Coronavirus: keine Ansteckung für und durch Haustiere nachgewiesen!

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Derzeit gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, dass Haustiere mit dem Coronavirus infiziert werden können. / Symbolfoto: Pixabay

Gerüchte über eine mögliche Coronavirus-Ansteckungsgefahr durch Haustiere kursieren derzeit überall – zu Unrecht, denn die Wissenschaft besagt das Gegenteil.

Der Artikel wurde am 26. Februar 2020 verfasst und am 2. März 2020 um den Absatz „Hongkong: Coronavirus auf Hund übertragen?“ erweitert.

 

Die Panik um die Verbreitung des Coronavirus (COVID-19) schwappt nun auch auf unsere geliebten Vierbeiner über: Hartnäckige Gerüchte wollen besagen, dass die Übertragung des Virus auch über Haustiere erfolgen kann. Bevor man den Fellnasen nun überstürtzt Schutzmasken aufzieht, soll Entwarnung gegeben werden.

„Besonders in China gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die eine mögliche Infektion von Haustieren mit dem neuen Coronavirus im Allgemeinen untersuchen“, sagt Prof. Dr. Norbert Nowotny vom Institut für Virologie der Vetmeduni Wien. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen das Virus bekommen oder weitergeben können. Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen und auch umgekehrt, vom Menschen auf den Hund, wird als unmöglich angesehen. „Besondere Schutzmaßnahmen bezüglich unserer Haustiere sind daher nicht notwendig.“

Auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV bestätigt das gegenüber der Hundezeitung: „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass das Virus bei Hunden oder Katzen auftritt. Im gleichen Zug gibt es keine Hinweise, dass das Virus von diesen Heimtieren auf den Menschen übertragen werden könnte. Klar gesagt werden muss auch, dass das Reservoir (Ursprung oder Zwischenwirt) des Virus noch nicht eindeutig bestimmt ist. Darum können wir im Moment noch nicht mit Sicherheit sagen, welche Tierart – wenn überhaupt eine –betroffen wäre. Es handelt sich beim Reservoir allerdings tendenziell um ein exotisches Wildtier; wahrscheinlich liegt der Ursprung dieses Virus bei einer Fledermausart.“

Die WHO (World Health Organization) hat bereits Anfragen bezüglich dieses Thema erhalten und dementierte die Gerüchte nun ebenfalls, u.a. über eine Infografik, die mittels Instagram geteilt wurde. Allerdings empfielt die WHO generell, sich nach Kontakt mit Tieren die Hände zu waschen, da es anderen Gesundheitsrisiken wie E.coli-Bakterien, Salmonellen oder andere Zoonosen vorbeugt.

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Auch die WHO gibt Entwarnung. /Foto: Instagram (@who).

„Momentan gibt es keine Evidenz, dass sich Tiergefährten/Haustiere wie Katzen oder Hunde mit dem neuen Coronavirus infizieren können. Dennoch ist es immer eine gute Idee, nach dem Kontakt mit Haustieren die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Dies schützt Sie gegen übliche Bakterien wie E.coli und Salmonellen, die zwischen Haustieren und Menschen übertragen werden können.“ (Grafik der WHO übersetzt)

Die Entstehung des hartnäckigen Gerüchts ist darauf zurückzuführen, dass es Coronaviren gibt mit denen sich Haustiere infizieren können. Dieses spezielle Coronavirus äußert sich jedoch nicht nur durch andere Symptome wie beispielsweise blutigen Durchfall, sondern ist obendrein auch wirtsspezifisch – also nicht ansteckend für den Menschen.

„Bei den Hunde und Katzen-Coronaviren handelt es sich um Viren die in der gleichen Familie (Familie Coronaviridae) eingeordnet sind, allerdings zu einem anderen Genus gehören (Genus ‚Alphacoronavirus‘ bei Hund und Katze, Genus ‚Betacoronavirus‘ bei dem neuen Coroanvirus SARS-CoV-2). Die Viren sind also nicht sehr nahe verwandt. Ob das neue Coronavirus für Haustiere gefährlich werden kann ist momentan noch nicht bekannt“, so Prof. Dr. Volker Thiel vom Institut für Virologie und Immunologie IVI des Eidgenössischen Departements des Innern EDI.

