Tiergestützte Ergotherapie – Wie Hunde Kindern helfen können

(c) Gerit Schuh-Stoss

Tobi, 8 Jahre, kommt das erste Mal in die tiergestützte Ergotherapie. Seine Lehrerin meint, dass er sich im Unterricht schnell ab­lenken lässt und daher dem Programm in der Klasse nur selten folgen kann.

Seine Mutter erzählt, dass e rzu Hause eigentlich gut seine Hausübungen meistert und sie keine Erklärung für die Sorgen der Lehrerin hat. Auch in meiner Stundezeigt sich Tobi als sehr bemühter und kooperativer Bub. Kleine Aufgaben am Tisch erledigt er, manchmal mit leichter Hilfe von mir, prompt.

Wir holen meine dreijährige Therapiebegleithündin Cookie dazu. Tobi ist aufgeregt und freut sich sehr darauf, mit der Hündin zu arbeiten. Nach einem kurzen Kennenlernen in Form einer Leckerlisuche, bei der Tobi Cookie immer sofort mit einer Köst­lichkeit belohnt, möchten wir ein bis drei Tricks zusammen ausprobieren. Tobi schafft es zu meiner großen Ver­wunderung nicht, sich die Handzeichen zusammen mit den passenden Wort­kommandos zu merken. Immer wieder verwechselt er die Wörter, und schließ­lich bietet Cookie von sich aus alle ihr bekannten Tricks gleichzeitig an, um an die heißgeliebten Leckerlis zu kommen. Am Ende schaffen wir es, einen Trickordentlich einzuüben. Dank Cookie und ihrer Geduld konnte Tobi so lange an seiner Aufgabe dranbleiben, bis er sie erfolgreich erledigt hatte.

Befunden mit Cookie

Dieses Beispiel aus der Praxis hat mich sehr beeindruckt: Noch bevor ich ein­schlägige Tests zu Konzentration und Aufmerksamkeit machen konnte (soge­nannte Assessments), hat die Arbeit mit meiner Hündin schnell und klar gezeigt, wo Tobis Probleme liegen. Wenn er aufgeregt ist (egal ob positiv oder negativ), von Freund:innen oder einer Gruppe abgelenkt wird, gelingt es ihm nicht, den Fokus auf seine Arbeit zu halten. Gleichzeitig hat das sogenannte „Be­funden“ mit Cookie auch eine Übungs­einheit für den Klienten gebracht. Von Cookie begeistert, strengte Tobi sich so lange an und konzentrierte sich, bis der Trick endlich geklappt hat. Unser großes Ziel ist es, am Ende seines The­rapieblocks eine kleine Hundeshow für Mama und Papa zu gestalten. Das Bei­spiel von Tobi zeigt nur einen kleinen, wenn auch beeindruckenden Teil der tiergestützten Ergotherapie.

Was heißt „Befunden“?

Beim Befunden evaluiert die Ergotherapeutin Stärken und Schwächen der Klient:innen mit Hilfe standardisierter Tests, freier Beobachtung, Videoanalysen etc., um danach Therapieziele und-planung zusammen mit den Klient:innen zu erstellen.
(c) Gerit Schuh-Stoss
 

Cookie und ich sind ein durch das Messerli-Institut zertifiziertes Thera­piebegleithundeteam. Regelmäßig be­gleitet Cookie meine Klient:innen, um ihnen zu helfen, ihre Therapieziele zu erreichen – oder einfach nur, um sich während der Arbeit in der Praxis wohl­zufühlen. Sie ist eine echte Partnerin und große Bereicherung für meine Ar­beit und für die Atmosphäre in unserer Praxis. Und wenn Cookie einmal nicht da sein kann, hört man nicht selten den Satz: „Aber nächstes Mal ist Cookie wieder da … versprochen?“

Wie kann Cookie helfen?

• Cookie hilft Kindern in meiner Praxis, Wörter zu finden, um Kommandos geben zu können (Förderung der Sprachentwicklung)

• Sie tröstet traurige Klient:innen, indem sie sich während unseres Ge­sprächs auf deren Füße legt.

• Kinder mit sogenannten Wahrneh­mungsstörungen (spüren zu viel oder zu wenig, nehmen Reize anders wahr als die Mehrzahl der Kinder, …) genießen den Kontakt mit ihrem flau­schigen, lockigen Fell und konzentrie­ren sich auf das Spüren – auf das, was ihre Finger und Hände wahrnehmen.

• Unruhige und laute Kinder bemühen sich, zur Ruhe zu kommen und zu fokussieren, „damit Cookie sich nicht fürchtet“.

• Am beeindruckendsten ist für mich aber immer wieder, wie stark Kräfte für Konzentration und Aufmerksam­keit mobilisiert werden, nur um mit Cookie arbeiten zu können.

Unser Beitrag zeigt erneut, wie hilfreich Hunde im Alltag sein können. Lies weiter und erfahre, wie ein Therapiehund, der selbst blind ist, seinem Namen alle Ehre macht.

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