Genetik: Wie Fellfarben auf die Gesundheit von Hunden wirken

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Die Fellfarben beim Hund sind nicht alle natürlichen Ursprungs, sondern basieren auf einer genetischen Mutation. / Foto: pixabay

Es ist allgemein bekannt, dass Pigmente für die Haut- und Haarfärbung bei Menschen und auch Hunden verantwortlich sind. Bei Hunden gibt es viele unterschiedliche Fellfarben, wovon leider einige Probleme verursachen können und teilweise sogar unter das Qualzuchtverbot (§11b TierSchG) fallen.

Viele Rassen, wie beispielsweise der Australien Shepherd, sind besonders durch ihre speziellen Fellfarben bekannt und werden als „Nicht-Merle“ teilweise gar nicht mehr erkannt. Durch die steigende Beliebtheit dieser besonderen Farben, findet man sie auch immer häufiger auch bei anderen Rassen, was aber zu großen gesundheitlichen Problemen führen kann, da viele davon bereits rassebedingte Krankheiten aufweisen. Bei der Zucht von Hunden mit „buntem“ Fell gibt es dadurch mehrere Dinge zu beachten, um Gesundheitsproblemen entgegen zu wirken. In erster Linie ist eine genetische Untersuchung notwendig.

Natürlich gibt es unterschiedlichste Gene, die für die Fellfarben zuständig sind. Wir haben uns die wichtigsten drei angesehen, die am häufigsten Probleme verursachen.

Dilute-Gen

Das Dilute-Gen ist ein Verdünnungsgen, das eine Farbaufhellung bewirkt. Schwarzes Fell wird dadurch beispielsweise blau oder grau. Welpen mit diesem Gen kommen bereits in der aufgehellten Farbe zur Welt, wo hingegen Hunde mit einem „Greying-Gen“ zuerst dunkel sind und erst mit der Zeit heller bzw. grauer werden.

Viele Rassen vertragen dieses Gen nicht und es kommt zu enormen gesundheitlichen Problemen. Das Fell wird brüchig und fällt immer weiter aus bis hin zur gänzlichen Nacktheit. Die entstandenen kahlen Stellen können jucken und sich sogar entzünden. Bekannt ist diese Krankheit als Farbmutantenalopezie oder kurz CDA (color dilution alopecia). Es gibt bis heute keine Heilung dafür. „Der Haarverlust kommt dadurch zustande, dass der Gendefekt eine abnormale Melanosomspeicherung und einen fehlerhaften Melanozytentransport (Melanozyt = Pigmentzelle) bewirkt. Die Haare betroffener Hunde weisen deshalb eine vermehrte Melaninmenge (Ansammlung) auf, was zu Pigmentklumpen führt und die Haarschäfte so sehr schwächt, dass sie brechen und als Ursache für den Haarverlust (Alopezie) angesehen werden. Natürlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. „Es kommt auch zu einem Verlust des Sonnenschutzes, der ein erhöhtes Risiko für UV-Strahlen induzierte Hauterkrankungen und –schäden nach sich zieht (auch Neoplasien der Haut (Hautkrebs) sind möglich). Zusätzlich zeigen betroffene Hunde auch oft eine bakterielle Follikulitis (Hautinfektion), die tiermedizinisch behandelt werden muss.“

Es gibt zwei Ausprägungen des Dilute-Gens: Die ursprüngliche oder auch „Wildtyp“-Form „D“ und die mutierte, defekte Form „d“. In der DNA sind immer zwei Allele verankert und durch einen Bluttest lässt sich feststellen welche. Eine Aufhellung wird nur dann bewirkt, wenn zwei defekte Gene aufeinandertreffen, da die Wildtyp-Form dominant ist. „D/d“ wird also keine hellen Welpen hervorbringen. Deshalb sind Gen-Tests hier ganz besonders wichtig.

