So gefährlich ist Feinstaub für Hunde

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Auch für Hunde birgt eine Belastung durch Feinstaub gesundheitliche Risiken. Welche das sind und was man dagegen tun kann, hat uns Prof. Reinhard Hirt von der VetMed Uni Wien erklärt. / Fotos: Pexels & Pixabay

Wie gefährlich ist die Belastung durch Feinstaub für unsere Hunde? Veterinärmediziner Professor Reinhard Hirt hat uns im Interview zu diesem Thema aufgeklärt!

Das Feinstaub in zu hoher Konzentration unserer Gesundheit schadet, ist allgemein bekannt. Über die Folgen der Luftverschmutzung für unsere Vierbeiner haben die meisten Menschen allerdings keine Ahnung. Unsere brennendsten Fragen zu diesem Thema haben wir daher Ao. Univ.-Prof. Dr. med. vet. Dipl. ECVIM-CA Reinhard Hirt von der Veterinärmedizinischen Universität Wien gestellt.

Herr Professor Hirt, werden Hunde durch Feinstaub belastet?

Eine Belastung ist durchaus auch für Hunde gegeben. Nicht umsonst wird der Hund immer wieder auch als Modell für die Einflüsse der F. beim Menschen herangezogen. Hunde sind gegenüber größeren Partikeln (über 10 µm) durch ihre meist längeren Nasen (Ausnahme: kurzschnäuzige, brachycephale Rassen wie Französische Bulldoggen, Möpse etc.) besser geschützt sind als der Mensch. Sehr kleine Partikel, wie sie insbesondere bei der Verbrennung entstehen (Ruß, Rückstände der Dieselverbrennung), können auch bei Hunden die unteren Atemwege erreichen. Erschwerend mag hinzukommen, dass sich Hunde quasi auf Höhe der Abgas-Auslassöffnungen der meisten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor befinden.

Welche Folgen kann eine zu hohe Feinstaub-Belastung für die Gesundheit unserer Hunde haben?

Zunächst sind die auch beim Menschen bekannten Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem zu nennen. Untersuchungen an Hunden haben gezeigt, dass es unter Feinstaubbelastung zu einem Anstieg des Blutdruckes im Körperkreislauf kommt. Auch EKG- veränderungen wurden in experimentellen Untersuchungen festgestellt.

Zu durch Feinstaubbelastung hervorgerufene Veränderungen der Atemwege und Lunge liegen zum Teil unterschiedliche Erkenntnisse vor. In experimentellen Untersuchungen wurden teilweise keine schwerwiegenden Erkrankungen des Atmungstraktes gesehen. Auch die Rettungshunde, die nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York eingesetzt wurden, zeigten zumindest klinisch keine Langzeitfolgen. Wesentlich praxisrelevanter jedoch erscheint eine große Studie aus Mexiko, die Hunde aus Mexico City mit extrem hoher Umweltbelastung, und einer kleinen Stadt mit relativ geringer Belastung verglichen hat: im Gegensatz zu den ,wenig belasteten Hunden wurden bei den Hunden aus Mexico City massive Ablagerungen von Teer und anderen Staubpartikeln, entzündliche Veränderungen der Atemwege und der Lunge, Bindegewebszubildung und auch Gerinnsel in den kleinsten Blutgefäßen der Lunge gefunden.

In einer weiteren Untersuchung konnte ein Zusammenhang mit primären Lungenkarzinomen (Lungenkrebs) und Teerablagerungen in der Lunge (Anthrakose) festgestellt werden: Hunde mit Karzinomen hatten einen wesentlich höheren Gehalt an Teerpartikeln insbesondere in den sogenannten Alveolar- Makrophagen (Abwehrzellen der Lunge) als Hunde ohne Tumoren. Es bleibt in diesem Zusammenhang offen, ob in der Tat eine ursächliche Beziehung besteht. Es ist allerdings erwähnenswert, dass Lungenkrebs häufiger bei kurzschnäuzigen Hunderassen auftritt, während Hunde mit langer Schnauze häufiger Tumoren in der Nase entwickeln.

Gibt es noch andere Faktoren, die eine Erkrankung der Atmungsorgane in dieser Jahreszeit begünstigen?

