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Das Leben ist kein Ponyhof – und damit auch für unsere Hunde eine Herausforderung. Dann nämlich, wenn deren Wünsche nicht erfüllt werden, wenn sie auf Aufmerksamkeit, Zuwendung, Bewegung usw. warten müssen, wenn wir keine Zeit für Sozialkontakte haben, wenn wir Stressanzeichen übersehen, wenn hündische Bedürfnisse wie sich lösen zu können, Hunger oder Durst zu stillen aufgeschoben werden müssen. Dann ist Frustrationstoleranz gefragt.
Wovon Frustrationstoleranz beim Hund abhängt
Wenn Hunde bellen, jaulen oder winseln, ziehen oder an der Leine wüten, zerstörerisches, aggressives oder impulsives Verhalten zeigen, kann ein möglicher Grund dafür sein, dass sie nur mangelnde Frustrationstoleranz entwickeln durften. Auch Übersprungshandlungen, Verweigerung von Folgsamkeit oder gar ein Ignorieren (nie aus böser Absicht!), schlechtes Fressverhalten, Hautprobleme, Stressschuppen usw. können auf Überforderung hindeuten.
Um Frust aushalten zu können, sind nämlich auch Entwicklungsmöglichkeiten und ein dementsprechendes Übungssetting nötig.
Wie gut unsere Hunde darin sind, auf Situationen, in denen ihre Wünsche nicht erfüllt werden, zu reagieren, das bestimmt den Grad des bewältigbaren Frustes. Wie gut sich ein Hund selbst regulieren kann, ist von vielen Faktoren abhängig, mit Sicherheit aber auch von Genetik, Erfahrungen, Prägung und Bindung.
Hunde, die erfahren haben, dass sie zwar oftmals warten müssen, dass es aber regelmäßig Ansprache gibt, dass ein Stillen der Bedürfnisse und des Bewegungsdranges möglich ist, dass Zuwendung, konsequenter Erziehungsstil und Fairness tägliches Programm sind, werden eine bessere Frustrationstoleranz entwickeln. Diese lässt sich nämlich üben und ausweiten! Wie?
Frustrationstoleranz trainieren – so geht’s im Alltag
Am besten startet man schon mit dem Welpen oder sehr jungen Hund. Ruhiges, fokussiertes Verhalten soll belohnt werden, natürlich mit Schwierigkeiten in Maßen und ohne zu überfordern. Aber Achtung: Der Hund muss auch aus der Komfortzone gelockt werden, um erleben zu können, dass er Dinge selbst lösen kann.
Beispiel Füttern – Ruhe statt Hektik belohnen
Beispielsweise kann in der Fütterungssituation schon etabliert werden, dass hektisches Winseln und Umherrennen nicht zu der Konsequenz führt, dass sich der Mensch beeilt und das Futter auf den Boden gestellt wird. Kleinschrittig und immer im Bestreben, Hunde zwar zu fordern, aber nicht zu überfordern, werden zuerst kleine Besserungstendenzen belohnt, die an das spätere Endziel heranführen: an einen ruhig aufs Futter wartenden Hund.
Ebenso verhält es sich bei Sozialkontakten beim Spazierengehen, beim Abgeleintwerden, Spieldürfen usw.: Wir belohnen gewünschtes, positives Verhalten, formen Ruhe und Konzentration auf seinen Menschen, Impulskontrolle und Kooperation heraus.
Damit Lernen wirkt – kurze Übungen, viel Schlaf, klare Regeln
Damit sich das Erlernte gut festigen kann, sind neben regelmäßigem Üben in kurzen Sequenzen ebenso Ruhephasen und viel Schlaf nötig. Der Mensch, der bereits im Welpenalter eine solide Grundlage schafft, hat es auch später in der Hand, mit Gesten, Lob, Leckerlis und gutem Gespür einen frustrationstoleranten Hund zu formen, der in der heutigen Gesellschaft mit sehr hohen Ansprüchen gut zurechtkommt. Zu diesem verantwortungsvollen Umgang gehört übrigens auch, den Hund in einen entspannt allein zuhause bleibenden Begleiter zu formen, dem man Weihnachtsmärkte, Einkaufszentren und dergleichen besser erspart!
Wir fassen zusammen: Kontrollierte Frustration erlernt der Hund durch wiederkehrende, bewältigbare Gelegenheiten, durch Geduld und Konsequenz, angepasste menschliche Anleitung hin zu hündischer Lösungskompetenz und durch anschließende Ruhephasen, in denen sich das Erlernte festigen kann.
Von Frustrationstoleranz zu Resilienz
Basierend auf Frustrationstoleranz, Eigenwirksamkeit und Lösungskompetenz lässt sich dann auch die zusammenfassende Resilienz entwickeln, die aus vielen einzelnen Puzzleteilchen besteht. Resilienz befähigt Hunde, gelassener mit Konflikten und Stress umzugehen, ohne Schaden zu nehmen. Eine sehr wünschenswerte Fähigkeit, deren Entwicklung ein Prozess ist. Wieder mal einer, in dem der Mensch viel Verantwortung trägt, beispielsweise hinterfragen sollte: Was kann mein Hund alleine lösen, wo bleibe ich Sprachrohr, wo sind Pausen nötig, wo greife ich ein, was kann ich den Beteiligten zutrauen, wo setzen mir Genetik und Erfahrungen Grenzen, welche Ansprüche sind realistisch?
Wiederholt wird klar: Unsere Hunde brauchen uns für das richtige Maß und für fruchtbaren Boden, auf dem Lernen stattfinden kann. Bleiben wir also ihre Sprachrohre!