Traumatisierter Hund: Wie Vierbeiner Traumata überwinden (können)

traumatisierter hund chihuahua tierheim trauma ueberwinden misshandlung erziehung
Damit Hunde ein Trauma überwinden können, braucht es viel Einfühlungsvermögen und Geduld beim Vertrauensaufbau. / Foto: Pexels

Wie sehr wirkt sich die Vergangenheit des Vierbeiners auf sein zukünftiges Leben aus? Welche Chancen hat ein traumatisierter Hund und wo liegt die Grenze des Erreichbaren? Welche möglichen Nachteile kann das Tierheim für das spätere Leben bedeuten?

Ein traumatisierter Hund muss sein Trauma nicht zwingend durch Misshandlung von Menschen haben. Taucht man tief in die Epigenetik ein, wird deutlich, dass bereits Erlebnisse im Mutterleib Einfluss auf das gesamte zukünftige Leben haben können. Wenn die Mutterhündin Stress hatte, ob durch Futterbeschaffung, das Leben auf der Straße oder durch ein schlechtes Zuhause, wirken sich diese Erfahrungen bereits lange vor dem Geborenwerden auf den Organismus der Welpen aus. Schlimmstenfalls werden Stoffwechselprozesse negativ beeinflusst und sogar die Stressresistenz kann das gesamte restliche Leben deutlich herabgesetzt sein. Was bedeutet das für Hunde, die im Tierheim waren, als Straßenhunde lebten oder die schlecht behandelt wurden?

Trigger bewirken Stressreaktionen

Wenn sie Traumata erfahren haben, können sogenannte Trigger immer wieder wirksam werden, im Körper massive Stressreaktionen hervorrufen oder sich womöglich auf das gesamte weitere Verhalten und Wohlbefinden auswirken.

Aber – und das ist der große Vorteil, den Tiere Menschen gegenüber haben – Hunde leben im Augenblick! Sie denken nicht wie wir über Geschehnisse nach, die in der Vergangenheit passiert sind. Sie hadern nicht mit Geschehenem, auch wenn sie Opfer sind oder womöglich ewig traumatisiert bleiben. Wo der Mensch gezielt mit Verständnis einwirkt und Rituale schafft, die in beängstigenden Situationen Sicherheit geben, kann das Tier festgefahrene Verhaltensweisen ablegen und neue Verknüpfungen erlernen.

Trauma überwinden

Ehemals ängstliche Hunde können je nach Intensität der Erfahrungen ihre Vergangenheit zwar nie ablegen, sie aber doch im Sinne von mehr Lebensqualität bewältigen – wenn die neue Umgebung dies zulässt und fördert. Nach vorne gehende oder zurückgezogene
Hunde haben nicht zwangsläufig schlechte Erfahrungen gemacht.

Auch keine Erfahrungen gemacht zu haben, beeinflusst den Organismus nachteilig. Nachweisbar ist, dass das Gehirn der unter Deprivation aufgewachsenen Individuen deutlich weniger Nervenverknüpfungen aufweist als jenes frühgeförderter Individuen.

Der Welpe, der mit Spielzeug, Geschwistern, Mutterliebe und unter menschlicher Fürsorge aufwuchs, wird immer deutlich bessere Startbedingungen haben als jener, der dieses Glück nicht hatte. Mehr noch: Er wird Stress und neue Situationen besser bewältigen können, sich intensiver binden, ausgeglichener sein, schneller und mehr lernen, sich besser konzentrieren können u.v.m.

Ein Paradebeispiel für das „zweite Leben“ nach einem Trauma ist Husky-Dame Tinkabell. Die ehemalige Tierheimhündin gewann EM-Silber in Canicross. Panische Angst und Aggressionen gegenüber Männern verwandelten sich – dank intensiver Arbeit – in Liebe gegenüber ihrem neuen Herrchen!

Erringen Hunde mit traumatischer Vergangenheit Siege, etwa in Wettbewerben oder bezüglich ihrer Weiterentwicklung, bedeutet dies vor allem auch, dass Menschen viel Energie und Zeit investiert haben – in genau jene in der Tierwelt, die unser Verständnis
und Wissen am meisten brauchen können!

Auch interessant

Zum Weiterlesen empfehlen wir die Artikel „Was bedeutet Sozialisierungsphase bei Hunden?“ und „Pro und Contra Hundewiese“.