Für viele Hundefreund:innen startet der gemeinsame Lebensweg mit einer wichtigen Frage – wo bekomme ich überhaupt einen Hund her? Wer sich nicht im Tierheim nach Welpen oder erwachsenen Tieren umsehen möchte, wird sehr wahrscheinlich nach einer geeigneten Zuchtstätte Ausschau halten. Doch woran erkennt man eine gute Hundezucht?
Die raketenhaft angestiegene Nachfrage nach einem vierbeinigen Freund hat leider auch die Profitgier genährt. Ständig entstehen neue Welpenfabriken im In- und Ausland, die todkranke Billigwelpen wie Massenware an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen. Dabei sollte Zucht kein Geschäft, sondern ein Lebenszweck, eine Passion sein – so, wie sie es für Sarah Haidacher ist. Sie half schon mit knapp acht Jahren bei der ersten Welpengeburt und hat sich seitdem dem besten Freund des Menschen verschrieben. Nun gibt sie Tipps aus fast 20 Jahren Hundezuchterfahrung und erklärt, woran man eine Hundezucht aus Leidenschaft erkennt.
Wie man einen seriösen Hundezüchter findet
Die Suche nach einem Hund beginnt heute oft im Internet. Daran ist grundsätzlich nichts falsch – schließlich lässt sich online ein erster Überblick gewinnen. Trotzdem sollte die Recherche nie beim hübschen Foto eines niedlichen Welpen enden. Eine Website kann erste Hinweise liefern, etwa darauf, wie transparent eine Zucht arbeitet, ob Informationen zu den Elterntieren, zu Gesundheitsuntersuchungen oder zur Aufzucht der Welpen zu finden sind und ob eine Mitgliedschaft in einem Zuchtverein oder Verband angegeben wird.
Hilfreich sind auch Empfehlungen von Hundehalter:innen, die mit ihrem Züchter gute Erfahrungen gemacht haben. Ebenso können anerkannte Zuchtvereine oder Dachverbände eine sinnvolle Orientierung bieten. Entscheidend ist aber: Die Recherche ist nur der Anfang. Ob eine Zucht wirklich seriös ist, zeigt sich nicht auf einer schön gestalteten Website, sondern im persönlichen Kontakt, im Umgang mit den Tieren und letztlich bei einem Besuch vor Ort.
Der erste Kontakt sagt oft schon viel aus
Schon das erste Telefonat kann überraschend aufschlussreich sein. Ein verantwortungsvoller Züchter wird nicht nur bereitwillig Auskunft über Wurf, Elterntiere und Aufzucht geben, sondern auch selbst Fragen stellen: Wie lebt die künftige Familie? Gibt es Hundeerfahrung? Wie viel Zeit bleibt im Alltag? Und warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese Rasse? Was vielleicht zuerst ein wenig streng wirkt, ist in Wahrheit meist ein gutes Zeichen. Wer mit Herz züchtet, möchte wissen, wohin seine Welpen später kommen.
Misstrauisch sollte man dagegen werden, wenn das Gespräch vor allem auf eines hinausläuft: einen möglichst schnellen Abschluss. Wer auffällig wenig über die Tiere erzählt, jederzeit Welpen verfügbar hat oder sofort zum Kauf drängt, denkt oft weniger an das Wohl des Hundes als an den Verkauf.
Persönlicher Besuch der Zucht
Wer Hunde mit Liebe und Sorgfalt aufzieht, hat nichts zu verstecken – und freut sich daher, wenn ein:e Interessent:in um einen persönlichen Besuch bittet. Gute Hundezüchter:innen bestehen meist sogar auf ein persönliches Kennenlernen. Sie sind stolz darauf, ihr Muttertier, die Welpen und deren Zuhause herzuzeigen. Im besten Fall halten sie die Tiere im Haus, wo sie schon früh das Familienleben und Alltagsgeräusche wie Fernseher, Staubsauger, Türklingel etc. kennengelernt haben. Ist ein Besuch der Zucht wegen zu großer Entfernung nicht möglich, sollte man zumindest auf einen Videoanruf zurückgreifen dürfen.
