Donnerstag, Juni 1, 2023
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Wolfsspitz (Hunderasse) – der aufgeweckte Gesellschafter

Der Wolfsspitz (außerhalb Deutschland auch oft Keeshond genannt) ist eine Variante des Deutschen Spitzes. Als freundlicher und leicht erziehbarer Hund gibt er einen perfekten Familienhund und Wachposten ab.

Im deutschsprachigen Raum kennt man diese besondere Variation des Deutschen Spitzes nur als Wolfsspitz, doch im Ausland hat sich die niederländische Rassebezeichnung Keeshond durchgesetzt.

Wolfsspitz / Keeshond (Hunderasse) – Klassifikation FCI

FCI-Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp
Sektion 4 – Europäische Spitze
ohne Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Deutschland

FCI-Standardnummer: 97
Widerristhöhe:
Rüden & Hündinnen – 43 bis 55 cm
Verwendung: Wach- und Begleithund

Ein Wolfsspitz oder Keeshond liegt im Gras und sieht in die Kamera.
In Europa blicken die Spitze auf eine lange Geschichte zurück. / Foto: Gabi51.

Geschichte und Herkunft

Die Herkunft des deutschen Spitzes ist umstritten: Während die FCI die Rasse noch als vom steinzeitlichen Torfhund abstammend bezeichnet, wird diese Theorie mittlerweile bezweifelt und gilt als überholt. Fakt ist, dass die Familie der Spitzartigen in ganz Europa seit Jahrhunderten gezüchtet wurden und werden. Besonders beim europäischen Adel und im deutschsprachigen Raum erfreute sich die Spitze großer Beliebtheit. Den Wolfsspitz im Speziellen gibt es historischen Belegen zufolge wahrscheinlich bereits seit dem 18. Jahrhundert. Sie galten als die Lieblingshunde der britischen Könige Georg III. und Georg IV.

Dementsprechend weit reicht auch der erste offizielle Zuchtstandard für den Wolfsspitz zurück. Dieser wurde 1880 im Zuge einer Hundeausstellung in Berlin festgelegt. 1901 revidierte man den Standard dahingehend, dass die Fellfarbe als das charakteristische Silbergrau mit schwarzen Haarspitzen beschrieb. In den Niederlanden hingegen bildete sich parallel zum Wolfsspitz die Zucht des Keeshonds aus, der etwas kleiner und zarter gebaut war. Erst 1997 passte der “Verein für Deutsche Spitze” nach langen Debatten den Rassestandard so an, dass sowohl der deutsche Wolfsspitz als auch der niederländische Keeshond erfassbar blieben. Seitdem gibt es keine Unterscheidungen der Rasse mehr, und die Zuchtbasis hat sich extrem ausgeweitet. Der Wolfsspitz gilt (neben dem Chow Chow und dem Samojeden) auch als Begründer der jungen Hunderasse Eurasier. Sie sind daher auf direkter Linie eng miteinander verwandt.

Ein Wolfsspitz oder Keeshond blickt zwischen Farnen im Wald heraus.
Der deutsche Wolfsspitz war etwas größer und uriger gebaut als der kleinere und zartere Keeshond. / Foto: Jannik Schmitt.

Wesen und Charakter

Nach jahrhundertelangem treuen Dienst an Seite der Menschheit hat sich der Wolfsspitz zu einem perfekten Begleithund entwickelt. In seinem Wesen zeichnet er sich vor allem durch Freundlichkeit, wachsame Aufmerksamkeit und Geduld aus. Er verfügt über kaum natürlichen Jagdtrieb und kommt daher großartig mit anderen Tieren, Hunden und auch Kindern zurecht. Dennoch versteht er sich auch heute noch als Wächter von Haus und Hof, der Besuch sowie Passanten durch lautes Bellen ankündigt. In Stadtwohnungen mit viel “Fremdenverkehr” im Haus könnte das durchaus zum Problem werden. Als Wachhund ist er fremden Menschen und Hunden gegenüber erst misstrauisch, wärmt dafür aber sehr schnell auf. Ängstlichkeit oder Aggression gehören überhaupt nicht zu seinem Charakter.

In allen anderen Dingen jedoch ist der Wolfsspitz ein sehr angenehmer Gesellschafter. Er lässt sich leicht erziehen und motivieren und ordnet sich gerne seinen Menschen unter. Als hochsozialer Gesellschafter hängt er sehr an seiner Familie und möchte stets bei allen Abenteuern dabei sein. Er braucht genug körperliche und geistige Auslastung und lässt sich leicht zu jeder Tätigkeit überreden. Er findet am Spiel im Garte genauso Gefallen wie an einem ausgedehnten Spaziergang oder an diversen Hundesportarten.

Ein Wolfsspitz oder Keeshond am Strand spielt mit den Wellen.
Als robuster Naturfreund ist der Wolfsspitz für jeden Spaß zu haben - egal, ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. / Foto: animalinfo.

Erscheinungsbild

In seinem Namen schlägt sich bereits das markanteste Merkmal des Wolfsspitzes nieder: dass er an einen kleinen Wolf erinnert. Das liegt nicht nur an seiner Fellfarbe, sondern an seinem Körperbau nach Urtyp – die spitze Schnauze, spitze, dreieckige Ohren und eine über den Rücken gerollte, buschige Rute. Laut FCI-Standard sollen Nasenschwamm, Lefzen und Augenlider schwarz pigmentiert sein, ebenso dunkel fällt die Augenfarbe aus. Der Gang des Wolfsspitzes wirkt flüssig und federnd.

