Studie: Menschen erkennen Aggression bei Hunden kaum

by Verena Hauck
Ein Hund liegt am Sofa und knurrt, daneben steht ein ratloser Mann - er ist unfähig, die Aggression erkennen.

Das Experiment deutscher Bildungseinrichtungen sollte eigentlich zeigen, dass Menschen evolutionstheoretisch besser in der Lage sein sollten, Anzeichen von Aggression zu erkennen. Doch das Ergebnis sprach eine ganz andere Sprache…

Eingangs schien die Hypothese des Forscherteams einleuchtend: Das Überleben einer Spezies ist bestimmt sicherer, je besser diese Aggression erkennen, voraussagen und abwenden kann. Dies gilt nicht nur für die eigene Art, sondern besonders auch für andere Lebewesen – speziell für solche mit spitzen Zähnen oder Klauen. Deswegen führten das Max-Planck-Institut für Geoanthropologie und die Friedrich-Schiller-Universität in Jena sowie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und die Universität Leipzig zusammen ein Experiment durch. 92 Testpersonen sahen sich 27 verschiedene Videoclips an. Die Videos zeigten nonverbale Interaktionen zwischen Menschenkindern, Hunden und Makaken-Äffchen. Die Hälfte der Testpersonen sollte die Interaktionen in verspielt, neutral oder aggressiv einteilen. Die zweite Hälfte sollte die Folgen jeder Interaktion bewerten. Das Ergebnis sorgte jedoch für Überraschung… und entspricht keineswegs Charles Darwins Evolutionstheorie.

Aggressionen erkennen – eher nicht

Die Genauigkeit der Testpersonen, Interaktionen korrekt zu interpretieren oder eine korrekte Folge einzuschätzen, schwankte zwischen 50 und 80 Prozent. Freundliche und neutrale Interaktionen waren für die Versuchsteilnehmenden wesentlich leichter zu interpretieren. Bei aggressiven Verhalten jedoch waren die Testpersonen kaum besser, als hätten sie ihre Antwort dem Zufall überlassen. Besonders Aggressionen bei Hunden und anderen Menschen waren für die Testpersonen besonders schwer zu verstehen – entgegen der Erwartungen der Wissenschaftler.  Denn Verletzungen oder Tod durch gewalttätige Konfrontationen zu vermeiden, sollte eigentlich zu eindeutigen evolutionären Vorteilen zählen.

Optimistische Menschheit

„Es ist möglich, dass wir Menschen voreingenommen sind und von anderen Menschen und unserem ‚besten Freund‘ eher positive Interaktionen erwarten“, so Studienautorin Theresa Epperlein. „Es könnte sein, dass wir deswegen weniger fähig sind, aggressives Verhalten als solches zu erkennen.“ Dieses überraschende Ergebnis kann dabei helfen, zu erklären, warum Menschen plötzlich von eigentlich freundlichen und wohlerzogenen Fellnasen gebissen werden. Während der Hund sich bereits in eine Ecke gedrängt fühlt und seit Minuten Unwohlsein, Angst und damit auch die Bereitschaft zur Aggression ausdrückt, erwarten wir Menschen freundliches Verhalten. Und entgegen aller Hinweise auch einen positiven Ausgang der Situation.

Lernen Sie deswegen hier, woran Sie Beschwichtigungssignale beim Hund erkennen können und wie sie Situationen mit drohenden Hunden korrekt entschärfen. Außerdem: Besonders Kinder sind schlecht darin, Warnsignale von Hunden richtig zu deuten – deswegen braucht es beim Spiel zwischen ihnen klare Spielregeln (lesen Sie hier mehr!).

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