Fellfarben beim Hund, die Krankheiten auslösen:

  • Grey-Collie-Syndrom (Canine Zyklische Neutropenie = CCN): In bestimmten Zuchtlinien des Border Collies kommt kommt es bei silbergrauer Farbaufhellung (durch das Dilute-Gen) zu schweren Störungen der Hämatopoese (Blutbildung), die zu Fieber und tödlichen Infektionen führen können.
  • Blue-Dog-Syndrom: Bei Deutschen Doggen, Dobermännern und mittlerweile auch bei Französichen Bulldoggen taucht bei blaugrauer Färbung eine Disposition für Hautentzündungen und Alopezien auf. Beim Dobermann ist die Farbe blau verboten und fällt unter das Qualzuchtverbot.
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Eine Französische Bulldogge in blau. /Foto: pixabay
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Ein Dobermann in blau. /Foto: Taryn916 (CC BY-SA 3.0)

Merle-Gen

Durch den Merle-Faktor wird braunes und schwarzes Fell stellenweise aufgehellt. Dadurch kommt es zu der beliebten unregelmäßiger Sprenkelung zweier Farbtöne des gleichen Grundpigments (Tigerung) und teilweise auch zu blauen Augen. Aber nicht das Merle-Gen an sich verursacht die Probleme, sondern die Merle-Zucht. Zwei Merle-Gen-Träger miteinander zu paaren ist verboten und fällt unter das Qualzuchtgesetz. Bei Welpen solcher Paarungen kommt es zu „Anomalien der Augen (Mikrophthalmus, Katarakte, fehlendes Tapetum lucidum) und Ohren (Innenohrdegeneration), zu einer Einschränkung oder völligem Verschwinden der Seh- und Hörfähigkeit, Störung des Gleichgewichtssinn und einer erhöhten Sterblichkeitsrate bei der Geburt“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Auch hier sind Gentest (M-Lokus) bei der Zucht unerlässlich, da vor allem rote Merle nicht eindeutig erkennbar sind.

Typische Rassen mit Merle-Faktor

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Ein Australian Shepherd in Red Merle. / Foto: unsplash

Scheckungs-Gen

Das Scheckungs-Gen heißt auch Piebald-Gen, wirkt direkt auf die Pigmentzellen ein und beeinflusst dadurch wie sie sich verteilen. Unter Extremschecken versteht man weiße (nicht zu verwechseln mit creméweiß, dafür ist ein anders Farbgen zuständig) Hunde, deren Weißanteil so groß ist, dass es zu Problemen kommen kann. Desto weißer der Hund, desto höher das Taubheitsrisiko. Bei blauer Iris steigt das Risiko noch weiter. Unter den weißen Stellen ist die Haut meistens rosa (weil die Pigmentierung fehlt) und demnach viel empfindlicher in der Sonne. Ist wenig oder keine Unterwolle vorhanden, tauchen auch immer wieder Hautprobleme auf.

Beispiele betroffener Rassen:

  • Dalmatiner: Wenn die Scheckung zu extrem ist, dann taucht vermehrt Taubheit auf.
  • weiße Dobermänner: Bei weißen Dobermännern kommt zu Sehstörungen.
  • Schwarze oder schwarz-gefleckte Hunde: Black Hair Follicular Dysplasia: Bei Junghunden tauchen die ersten Anzeichen wie Haarausfall auf. Bei dieser Krankheit sind die dunklen Haarbereiche betroffen. Das Pigment wird durch einen Pigmentfehler nicht gleichmäßig im Haar verteilt, es verklumpt und macht das Haar brüchig.
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Ein Dalmatiner bekommt nur dann Probleme, wenn der Weißanteil zu groß ist. / Foto: pixabay

Weitere problematische Fellfarben

  • rote englische Cocker Spaniel neigen zu idiopathischen Aggressionsstörungen
  • Chocolat Labradore (Labrador Retriever) weisen einer Studie von McGreevy (2018) zufolge eine kürzere Lebenserwartung (durchschnittlich 10.7 Jahre), vermehrt Otitis externa (23.4 Prozent der Tiere) und pyogene Dermatitiden (4.0 Prozent der Tiere) auf
  • Pink Pugs: Möpse mit stark eingeschränkter bis fehlender Pigmentproduktion (Albinismus). In Extremfällen sind diese Hunde weiß und haben wasserblaue bis rötliche Augen. Haut und Schleimhaut sind rosa. Bei den extrem aufgehellten Varianten ist kein UV-Schutz vorhanden, die Hunde sind extrem lichtempfindlich. Werden aufgrund der „Rarität“ für 15.000 Pfund (etwa 16.800 Euro) verkauft.
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