Projekt Seelenfriede: Tierhaltern entlaufener Vierbeiner Gewissheit schenken

by Nina Wurzer
2 Minuten Lesedauer
Koffer mit dem Chipauslesegerät des Projekts Seelenfriede, das entlaufene Haustiere und ihre Besitzer wieder zusammenbringen soll

Wer schon einmal erlebt hat, dass der eigene Vierbeiner nicht nach Hause kommt, kennt die Unruhe, die damit einhergeht. Vor allem Halter:innen von Freigänger-Katzen wissen, wie nervenaufreibend es ist: Man sucht die Umgebung ab, ruft immer wieder den Namen des Vermissten, spricht mit Nachbar:innen – und wirft doch regelmäßig einen Blick zur Haustür, in der Hoffnung, dass der Vierbeiner gleich hereinspaziert. Doch manchmal geschieht es einfach nicht. Und manchmal liegt der schmerzliche Grund dafür nur wenige Straßen weiter, verborgen vor den Augen der Besitzer.

Genau hier setzt das Projekt Seelenfriede an, das jüngst in der Steiermark angelaufen ist. Es verbindet moderne Technik mit einem klaren Ziel: Tierhalter:innen zuverlässig Klarheit zu verschaffen, wenn ihr Tier gefunden wird. Finanziert wurde es vom Land Steiermark, Animaldata, Virbac und dem Initator, dem Tierkrematorium Lebring. Das einzige, was Besitzer:innen dafür tun müssen, ist: das Haustier chippen lassen und die Daten in die Registrationsdatenbank eintragen (bzw. aktuell halten). Stark, finden wir!

Projekt Seelenfriede / Die Initiatoren Familie Pusnik vom Tierkrematorium Lebring mit Beteiligten
(vlnr) Projekt-Initiatoren Christian und Christina Pusnik des Tierkrematoriums Lebring, Landesrätin Claudia Holzer, Landeshauptmann Mario Kunasek, Geschäftsführer von ANIMALDATA Österreich Alexander Tritthart, Leiter des Straßenerhaltungsdienstes Franz Zenz. (c) Land Steiermark

Wenn das Haustier entlaufen ist – und nicht zurückkommt

Laut dem ORF versterben in Österreich jährlich etwa 300 Katzen durch Fahrzeug-Kollisionen. Hunde trifft es seltener, vorkommen tut es jedoch leider trotzdem ab und zu. In der Steiermark werden – wie in vielen Regionen Österreichs – verendete Tiere von den Straßendiensten eingesammelt und entsorgt. Für Tierhalter:innen blieb dabei bisher oft eine schmerzhafte Lücke: Keine Nachricht, kein Abschied, keine Gewissheit. Kein Seelenfrieden. Damit soll jetzt Schluss sein. Denn zumindest letzteres sollen Besitzer:innen in der Steiermark ab sofort zurückerhalten. 

Das Projekt Seelenfriede hat Tierhalter:innen im Blick

Wie das gelingt? Alle Fahrzeuge des steirischen Straßenerhaltungsdienstes wurden mit mobilen Chiplesegeräten ausgestattet. Findet ein Straßendienstmitarbeiter ein (herumirrendes oder verendetes) Tier, wird es direkt vor Ort mithilfe eines Handscanners auf einen Mikrochip geprüft. Wird ein Chip gefunden, wird die Chipnummer an eine zentrale Stelle gemeldet. Über die Tierkennzeichnungsdatenbank Animaldata.com wird überprüft, ob das Tier registriert ist. Ist eine Registrierung vorhanden, werden die Halter:innen direkt über den Fund informiert. Eine Rückgabe des Tierkörpers an die Besitzer:innen ist bislang aus logistischen und Hygiene-Gründen leider nicht möglich. Was aber bleibt, ist die Gewissheit, im Ernstfall informiert zu werden und Abschied nehmen zu können. 

Die Idee hinter dem Projekt: Am Anfang stand ein entlaufener Kater

Die Idee zu Seelenfriede entstand, als einer von Christina Pusniks Katern eines Abends nicht nach Hause kam. Die Leiterin des Tierkrematoriums Lebring erinnert sich: “Die Ungewissheit ist einfach katastrophal. Unser Glück war nur, dass der Ausreißer nach ein paar Tagen wieder wohlbehalten zurückkehrte.“ Was blieb, war aber der Gedanke: Was, wenn nicht?

Ein Modell für ganz Österreich?

Aktuell wird das Projekt Seelenfriede in der Steiermark umgesetzt – und zwar flächendeckend. Jedes Fahrzeug des Straßenerhaltungsdienstes hat nun ein Chiplesegerät an Bord. Das könnte Vorbildcharakter für ganz Österreich haben, denn die Grundidee ist einfach und effizient. Vor allem aber ist sie wirksam – sowohl emotional als auch organisatorisch. Denn wem schon einmal ein Haustier entlaufen ist und wer tagelang nach Antworten gesucht hat, weiß: Traurige Gewissheit ist immer noch besser als nie zu erfahren, was geschehen ist.

Chip-Pflicht für Haustiere in Österreich 

Die Chip-Pflicht in Österreich gilt für Hunde, spätestens mit 3 Monaten, jedenfalls aber vor der ersten Weitergabe, sowie Zuchtkatzen. Der Chip muss in der zentralen Heimtierdatenbank eingetragen werden – nur so kann er im Notfall ausgelesen und zugeordnet werden. Auch wenn es keine gesetzliche Pflicht gibt, ist das Chippen für viele Tiere (wie Freigängerkatzen oder jene Stubentiger, die gerne ausbüxen, beispielsweise) sinnvoll, um sie im Fall des Entlaufens eindeutig identifizieren zu können.

Unbedingt chippen UND registrieren

Ohne Registrierung hat der Chip noch wenig Nutzen. ‼️Deshalb die Erinnerung: Daten unbedingt in der Kennzeichnungsdatenbank eintragen! Die Registrierung ist in wenigen Minuten erledigt und kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen.

💡Außerdem: Daten aktuell halten: Bei Umzug oder Telefonnummernänderung sofort aktualisieren!

Unser Fazit

Wir finden: Projekte wie dieses senden eine klare Botschaft: Tiere sind Familienmitglieder – und verdienen Respekt, selbst im Abschied. Seelenfrieden zeigt, wie eine einfache technische Lösung – Chip auslesen beim Haustier – in Kombination mit gut organisierten Abläufen eine große Wirkung entfalten kann. Es bringt Mensch und Tier auch dann noch zusammen, wenn ihr gemeinsamer Weg zu Ende gegangen ist. Es ist ein Schritt in Richtung mehr Tierwohl, mehr Verantwortung und mehr Mitgefühl – und hoffentlich der Beginn einer Entwicklung, die bald ganz Österreich erreicht.

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