Pfotenhygiene: Kein Grund, Assistenzhunden Zutritt zu verweigern

by Verena Hauck
Ein Mann im Rollstuhl mit seinem Assistenzhund an der Seite, dessen Pfotenhygiene kein Problem darstellen sollte.

Eigentlich sollten staatlich zertifizierte Assistenzhunde ihre Menschen überallhin begleiten dürfen. Doch in der Realität wird ihnen oftmals der Zugang wegen hygienischer Bedenken verwehrt. In einer Studie untersuchte man deswegen die Pfotenhygiene von Assistenzhunden – und fand die Hundepfoten sauberer als so manche Schuhsohle!

Bereits seit 2015 ist im Österreichischen Bundesbehindertengesetz klar geregelt, dass staatlich zertifizierte Assistenzhunde Sonderrechte genießen. Sie sind grundsätzlich von der Maulkorbpflicht ausgenommen und dürfen auch Räumlichkeiten und Fahrzeuge betreten, in denen Hunde normalerweise verboten sind. Auch andere EU-Länder und sogar die UN haben ähnlich eindeutige Gesetzte festgelegt. Denn diese Regelungen gewährleisten, dass die Hunde ungestört ihrer wichtigen Aufgabe nachkommen können, ihre Menschen im Alltag zu unterstützen. Assistenzhunde wie Blindenführ-, Service- und Signalhunde verhelfen Menschen mit Einschränkungen zu mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit.

In der Realität sehen sich Menschen mit Einschränkungen jedoch oftmals mit einer Situation konfrontiert, in der ihrem Assistenzhund der Zutritt verwehrt wird. Vier von fünf befragten Personen mit Behinderung gaben in einer niederländischen Studie an, dass ihren Assistenzhunden mindestens einmal der Zutritt zu Räumlichkeiten verwehrt wurde, die sie laut Gesetz hätten betreten dürfen. Oftmals werden hygienische Bedenken, besonders die Pfotenhygiene, vorgeschoben – speziell in Arztpraxen oder Krankenhäusern. Und das, obwohl Menschen mit dreckigen Schuhen uneingeschränkt kommen und gehen dürfen. Das niederländische Forscherteam der Universität Utrecht hat deswegen analysiert, was mehr Risiko birgt: eine Hundepfote oder eine Schuhsohle.

Hundepfote vs. Schuhsohle

Im Zuge der Studie untersuchte man die Pfotenhygiene von 25 Assistenzhunden und die Schuhsohlen ihrer Besitzer. Als Kontrollgruppe zog man eine gleich große Gruppe an „normalen“ Hunden und deren Besitzer heran. Die Proben von Pfoten und Schuhsohlen der Menschen wurden im Labor konkret auf Fäkalbakterien (Enterobacteriaceae) und ein gängiges Durchfalbakterium (Clostridium difficile) hin analysiert. „Die Hundepfoten waren signifikant sauberer als die menschlichen Schuhsohlen“, erklärt Masterstudentin Jasmijn Vos. Tatsächlich waren alle untersuchten Hundepfoten frei von Durchfallbakterien; auf einer Schuhsohle tauchten sie jedoch auf.  „Das entkräftet das Argument, