Dienstag, Dezember 6, 2022
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Grönlandhund (Hunderasse) – karges Klima, robuster Hund

Der Grönlandhund stammt, wie der Name schon verrät, aus den eisigen Breitengraden von Grönland. Jahrhundertelang wurden die Tiere besonders von den Ureinwohnern als Schlittenhunde geschätzt. Doch unter dem sozioökonomischen Verfall ihrer Besitzer mussten auch die Hunde leiden.

Grönlandhund (Hunderasse) – Klassifikation FCI

FCI-Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp.
Sektion 1 – nordische Schlittenhunde.
ohne Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Grönland

FCI-Standardnummer: 247
Widerristhöhe:
Rüden – ab 60 cm
Hündinnen – ab 55 cm
Verwendung:
Schlittenhund

Geschichte und Herkunft

Der Grönlandhund gehört zu den ältesten Hunderassen der Welt und hat sich seither nur wenig verändert. 2020 bewiesen Paläogenetiker, dass diese Hunderasse bereits seit über 10.000 Jahren gezüchtet wird. Denn bereits lange vor der Besiedlung Amerikas durch die Europäer lebten indigene Volksgruppen der Inuit in der eisigen Tundra Grönlands. Sie nutzten die kräftigen Hund als Mittel zum Transport und Jagdhund sowie als Schutz gegen Eisbären und andere polare Raubtiere. Nur die stärksten Hunde konnten daher den harten Überlebenskampf im kargen Klima gewinnen. Deswegen zeichnet sich der Grönlandhund hauptsächlich aufgrund von Eigenschaften wie Kraft, Robustheit, Zähigkeit und Ausdauer aus. Europäische Entdecker wie der Polarforscher Roald Amundsen machten diese Hunde auch außerhalb Grönlands bekannt. 1967 wurde der Grönlandhund als eigenständige Hunderasse von der FCI anerkannt, dennoch wird er kaum außerhalb seines Ursprungslandes gezüchtet und ist ein wahrlich seltener Anblick.

Tatsächlich hat der Bestand in den letzten Jahrzehnten so stark gelitten, dass diese Hunderasse mittlerweile beinahe vom Aussterben bedroht ist. Während man 2002 noch 25.000 lebende Exemplare zählte, fiel diese Zahl bis 2016 auf nur 15.000 Hunde. Mehrere Faktoren sind für das Zurückgehen dieser ehemals häufig im Polarkreis anzutreffenden Hunderasse verantwortlich. Einerseits verdrängte das Schneemobil die Notwendigkeit für Schlittenhunde. Andererseits dezimierten eingeschleppte Viren und Seuchen die bisher recht isolierte Population drastisch. Auch das Zurückgehen der Eismassen durch globale Erwärmung entzog vielen Inuit und in weiterer Folge deren Schlittenhunde wichtige Einnahmequellen und Nahrungsgrundlagen. Der sozioökonomische Verfall der indigenen Bevölkerung durch gnadenlosen europäischen Kolonialismus wirkten sich auch stark negativ auf die Hunde aus.

Ein Rudel Grönlandhunde zieht einen Schlitten.
Bereits seit vielen tausenden Jahren werden die Grönlandhunde als Schlittenhunde eingesetzt. / Foto: Canva.

Tierschutzthema Grönlandhund

Weil die Hunde in der Kultur der Inuit drastisch an Wichtigkeit verloren und die Bevölkerung selbst unter hoffnungslosen Zukunftsaussichten, Arbeitslosigkeit und der Behinderung ihrer ursprünglichen Lebensweise litten, geriet auch der Grönlandhund als Rasse in einen erbarmungswürdigen Zustand. Immer wieder berichteten Tierschutzorganisationen von verwahrlosten und misshandelten Hunden, die ihr Leben an Felsen angekettet verbringen. Oftmals müssen die Hunde mit winzigen Mengen an Futter oder Wasser auskommen, Schutz vor der Witterung gibt es kaum. Krankheiten oder Verletzungen werden nicht behandelt, und Würfe kaum betreut. Denn Basisgüter wie Hundefutter, funktionierende Wasserleitungen oder der Zugang zu einem Tierarzt sind in den abgelegenen Gemeinden besonders in den Wintermonaten keine Selbstverständlichkeit.

Zum Glück konnten die Lebensbedingungen des Grönlandhundes in besonders stark betroffenen Inuit-Gemeinden durch internationale Tierschutzkampagnen verbessert werden. 2012 startete ein Hundehütten-Projekt, um den Tieren Schutz vor den extremen Klimabedingungen und einen Rückzugsort zu bieten. Junge, arbeitslose Inuit wurden vor Ort für den Aufbau der Hütten bezahlt, um auch den Menschen eine neue Lebensgrundlage zu bieten. Wassersysteme versorgen die Grönlandhunde mit frischem Trinkwasser, und finanziell unterstützte Futterimporte aus Dänemark konnten den Preis so weit drücken, dass die ausreichende Versorgung für die meisten Hundebesitzer wieder leistbar wurde. Zudem arbeitet man an einer Kastrationskampagne und einer dauerhaften medizinischen Betreuung durch Tierärzte, indem man eine entsprechende Infrastruktur aufbaut. Mittlerweile spielen die Grönlandhunde auch wegen Schlittenhunderennen und als Touristenattraktion wieder eine wichtigere Rolle in der Inuit-Gesellschaft.

Ein Grönlandhund ist an einem Felsen festgekettet.
Leider müssen einige Grönlandhunde ihr Leben im Freien angekettet verbringen. Deswegen setzen sich Tierschutzorganisationen für eine Verbesserung der Lebensbedingungen ein. / Foto: Canva.