Doch Achtung: Ein wenig Verwechslungsgefahr besteht mit der neuen Hybridhunderasse Pomsky. Denn diese Mischung aus Sibirischem Husky und Zwergspitz sieht ebenfalls einem kleinen Wolf ähnlich. Jedoch ist die Fellzeichnung des Pomsky keineswegs so einheitlich wie die des Wolfsspitzes. Zudem ist der Pomsky als neue, nicht anerkannte Hunderasse auch in seinem Wesen und der Gesundheit sehr wankelmütig. Der Wolfsspitz als etablierte, streng regulierte Rasse ist daher als Familienhund empfehlenswerter.

Ein Wolfsspitz steht im hohen Gras.
In seinem Aussehen erinnert der Wolfsspitz an einen Miniatur-Wolf. / Foto: DevidDO.

Fell und Pflege

Als Spitz hat natürlich auch der Wolfsspitz bzw. Keeshond ein doppeltes Fellkleid. Die dichte, wattige Unterwolle lässt das gerade, feste Deckhaar vom Körper abstehen, sodass der Hund besonders flauschig wirkt. Nur am Kopf, an den Ohren, der Vorderseite der Vorder- und Hinterläufe und Pfoten ist das Fell etwas kürzer. Ansonsten trägt diese Hunderasse ein langes, dichtes Fell zur Schau, das sich besonders um den Hals herum zu einer majestätischen Mähne aufplustert. Läufe und Rute sind ebenso üppig befedert bzw. behost. Als einzige erlaubte Fellfarbe ist im FCI-Standard graugewolkt festgelegt. Dabei handelt es sich um silbergraues Fell mit schwarzen Haarspitzen; nur Gesicht und Rutenspitze dürfen dunkler eingefärbt sein. So entsteht die Ähnlichkeit mit dem Grauwolf.

Trotz des schönen und weichen Fellkleids ist der Wolfsspitz nicht besonders pflegeintensiv. Es ist von Natur aus schmutzabweisend, sodass regelmäßiges Bürsten eingetrockneten Dreck ausreichend aus dem Fell befreit. Auf übermäßiges Baden sollte man verzichten, denn dieses kann der Fellstruktur eher schaden als nutzen. Laut FCI sollte man den Hunden auch keinen Kurzhaarschnitt oder andere Frisuren verpassen.

Ein Wolfsspitz oder Keeshond mit nassem Fell am Sandstrand.
Wird das Fell des Wolfsspitzes nass, sollte man es am besten gut (!) abtrocknen und danach bürsten. / Foto: Nelli Faytilevich.

Gesundheit

Eine weitere Besonderheit des Wolfsspitz ist seine Langlebigkeit. Hunde vom seriösen Züchter des Vertrauens können bei guter Pflege 12 bis 15 Jahre alt werden. Sie gelten generell als robust und können auch schlechten Witterungen problemlos trotzen. Rassetypische Krankheiten gibt es nicht, jedoch wurden einige Fälle von Hüftdysplasie (HD) und Patellaluxation beobachtet. Zudem kann eine erblich bedingte Primäre Hyperparathyreoidose auftreten; dabei handelt es sich um eine Überaktivität der Nebenniere. Die seriöse Zucht verwendet erkrankte Tiere nicht als Zuchthunde, und die Ergebnisse entsprechender Gentests können sich Interessenten vorlegen lassen.

Wusstest du, dass der Wolfsspitz...

… auch als Keeshond bezeichnet wird – und warum?

In den Niederlanden entbrannte 1781 ein erbitterter Kampf der konservativen Oranierpartei gegen die niederländische Volkspartei. Ein ständiger Begleiter von deren Anführer, Cornelis de Gyzelar, war ein Wolfsspitz. Der Hund wurde demnach zum Maskottchen der Volkspartei und nach dem Spitznamens seines Besitzers Keeshond genannt. Diese Bezeichnung hat sich abseits des deutschsprachigen Raumes gegen Alternativen wie Dutch Barge Dog oder Smiling Dutchman (zu Dt. “lächelnder Niederländer”) durchgesetzt.

… beinahe ausgestorben wäre?

Die Anzahl der geborenen Welpen ging besonders in den 1930er Jahren stark zurück. Während des Zweiten Weltkriegs jedoch erlebte der Wolfsspitz eine Wiedergeburt – und das, obwohl zahlreiche andere Hunderassen zu dieser Zeit stark bedroht waren oder ausstarben. Denn der freundliche, wachsame und genügsame Hund stellte keine großen Ansprüche an seine Besitzer. Überlieferungen zufolge soll er sogar mit nichts als Kartoffelresten satt geworden sein, und in diesen harten Zeiten war dies ein eindeutiger Pluspunkt. Wenn auch nicht vom Aussterben bedroht, so ist diese Rasse aber heute ein eher seltener Anblick geworden.

Zwei Wolfsspitz-Welpen spielen auf einer Wiese.
Verspielt und aufgeweckt - so kennt man den Wolfsspitz von Welpenpfoten an. / Foto: Nelli Faytilevich.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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Wolfsspitz trifft zum ersten Mal Kühe (Video)

Wolfsspitze wie Inka sind zwar von Natur aus Fremden gegenüber misstrauisch, aber auch sehr neugierig.

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