Hundepark setzen die Tiere unter Stress und bieten dann extremes Konfliktpotential.

All diese Faktoren rund um den Hundeboom während Corona könnten also zusammenspielen, um für die vielen verhaltensauffälligen Hunde verantwortlich zu sein. Doch auch erwachsene Hunde kann man mit Geduld und Konsequenz noch gut erziehen – bestenfalls unter fähiger Aufsicht eines qualifizierten Hundetrainers. Wer also während Covid-19 die Hundeschule verschwitzt hat, soll wissen: Es ist niemals zu spät, die Schulbank zu drücken.

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