Wesen und Charakter

Als sehr ursprüngliche Hunderasse zeichnet sich der Grönlandhund durch ein unabhängiges und selbstbewusstes Wesen aus. Wegen seiner mentalen Stärke ist diese Hunderasse keinesfalls als Ersthund zu empfehlen. Als soziales Rudeltier zeigt er sich Menschen gegenüber freundlich – egal, ob fremd oder bekannt. Der ausgeprägte Jagdinstinkt, besonders größeren Tieren gegenüber, kann es riskant machen, diese Hunde ohne Leine  im Wald oder auf der Alm laufen zu lassen. Anderen Hunden und manchen Haustieren gegenüber sind sie jedoch sehr sozial und kooperativ eingestellt.

Als hochspezialisierte Schlittenhunde sind die Grönlandhunde daran gewöhnt, jeden Tag stundenlang zu laufen. Dieses Recht auf ausgiebige Bewegung fordern sie auch lautstark ein, und wer seinen Vierbeiner nicht ausreichend auslasten kann, wird bald mit schwerwiegenden Verhaltensprobleme der Tiere rechnen müssen. Hundesportarten wie Zughundesport (z.B. Bikejöring oder Skijöring) oder das in den Bergen wandern liebt er besonders, und gerne zieht oder trägt der Grönlandhund dabei Menschen oder leichte Lasten. Grundsätzlich gilt daher, dass er nur geeignet ist für Leute, die ein Leben im Freien genießen und sportlich sehr (!) aktiv sind. Die Haltung in einer Stadtwohnung ist deswegen wenig sinnvoll.

Drei Grönlandhund-Welpen schauen neugierig in die Kamera.
Bis sie erwachsen sind, sind Grönlandhund-Welpen sich selbst überlassen. / Foto: Canva.

Erscheinungsbild

Als nordische Schlittenhunderasse verfügt der Grönlandhund über ein sehr attraktives äußeres Erscheinungsbild. Der kräftige Polarspitz zeichnet sich durch immense Ausdauer aus – und solange die Leistungsfähigkeit der Hunderasse gewährleistet ist, wird auch eine gewisse Variation in der Körpergröße geduldet. Dabei ähnelt sein Körperbau einem kurzen Rechteck. Die Pigmentierung des Nasenschwamms entspricht der Fellfarbe: Grönlandhunde mit viel rot oder braun im Fell verfügen über einen leberbraunen Nasenschwamm, bei Hunden mit zobelfarbenem Fellkleid ist er dunkel. Auch die Augenfarbe kann sich an die Farbe des Haarkleides anpassen, dunkle Augen sind jedoch am häufigsten.

Besonders charakteristisch für den Grönlandhund sind seine beweglichen und ausdrucksstarken Ohren. Wie bei vielen Hunden vom Urtyp sind diese eher klein, dreieckig und an den Spitzen leicht abgerundet. Auch die hoch angesetzte, buschige Rute wird nach Spitzart bogenförmig gekrümmt oder leicht eingerollt über dem Rücken getragen.

Fell & Pflege

Um den arktischen Bedingungen in Grönland gut widerstehen zu können, verfügt der Grönlandhund über ein doppeltes Haarkleid: dichte und weiche Unterwolle sowie ein dichtes, glattes Deckhaar ohne Locken und Wellen. Am Kopf und an den Läufen ist das Fell kürzer als am restlichen Körper. Beinahe jede mögliche ein- oder mehrfarbige Fellfarbe ist erlaubt, mit Ausnahme von Albino und Merle-Variationen. Die meisten Grönlandhunde haben jedoch aufgrund der verschneiten Umwelt einen hohen Weißanteil im Fell.

Trotz seines imposanten Fellkleids ist der Grönlandhund relativ pflegeleicht. In seinem Heimatland oder ähnlich kalten Klimazonen verliert er kaum Haare und muss selten gebürstet oder gebadet werden. In wärmeren Breitengraden verliert er aber sehr viel Unterwolle, die mit speziellen Bürsten und Kämmen entfernt werden muss. Ein guter Staubsauger und seine regelmäßige Benutzung ist somit für Besitzer dieser Hunderasse Pflicht.

Ein Grönlandhund-Welpe mit dunkler Augenmaske.
Der Grönlandhund kommt in vielen Farbvariationen und Fellzeichnungen vor. / Foto: Canva.

Gesundheit

Als sehr robuste Hunderasse leidet der Grönlandhund kaum unter rassetypischen Krankheiten. Wegen der harschen Lebensweise der Inuit überleben meist nur die gesündesten und kräftigsten Hunde, was zu einer strengen natürlichen Auslese geführt hat. Erfährt diese Hunderasse daher eine angemessene und wohlverdiente Grundversorgung, darf sie sich auf ein langes und gesundes Leben freuen. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 12 Jahren ist der Grönlandhund für seine Körpergröße exzellent aufgestellt.

Wusstest du, dass der Grönlandhund ...

… über eine sogenannte “Wechselnase” verfügt?

Während der Nasenschwamm der Grönlandhunde im Sommer je nach Fellfarbe leberbraun oder schwarz pigmentiert ist, ändert sich die Schnauzenfarbe in den kälteren Monaten. Im Winter werden viele der Hundenasen eher heller und fleischfarben. In dieser Zeit sind sie für Sonnenbrände besonders anfällig.

Ein Grönlandhund steht auf einer grünen Wiese.
Charakteristisch für den Grönlandhund sind sein dichtes Fell, die spitzen Ohren und die gebogene Rute. / Foto: Canva.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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