Vermehrer:innen hingegen finden Ausreden dafür, warum man die Mutter, den ganzen Wurf oder die Zuchtstätte nicht sehen darf. Sie zeigen höchstens einzelne Welpen her. Oftmals werden diese den Kund:innen auch als Jungen einer gesund aussehenden Hündin präsentiert – welche die Welpen aber eigentlich gar nicht geboren hat. Profi -Tipp von Züchterin Sarah Haidacher: Vorsichtig den Bauch des vermeintlichen Muttertiers abtasten, sofern sie es zulässt. Ist das Gesäuge nicht geschwollen, hat die Hündin die Welpen auch nicht geworfen! Verdächtig ist auch, wer viele verschiedene Hunderassen anbietet: Denn Zucht setzt viel Fachwissen voraus. Deswegen spezialisieren sich die meisten seriösen Züchter:innen auf eine bis maximal drei Hunderassen.

In Welpenfabriken fristen die Hundekinder und ihre Mütter ein trauriges Dasein – denn sie werden nur für Profit gezüchtet, ohne Rücksicht auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. (c) eve_eve01genesis (Canva)
Interesse am Welpen
Wer „seine“ Hundekinder heranwachsen sieht, ist auch an deren restlichem Leben sehr interessiert. Hundezüchter:innen mit Herzblut führen regelrechte Bewerbungsgespräche mit Interessent:innen und wollen sicherstellen, dass der Welpe ein passendes neues Zuhause bekommt. Es kann deswegen vorkommen, dass sie Interessent:innen ablehnen oder einzelne Welpen selbst zuteilen. Denn sie können am besten einschätzen, welcher Hund am besten zum Lebensstil und Charakter des/der zukünftigen Halters bzw. Halterin passt.
Zudem bestehen sie auf Klauseln im Kaufvertrag, dass Hunde wieder in ihre Obhut zurückkehren, sollten die neuen Besitzer:innen diese nicht mehr halten können – auch im Erwachsenenalter. Denn für die meisten Hundezüchter:innen gibt es keinen schlimmeren Albtraum, als dass ihre liebevoll aufgezogenen Welpen in Tierheimen enden, gedankenlos weitergereicht oder gar ausgesetzt werden.
Papiere und Dokumente zur Zucht
Seriöse Hundezüchter:innen legen bereitwillig die wichtigsten Dokumente vor, die schwarz auf weiß bezeugen, dass mit ihren Welpen und deren Eltern alles in Ordnung ist. Dazu gehören die Gesundheitszeugnisse der Eltern (wie HD-/ ED-Zeugnisse) ebenso wie das Wurfabnahmeprotokoll. Darin hält ein Zuchtwart eines Rassevereins fest, wie viele Welpen geboren wurden und in welchem Zustand sich Zuchtstätte, Muttertier und Welpen befanden. Des Weiteren geben seriöse Züchter:innen jedem Welpen eine FCI-bestätigte Ahnentafel mit. So edel Ahnentafeln auch klingen – hierbei geht es nicht darum, mit der Abstammung und Reinrassigkeit eines Hundes zu protzen. Man erhält einen Nachweis darüber, dass keine verwerflichen Zuchtpraktiken betrieben werden, also dass die Mütter nicht zu früh gedeckt werden bzw. dauerschwanger sind und Inzucht vermieden wird.
Vermehrer:innen kümmern sich nicht darum, welche Hunde sich miteinander paaren – weswegen ihre Hunde in der Regel Krankheiten und Gesundheitsprobleme mitbringen. „Der Ahnentafel kann man entnehmen, dass nur Hunde mit positiven Gesundheitszeugnissen und rassetypischem Aussehen und Wesen zur Zucht verwendet werden“, so Haidacher. Lassen Sie sich nur ungern mit dem Versprechen abspeisen, dass Ahnentafel und Heimtierpass per Post nachgeschickt werden. Denn diese sind leider oft gefälscht! (Natürlich kann es auch bei der seriösen Zucht vorkommen, dass der Ahnenpass länger in der Bürokratie „steckenbleibt“.) Aber zumindest sollte man beim Kauf immer auf einen schriftlichen Kaufvertrag bestehen.
Wann Welpen abgegeben werden dürfen
Ein besonders wichtiger Punkt ist das Abgabealter. Welpen sollten frühestens mit acht Wochen in ihr neues Zuhause ziehen. Wer deutlich jüngere Tiere anbietet, handelt nicht verantwortungsvoll. Denn in den ersten Lebenswochen lernen Hundekinder von ihrer Mutter und ihren Wurfgeschwistern vieles, was für ihre soziale und emotionale Entwicklung entscheidend ist.
