Montag, Dezember 5, 2022
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Patellaluxation – Prädisposition, Symptome und Behandlung

Bei der sogenannten Patellaluxation handelt es sich um das plötzliche Herausspringen der Kniescheibe. Manchmal kann sich dieses Problem buchstäblich wieder von selbst einrenken. Doch sehr oft ist eine tierärztliche Behandlung von Nöten. Besonders bei kleinen Hunderassen kann es häufig zu diesem Fall kommen.

Gerade für HalterInnen von Zwerg- oder Miniaturhunderassen ist der Begriff Patellaluxation leider Teil des Hundealltags. “Patella” ist der lateininsche Fachterminus für die Kniescheibe, und als “Luxation” bezeichnet man das Herausspringen derselben aus der Führung, die Muskeln und Bänder im Kniegelenk bilden. Diese elastischen Gewebestränge sorgen dafür, dass die Kniescheibe an ihrem Platz bleibt und das Knie trotzdem abgebogen und bewegt werden kann. Während eine Ausrenkung der Kniescheibe durchaus in Folge eines Unfalls oder durch Gewalteinwirkung von außen möglich ist, ist hier von der spontanen Ausrenkung ohne externe Ursache die Rede.

Bei Menschen und Tieren kann es dazu kommen, dass die Kniescheibe bei normaler Belastung plötzlich ihre Position verändert und zur Seite rutscht. Dies hat große Schmerzen und Lahmheit zur Folge. In manchen Fällen ziehen Bänder und Muskeln die Kniescheibe wieder an ihren Platz, sodass sie sich wieder von selbst einrenkt. Je öfter eine Patellaluxation jedoch stattfindet, desto häufiger wird die Kniescheibe auch zukünftig aus der Führung springen – oder im schlimmsten Fall dauerhaft außerhalb verbleiben.

Prädisposition für Patellaluxation

Manche Hunderassen sind von diesem Ausrenken der Kniescheibe öfter und auch schwerer betroffen als andere. Besonders kleine und/oder o-beinige Hunderassen wie Zwergspitz, Chihuahua, Yorkshire Terrier und Französische sowie Englische Bulldogge begünstigen durch die Achsenfehlstellung der Hinterbeine eine Patellaluxation. Durch die Fehlstellung halten die Muskelstränge die Kniescheibe nicht an ihrem Platz, sondern es entsteht ein konstanter Zug nach innen. Ein falscher Sprung, ein falscher Tritt – und schon befindet sich die Patella nicht mehr an ihrem Platz. Tatsächlich ist die mediale Patellaluxation (Herausspringen nach innen) die am häufigsten auftretende Form.

Ein Teacup-Hund verschwindet beinahe im hohen Gras.
Gerade sehr klein gezüchtete Hunderassen sind übermäßig häufig von Patellaluxation betroffen. / Symbolfoto: unsplash.

Symptome

Tatsächlich sind die Symptome einer Patellaluxation gerade bei jungen Hunden leicht zu übersehen. Sie drückt sich meist als Lahmheit aus, und je nach Schmerzgrenze des individuellen Hundes kann diese kaum bemerkbar sein. Gerade bei einer anhaltenden Luxation ohne Rücksprung in die Ursprungsposition können sich Besitzer an das Gangbild ihrer Tiere gewöhnen. Auch bei einer beidseitigen Patellaluxation in beiden Hinterläufen können klinische Symptome lange übersehen werden. Sollte man daher bemerken, dass der Hund ein Bein oder gar beide Läufe nicht mehr belastet, sollte dies sofort beim Tierazt abgeklärt werden. Dort kann dann zwischen vier Schweregraden unterschieden werden:

  • Grad I
    Die Kniescheibe befindet sich in ihrer normalen Position, kann aber bei voller Kniestreckung durch Manipulation herausgedrückt werden. Die Kniescheibe renkt sich sofort von selbst wieder ein. Kaum Einschränkungen im Alltag.
  • Grad II
    Die Kniescheibe kann auch spontan ohne Manipulation bei voller Kniestreckung herausspringen und bleibt in dieser Position, was zu Lahmheit führt. Meist renkt sie sich nach einiger Zeit von selbst wieder ein. Leichte Fehlstellung der Hinterläufe beobachtbar.
  • Grad III
    Die Kniescheibe bleibt chronisch in der herausgesprungenen Position, kann aber durch Manipulation zurück in ihre Urpsrungsposition gedrückt werden. Dies führt zu chronischer Lahmheit, verkürzten Schritten und ständigen Entlastungsbemühungen des betroffenenen Hinterlaufs. Deutliche Fehlstellung der Hinterläufe erkennbar.
  • Grad IV
    Die Kniescheibe ist dauerhaft luxiert und kann auch per Manipulation nicht mehr in die Ursprungsposition gedrückt werden. Das Gangbild ist von Steifheit und Lahmheit geprägt, jeder Schritt bedeutet Schmerz. Sehr deutliche Fehlstellung der Hinterläufe erkennbar.
Eine Abbildung unterschiedlicher Schweregrade von Patellaluxation in fünf Abstufungen.
Eine Patellaluxation lässt sich in unterschiedliche Schweregrade einteilen. / Abbildung: Di Dona, Della Valle & Fatone, Universität Napoli, 2018.

Behandlung der Patellaluxation

Bei leicht ausgeprägter Patellaluxation (Grad I und II) ist kein operativer Eingriff notwendig, um dem Hund ein lebenswertes Leben zu bieten. Meist ist es ausreichend, das Gangbild des Hundes genau zu beachten und bei Lahmheit Schmerzmittel und Schonung zu verordnen, bis die Kniescheibe in ihre Position zurückspringt. Bei Grad III und IV empfehlen die meisten Tierärzte eine Operation, um die chronischen Schmerzen, ständige Lahmheit und weitere Luxationen möglichst zu vermeiden oder zu lindern. Zu diesem Zweck gibt es mehrere chirurgische Möglichkeiten, die von den meisten Versicherungen abgedeckt werden. Beispielsweise strafft der Tierarzt die Faszien, um einen entgegengesetzten Zug der Kniescheibe nach außen zu erzeugen. Außerdem kann man die Fehlstellungen der Knochen zueinander durch Versetzung der Tuberositas tibiae möglichst beheben. In schweren Fällen kann man auch eine Umstellungsostotomie vornehmen.

Patienten mit Grad III sehen nach einer Operation einer guten Prognose entgegen, doch bei Grad IV ist eine dauerhafte Lösung des Problems unwahrscheinlich. Denn durch die extreme Fehlstellung der Hinterläufe wird sich die Kniefehlstellung weiter verschlechtern. Daher ist eine frühe Erkennung des Problems besonders wichtig, um dem Hund möglichst viele Jahre ohne Bewegungseinschränkungen zu gewährleisten.

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