Stress-Test: Können Hunde am Menschen Stress riechen?

by Verena Hauck
Ein Hund mit Schnauze in der Luft denkt in einer Denkblase an Stress, da Hunde stress riechen können.

Hunde sind Meisterschnüffler – doch können sie buchstäblich an uns Menschen Stress riechen? Laut einer ausgeklügelten Studie: ja, sogar mit einer 100% Erfolgsgarantie! Dank vier speziell trainierten Stress-Hunden und kniffligen Mathematikaufgaben steht nun fest, dass Hunde genau wissen, wann wir Menschen unangenehm ins Schwitzen kommen.

Hunde haben eine sehr feine Nase – das weiß jeder Hundebesitzer, der schon einmal gewagt hat, mit dem Geruch eines fremden Hundes an der Kleidung nach Hause zu kommen. Während wir Menschen nur etwa 350 verschiedene Rezeptoren für Gerüche in unserer Nase haben, verfügen Hunde über 1200 Typen. Demnach können sie Gerüche wesentlich besser wahrnehmen und auch viel genauer voneinander unterscheiden als wir. Dies hat sich der Mensch bereits erfolgreich zunutze gemacht, z.B. mit Spürhunden für illegale Substanzen, vermisste Personen oder Tiere, Elektrogeräte oder sogar Geld. Aber auch in der medizinischen Diagnostik setzt man mancherorts auf speziell ausgebildete Spürhunde für Corona, Krebs, Diabetes und mehr. Ein Forscherteam der irischen Queen’s University Belfast wollte die Hundenase nun buchstäblich einem Stress-Test unterziehen: Können Hunde Stress riechen?

Von Mathematik und Angstschweiß

Vier ausgebildete Spürhunde namens Treo, Fingal, Soot und Winnie sollten zeigen, ob Hunde buchstäblich riechen können, wenn wir Menschen gestresst sind. Dazu ließ man sich ein ausgeklügeltes Experiment einfallen. 36 Versuchspersonen stellten sich zur Verfügung, sich im Namen der Wissenschaft stressen zu lassen. Dies wurde anhand von kniffligen Mathematikaufgaben erreicht, welche die Teilnehmenden lösen mussten. Vor und nach der Aufgabe entnahm man eine Schweiß- und eine Atemprobe, zusätzlich erhob das Forscherteam Herzfrequenz, Blutdruck und Selbstaussagen über das wahrgenommene Stresslevel der Versuchspersonen.

Für den Geruchstest nahm man nur die Proben jener Personen heran, die über mehr Stress nach den Aufgaben berichteten und deren Herzfrequenz und Blutdruck sich tatsächlich verändert hatten. Mit räumlichen Abständen zwischen jeder Probe unterzog man den vier felligen Spürnasen danach dem Stress-Test. Und tatsächlich: Alle vier Hunde gaben bei jeder „Stress-Probe“ korrekt Laut – egal, ob es sich um Schweiß- oder nur Atemproben handelte. Damit zeigten die Hunde eine 100-protzentige Erfolgsgarantie – wau!

Egal, ob Freund oder Fremder

„Diese Ergebnisse zeigen, dass wir Menschen unterschiedliche Gerüche in unserem Schweiß und unserem Atem produzieren, wenn wir gestresst sind. Und dass Hunde per Geruch unterscheiden können, ob wir entspannt sind – selbst bei Menschen, die sie überhaupt nicht kennen“, erklärt Studienautorin Clara Wilson. „Damit beweisen wir auch, dass Hunde keine visuellen oder auditiven Reize benötigen, um zu wissen, ob ein Mensch gestresst ist.“ Dass Hunde buchstäblich Stress riechen können, könnte sich besonders in der Ausbildung von Assistenzhunden oder Therapiehunden als nützlich erweisen. Außerdem erhalten wir besseren Einblick darin, wie Hunde leben. „Die Studie hat uns vor Augen geführt, dass Hunde die Welt wirklich mit ihrer Nase ’sehen.'“ Einer der Spürnasen, der zweijährige Cocker Spaniel Treo, soll nach dem Ende der Studie auch zu Hause eine verbesserte Fähigkeit gezeigt haben, einen Wechsel menschlicher Emotionen zu erkennen. „Es liegt auch für uns Menschen immenser Wert darin, wenn Hunde das machen, was sie am besten können – schnüffeln!“

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