Doch auch nach der achten Woche kommt es darauf an, wie diese Zeit genutzt wurde. Ein verantwortungsvoller Züchter lässt die Welpen nicht einfach nur größer werden, sondern begleitet diese Phase sehr bewusst. Wer beim Abgabezeitpunkt trickst, drängt oder möglichst früh verkaufen will, setzt meist nicht die Entwicklung der Tiere an erste Stelle.
Preisfrage
Von Hundezüchter:innen aus Leidenschaft erwirbt man nicht nur den Hund selbst, sondern auch diverse andere Leistungen, die im Preis inbegriffen sind. Neben einer sorgfältigen Frühsozialisation und einer glücklichen Kindheit sind Hunde aus seriöser Hundezucht bei der Übergabe geimpft, gechippt und tierärztlich untersucht. Neben einem Starterpaket aus Futter für die erste Zeit im neuen Zuhause gibt es auch einen europäischen Heimtierpass für die neuen Hundebesitzer:innen.
Die günstigen Preise von Vermehrer:innen, die ihre Billigwelpen für ein paar hundert Euro verkaufen, gehen sich für seriöse Hundezüchter:innen selbst dann nicht aus, wenn sie vollkommen auf Profit verzichten – was durchaus vorkommt. „Macht man Hundezucht richtig, verdient man sich keine goldene Nase damit“, sagt Haidacher. „Die Welpen aufblühen zu sehen und zu wissen, dass sie ein schönes, langes Leben bei ihren neuen Familien genießen können, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“ Zumal man mit einem Billigwelpen auf lange Sicht sehr viel teurer aussteigen kann. Denn leider sind langwierige Krankheiten oder gar ein plötzlicher Tod des Welpen keine Seltenheit bei Vermehrer:innen.
Finger weg vom Internetkauf
Ein No-Go für den Welpenkauf ist der Onlinehandel mit Hundekindern. Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnt in ihrer Kampagne „Schnell bestellt – krank geliefert“ vor den vielfältigen Risiken. Denn für viele Hundeinteressent:innen ist das schnelle Angebot aus dem Netz auf den ersten Blick durchaus attraktiv. Lebewesen flott und unkompliziert bestellen – diesen „Service“ nutzen leider zu viele Menschen gedankenlos. Doch wenn der Hundewelpe dann im neuen Zuhause angekommen ist, weicht die erste Begeisterung meist dem blanken Horror.
Denn Welpen aus dubiosen Quellen sind meistens krank, traumatisiert und durch Inzucht genetisch belastet. Leider überleben einige dieser „Billigwelpen“ die erste Zeit im neuen Heim nicht, andere können nur durch teure und zeitaufwändige Behandlung durch den Tierarzt gerettet werden. Viele behalten lebenslange Gesundheitsprobleme bei. Gerade für Familien mit Kindern kann diese schreckliche Erfahrung emotional sehr belastend sein. Denn dann muss man den Kindern erklären, warum der bereits in Herz geschlossene Hundewelpe wochenlang leidet, nicht spielen kann oder gar nicht mehr vom Tierarzt heimkommt. Leider werden diese Tiere nur dazu gezüchtet, um möglichst schnell verkauft zu werden – und nicht, um als glücklicher und lebenslanger Begleiter einer Familie zu leben.
Vier Pfoten warnt deswegen vehement vor Tierhandel aus dem Internet und gibt Ratschläge, wie man die Fassade zweifelhafter Vermehrer:innen auch online durchschauen kann.
✖ Vermehrer:innen bieten ihre Welpen meist auf mehreren Kleinanzeigen-Portalen an. Das Inserat ist ganzjährig geschaltet, obwohl von „liebevoller Hobbyzucht“ oder einem „glücklichen Unfall auf der Hundewiese“ die Rede ist.
✖ Der Welpe soll direkt nach Hause geliefert werden oder die Übergabe soll an einem öffentlichen Ort oder gar einer Landesgrenze stattfinden. „Generell sind Treffen auf abgelegenen Parkplätzen usw. völlig dubios, man sollte sich selbstverständlich niemals darauf einlassen“, warnt Elisabeth Penz von Vier Pfoten.
✖ Im Inserat geht es hauptsächlich um den Bezahlvorgang und die Lieferung. Es gibt kaum Informationen über die Welpen selbst, die Elterntiere oder die Zuchtstätte. Der/die Verkäufer:in ist nicht Teil eines Zuchtvereins oder Dachverbands, verspricht aber Papiere und Ahnentafeln.