Hongkong: Coronavirus auf Hund übertragen?

Laut örtlicher Gesundheitsbehörde wurde in Hongkong bei Routinetests von Haustieren von Covid-erkrankten Personen ein „schwach positives“ Ergebnis festgestellt. Das bedeutet, dass lediglich an Nase und Schnauze des Hundes Erreger gefunden wurden. Nähere Angaben gab es von offizieller Stelle dazu nicht. Dennoch wurde empfohlen, dass infizierte Personen ihre Tiere den Behörden überlassen, um sie testen und unter Quarantäne stellen zu können.

Experten weltweit halten indessen die Furcht davor, dass Hunde zu Überträgern werden als unwahrscheinlich. So bezeichnete etwa Professor Jonathan Ball, Virologe an der University of Nottingham, das Vorgehen der chinesischen Behörden als „unglaublich unverantwortlich“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet: „Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine Massenhysterie angesichts der Möglichkeit infizierter Hunde.“ Denn noch immer gebe es keine wissenschaftlich fundierten Hinweise darauf, dass Hunde selbst infiziert werden und/oder zu Überträgern werden können.

Jonathan Ball geht davon aus, dass der Erreger zufällig auf die Hundeschnauze gelangte. Schließlich sei es nicht ungewöhnlich, dass Erreger an Oberflächen wie etwa Türklinken gelangen. Dass ein Virus in derartig kurzer Zeit mehrfach die Artengrenze überspringen würde, hält der Virologe für unwahrscheinlich. Bisher wird davon ausgegangen, dass das Virus kürzlich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde.

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Für Menschen ist Coronavirus COVID-19 weiterhin gefährlich

So erleichternd die guten Nachrichten für die Fellnasen sind, darf trotzdem nicht die Gefahr des neuen Coronavirus (COVID-19) für Menschen unterschätzt werden. Die Bandbreite der Symptome reichen von milden Erkältungssymptomen wie trockener Husten und Müdigkeit über Fieber, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen, schweren akuten Atemwegssyndromen und Nierenversagen, die besonders bei älteren oder immungeschwächten Personen mit bereits vorliegenden Grunderkrankungen zum Tod führen können. Die Infektion ist jedoch auch ohne Ausbildung von Symptomen möglich.

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Momentan gibt es noch keinen spezifischen Impfstoff oder Medikation für den COVID-19, die Symtome selbst lassen sich jedoch behandeln und lindern. Auch gegen eine mögliche Übertragung von Mensch zu Mensch, die derzeit besonders gefährlich ist, lassen sich Schutzmaßnahmen treffen (siehe unten).

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Wenn Sie empfohlene Gesundheitsmaßnahmen beachten, steht dem glücklichen Zusammensein mit den Fellnasen nichts im Wege. /Symbolfoto: pixabay.
  • Waschen Sie sich täglich mehrmals die Hände mit Wasser und Seife oder reinigen Sie sie mit alkoholhaltigem Desinfektionsmittel (Wirksamkeit gegen behüllte Viren, daher als “begrenzt viruzid” ausgelobte Mittel, sind ausreichend).
  • Bedecken Sie Mund oder Nase, wenn Sie husten oder niesen, mit einem Taschentuch oder tragen Sie eine Einweg-Schutzmaske, wenn Sie krank sind. Benutzen Sie bitte nicht Ihre Hände!
  • Vermeiden Sie es möglichst, Mund, Nase oder Augen zu berühren – sollten Sie Erreger auf Ihren Händen haben, können diese durch die Berührung ins Innere Ihres Körpers gelangen.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit erkrankten Menschen, selbst, wenn diese nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Sie könnten Erreger zu einer Person mit geschwächtem Immunsystem tragen.
  • Bei Rückkehr aus betroffenen Regionen (wie momentan China, Italien) und WENN bei Ihnen charakteristische Symptome auftreten, bleiben Sie bitte zu Hause und rufen Sie die telefonische Gesundheitsberatung unter 1450 zur diagnostischen Abklärung an.
  • Bleiben Sie informiert und passen Sie sich an empfohlene Gesundheitsmaßnahmen an.