Der Hund rast durchs Zimmer, kann sich kaum beruhigen, knabbert Möbel an oder reagiert übermäßig sensibel auf jedes Geräusch. In solchen Momenten drängt sich eine Frage fast auf: Können Hunde eine Art „Hunde-ADHS“ haben?
Gibt es ADHS beim Hund? Was die Forschung bisher zeigt
Tatsächlich mehren sich Hinweise, dass manche Hunde Verhaltensweisen zeigen, die der beim Menschen bekannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ähneln. Eine Forschergruppe der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest nutzte für eine neuere Studie eine eigens entwickelte „Dog ADHD and Functionality Rating Scale“, um ADHS-ähnliche Symptome bei Hunden systematisch zu erfassen. Dabei zeigten einige Hunde deutliche Auffälligkeiten: starke Unruhe, schnelle Ablenkbarkeit und impulsives Verhalten. Allerdings betonen die Wissenschaftler:innen ausdrücklich, dass diese Befunde noch keine offizielle „ADHS-Diagnose“ bei Hunden erlauben – vielmehr handelt es sich um „ADHS-ähnliche Verhaltensmuster“.
Auch größere Datenerhebungen, etwa mit über 11.000 hündischen Probanden in Finnland, legen nahe, dass Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsprobleme bei Hunden gar nicht so selten sind. Besonders häufig betroffen scheinen dabei junge, männliche Hunde zu sein – vor allem, wenn sie viel allein bleiben müssen.
Unterforderung, Stress, Angst: Häufige Auslöser für „Hyperaktivität“ beim Hund
Viele dieser Verhaltensweisen können ganz andere Ursachen haben, etwa Unterforderung, Stress, Angst oder Unsicherheit. Eine allgemein anerkannte tierärztliche Diagnose „ADHS beim Hund“ existiert bislang nicht. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen, nur vereinzelt wurden Fragebögen (durch Hundehalter:innen) validiert und physiologische Messungen sind selten. Zudem vermischen sich Symptome häufig mit solchen anderer psychischer oder umweltbedingter Probleme – was eine klare Abgrenzung erschwert. Wie und ob sich ADHS-ähnliches Verhalten bei Hunden künftig definieren oder diagnostizieren lässt, ist noch unklar. Weitere Studien werden nötig sein, um biologische Zusammenhänge und gesicherte Kriterien zu entwickeln.
Tipps bei ADHS-ähnlichem Verhalten beim Hund
Bei Verhaltensauffälligkeiten können folgende Schritte hilfreich sein:
- Alltag und Auslastung prüfen: Oft hilft mehr körperliche und mentale Beschäftigung. Spaziergänge, Suchspiele, Puzzles und andere geistig fordernde Aufgaben können dabei unterstützen, überschüssige Energie abzubauen und dem Hund zu mehr innerer Ruhe und Ausgeglichenheit zu verhelfen.
- Klare Struktur und Routine schaffen: Hunde mit ADHS-ähnlichem Verhalten profitieren von festen Tagesabläufen, klaren Regeln und ruhiger Umgebung.
- Verhalten beobachten und dokumentieren: Wann treten Auffälligkeiten auf? In welchen Situationen? Eine solche Dokumentation kann helfen, Ursachen (z. B. Stress, Unterforderung) besser zu erkennen und gezielt an ihnen zu arbeiten.
- Tierverhaltensexpert:innen, Hundetrainer:innen oder Tierärzt:innen hinzuziehen.