Vorbestehende Erkrankungen vor allem des Atmungstraktes und des Herzens, feuchtkaltes Wetter, längeres Verweilen in der Kälte ohne Bewegung. Auch wenn Hunde im Gegensatz zum Menschen über ein (mitunter durchaus dichtes) Fell verfügen, sind sie durch die Gewöhnung an warme Umgebungstemperatur in geheizten Räumen gegenüber längerfristiger Kälteeinwirkung empfindlich. Insbesondere feuchtes oder nasses Fell (z. B. nach Spielen im Schnee) hebt die Isolationswirkung des Fells rasch auf. Somit kommt dem Abtrocknen eine wichtige Bedeutung zu.

Was wären die für den Laien ersten ersichtlichen Krankheitszeichen?

Auch bei Hunden zeigen sich Probleme des Atemtraktes am häufigsten durch Niesen und Husten. Daneben können auch Nasen- und Augenausfluss bestehen. Diese Symptome sind nicht charakteristisch, und können bei leichter Schleimhautreizung oder Verkühlung ebenso auftreten wie bei Lungenentzündung, Vor allem bei ernsteren Problemen können erschwerte Atmung, verminderte Aktivität und reduzierte Fresslust, mitunter auch Fieberauffallen.

Gibt es besondere Risikogruppen unter den Hunden, etwa junge oder besonders alte Tiere oder bestimmte Rassen?

Naturgemäß sind Welpen und ältere Tiere generell gegenüber schädigenden Einflüssen als gefährdeter anzusehen. Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des Atmungstraktes (Atemwege und Lunge, z.B. chronische Bronchitis), sowie „Maulatmer“ (kurzschnäuzige Rassen, wie die Fanzösische Bulldogge und der Mops), die aufgrund ihrer besonderen Nasenform oft nur unzureichend durch die Nase atmen können und vor allem bei körperlicher Betätigung auf reine Maulatmung angewiesen sind . Da bei diesen Hunden Filterfunktion der Nase umgangen wird, können entsprechend mehr und auch größere Partikel den Weg in die unteren Atemwege finden.

An Tagen besonders hoher Belastung – was soll man als Besitzer tun, spazieren gehen muss man ja trotzdem, oder?

Theoretisch wäre das vollständige Vermeiden der Einwirkung schädigender Einflüsse die ideale Maßnahme. Dies ist jedoch ebenso wie die Verwendung leistungsfähiger Atemmasken zur Reduktion der Feinstaubaufnahme nicht praktikabel. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Hunden bei erhöhter Feinstaubbelastung absolutes Bewegungsverbot an der frischen Luft auferlegt wird. Natürlich müssen Hunde im urbanen Raum mehrmals täglich ihre „Gassirunde“ absolvieren, und auch darüber hinaus ist tägliche Bewegung für die körperliche und geistige Verfassung positiv. Darüber hinaus macht die Feinstaubbelastung auch vor geschlossenen Räumen nicht Halt.

Sinnvoll wäre es, zumindest für längere Spaziergänge Bereiche außerhalb der am stärksten belasteten Zonen und Ballungszentren aufzusuchen. Da hierfür in der Regel jedoch auf das Auto zurückgegriffen wird, trägt dies wiederum zur Erhöhung der Feinstaubproduktion und damit zu einer weiteren Belastung für Tier und Mensch bei. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist in diesem Zusammenhang eine sehr sinnvolle Alternative.

Wichtig ist die Vermeidung zusätzlicher Belastungen. Dazu zählt vor allem die Exposition mit Passivrauch durch Tabakkonsum im Haushalt, sowie die Staubbelastung innerhalb geschlossener Räume, innerhalb derer sich der Hund ja die meiste Zeit aufhält, und die nicht unerhebliche Ausmaße annehmen kann.

Was kann man vorbeugend tun?

Warmhalten, Trocknen des Hundes nach Spaziergängen, regelmäßige Bewegung zur Erzielung/Erhaltung eines adäquaten Trainingszustandes, keine „Gewalttouren“ nach längeren Phasen geringer Aktivität, häufiges Stoß-Lüften im Wohnbereich, Minimierung der Staubbelastung innerhalb des Wohnbereiches. Bei bestehenden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder Atmungstraktes angemessene (medikamentelle) Therapie, Bewegungsprogramm auf reduziertem Niveau. Und schließlich: bei entsprechenden Symptomen den Tierarzt aufsuchen!