✖ Der/die Verkäufer:in behauptet, es obliege der Verantwortung der neuen Halter:innen, die Welpen zu impfen und zu chippen.
✖ Der/die Verkäufer:in übt ständig Druck aus, um den/die Käufer:in zu einer schnellen Entscheidung zu bewegen, und spricht von „anderen Interessent:innen“.
✖ Meist wird auch eine Anzahlung verlangt. Während dies auch in der seriösen Zucht nicht ungewöhnlich ist, muss man im Internet jedoch damit rechnen, dass ein:e Betrüger:in das Geld einsteckt und untertaucht.
✖ Stolpern Sie online über ein Inserat, das Ihnen verdächtig vorkommt? Zögern Sie nicht, dieses zu melden! Sie können sich entweder direkt an den Betreiber der Kleinanzeigenplattform wenden oder Hilfe bei einer Tierschutzorganisation suchen. Denn nur gemeinsam kann man dem Geschäft mit dem Tierleid endlich ein Ende machen.
Nach dem Welpenkauf
Auch nach dem Kauf endet Verantwortung nicht. Sinnvoll ist ein zeitnaher Gesundheitscheck beim Tierarzt, damit mögliche Probleme früh erkannt werden. Ebenso hilfreich ist es, mit dem Züchter in Kontakt zu bleiben, falls Fragen zur Eingewöhnung, Fütterung oder Entwicklung auftauchen.
Bereiten Sie das neue Zuhause deshalb schon vor dem Einzug gut vor. Ein ruhiger Schlafplatz, passendes Futter, Sicherheitsmaßnahmen und genügend Zeit für die ersten Tage helfen dem Welpen, sich in seiner neuen Umgebung einzugewöhnen. Denn auch der beste Start bei der Züchterin oder beim Züchter ersetzt nicht die sensible Eingewöhnung im neuen Heim.
Fazit
Hunde sind lebenslange Begleiter und keine Massenware. Wer einen Welpen kaufen möchte, sollte sich Zeit nehmen, genau hinschauen und sich nicht von Niedlichkeit, Mitleid oder Zeitdruck leiten lassen. Ein seriöser Züchter verkauft keinen Hund „einfach so“, sondern begleitet die Tiere mit Verantwortung von der Geburt bis zur Abgabe – und oft noch lange darüber hinaus.
Wer sorgfältig auswählt, schützt nicht nur sich selbst vor einem traurigen Fehlkauf, sondern gibt vor allem dem Hund die Chance auf ein gesundes, sicheres und glückliches Leben.
FAQ: Häufige Fragen zum Welpenkauf
Woran erkenne ich einen seriösen Hundezüchter?
Ein seriöser Züchter ermöglicht Besuche, zeigt Muttertier und Welpen, beantwortet Fragen offen und interessiert sich auch für die zukünftigen Halter:innen. Außerdem legt er Gesundheitsnachweise, Kaufvertrag und wichtige Dokumente vor.
Ab wann darf ein Welpe abgegeben werden?
Welpen sollten frühestens mit acht Wochen in ihr neues Zuhause ziehen. Eine frühere Abgabe ist ein Warnsignal, weil die Tiere in den ersten Lebenswochen wichtige soziale Erfahrungen bei Mutter und Wurfgeschwistern machen.
Welche Unterlagen sollte ich beim Welpenkauf bekommen?
Dazu gehören in der Regel ein schriftlicher Kaufvertrag, der Heimtierpass, Impf- und Chipnachweise, die Ahnentafel sowie – je nach Zucht – weitere Gesundheitsunterlagen zu den Elterntieren.
Warum ist ein persönlicher Besuch so wichtig?
Ein Besuch vor Ort zeigt, wie die Welpen aufwachsen, wie die Mutterhündin gehalten wird und wie der allgemeine Zustand der Tiere ist. Kein Foto und keine Website können diesen Eindruck ersetzen.
Warum sollte man keinen Welpen über das Internet kaufen?
Weil dubiose Online-Angebote oft mit kranken, schlecht sozialisierten oder viel zu früh abgegebenen Tieren verbunden sind. Wer ohne Besichtigung, Prüfung und persönlichen Kontakt kauft, trägt ein hohes Risiko.
