Mittwoch, November 30, 2022
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Hereditärer Katarakt (HC) – erblicher Grauer Star beim Hund

Die hereditäre Katarakt beim Hund wird umgangssprachlich auch vererblicher Grauer Star genannt. Sie gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten reinrassiger Hunde – was jedoch nicht bedeutet, dass Mischlinge nicht betroffen sein können. Üblicherweise tritt sie bereits wenige Monate nach der Geburt auf und führt unbehandelt zu vollkommener Blindheit. Dennoch bieten Operationen gute Chancen darauf, das Augenlicht wiederherzustellen.

Katarakte (umgangssprachlich auch Grauer Star genannt) können sich bei Zwei- und Vierbeinern aus vielerlei Gründen entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse, wodurch nicht mehr so viel Licht auf die Netzhaut fallen kann. Das Ergebnis ist stark verschwommenes Sehvermögen und ein starrer Blick mit sichtbarer, weißlich-grauer Linse. Dabei können ein oder auch beide Augen betroffen sein. Oftmals tritt diese Augenkrankheit erst im Lebensabend auf, und mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Katarakten zu erkranken. Die hereditäre Katarakt (HC) jedoch tritt bei Hunden bereits im ersten Lebensjahr auf und ist erblich bedingt. Schon im Alter von zwei bis vier Monaten zeigen sich erste Einschränkungen des Sehvermögens, weshalb man auch von einer sogenannten juvenilen Katarakt sprechen kann. Ohne Behandlung erblinden die Hunde innerhalb von zwei bis drei Jahren vollkommen.

Krankheitsverlauf und Symptome

Bei einem gesunden Hundeauge setzt sich die Linse aus etwa 65 Prozent Wasser und 35 Prozent Proteinen zusammen. Dichte und regelmäßige Zonulafasern erlauben es der Linse, einfallendes Licht je nach Distanz zum Objekt so zu brechen, dass sich ein scharfes Bild wahrnehmen lässt. Bei näheren Gegenständen verdickt sich die Linse, bei Objekten in der Ferne flacht sie sich ab, um optimale Lichtbrechung zu erlauben. Eine Katarakt entsteht durch eine erhöhte Wasseraufnahme der Linse, wodurch die Zonulafasern aufquellen und die Linse ihre Transparenz verliert. Es kommt zu von außen auf dem Auge sichtbaren Trübung der Linse, und das Sehfeld der Betroffenen wird verschwommen. Ein starrer Blick aus gräulich-milchigen Augen ist das Resultat dieser Veränderungen.

Bei Hunden merkt man eingeschränktes Sehvermögen besonders dann sehr spät, wenn erst nur ein Auge betroffen ist. Solange ein Auge gesund bleibt, lässt sich die Linsentrübung lange kompensieren. Meist werden die deutlich sichtbaren Augentrübungen als eindeutiges und auch einziges Symptom wahrgenommen. Denn im vertrauten Umfeld finden sich selbst vollkommen erblindete Hunde noch gut zurecht. In fremder Umgebung jedoch zeigen betroffene Hunde oft Unsicherheit, Apathie und vermehrte Instanzen von “Tollpatschigkeit”, indem sie gegen Möbel laufen oder Spielzeug verfehlen.

Behandlungsmöglichkeiten

Ohne Behandlung stellt sich keine Verbesserung der Sehfähigkeit ein, weder durch Medikamente, Therapie oder andere alternative Heilmittel. Da durch die Krankheit keine Schmerzen entstehen, konzentriert sich die Behandlung nur auf die Wiederherstellung oder den Erhalt des Sehvermögens. Nur eine Operation kann dieses Gesundheitsproblem beheben, jedoch sind nicht alle Formen von Katarakten operabel. Entscheidende Faktoren umfassen u.a. Lage und Dicke der Linse, Qualität der umliegenden Strukturen und ob die Nervenzellen auf der Netzhaut funktionstüchtig sind. Im Zuge einer genaueren Untersuchung kann der Tierarzt oder die Tierärztin feststellen, ob man das Augenlicht retten kann.

Während der OP setzt man Ultraschall ein, um je nach Form der HC die Trübungen zu zerstören. Ist dies nicht mehr möglich, kann die Linse ganz entfernt und mit einer künstlichen Linse ersetzt werden. Der Eingriff ist minimal und wird üblicherweise ambulant durchgeführt. Das bedeutet, dass das Tier noch am selben Tag nach Hause darf. Eine intensive Nachbetreuung durch Medikamente und eventuell Nahtentfernung erfolgt noch zwei bis drei Wochen nach der Operation. Mit einer Erfolgschance von 80-95% kann man das Augenlicht des Hundes wieder vollkommen herstellen.

Ein Forscher führt im Labor einen Gentest durch, wahrscheinlich aber nicht auf hereditären Katarakt.
Mittels eines Gentest kann bestimmt werden, ob Zuchthunde das betreffende Gen in sich tragen. / Symbolfoto: Canva (Light Field Studios).

Genetische Faktoren bei hereditärer Katarakt

Die hereditäre Katarakt (HC) gehört unter reinrassigen Hunderassen zu den häufigsten Erbkrankheiten. Etwa 100 Hunderassen sind von HC betroffen, und die Augenkrankheit ist damit auch der häufigste Grund zur Erblindung bei Hunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur reinrassige Hunde an HC erkranken bzw. das Gen in sich tragen können! Diese Form tritt meist in beiden Augen auf und führt zur vollständigen Erblindung.

Jedoch ist der Vererbungsvorgang nicht bei allen Hunderassen gleich: Beim Australian Shepherd beispielsweise wird das betreffende HSF4-Gen autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet, dass beide Geschlechter das Gen dominant weitergeben können, was zu einer hohen Wahrscheinlichkeit führt, dass die Welpen ebenfalls erkranken. Nur eines der Elterntiere muss das Gen in sich tragen, damit die Nachkommen an HC erkranken können. Beim Boston Terrier oder Staffordshire Bullterrier hingegen wird HC autosomal-rezessiv vererbt, was die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung etwas senkt. Sowohl Vater und Mutter müssen das Gen in sich tragen, damit es beim Nachwuchs auftreten kann.

Da die Krankheit gut erforscht ist und die für HC verantwortliche Mutation in HSF4-Gen bereits identifiziert wurde, kann vor der Verpaarung der Elterntiere ein Gentest durchgeführt werden. Experten empfehlen, nur Hunde ohne genetische Anlage für hereditären Katarakt zur Zucht zu verwenden.

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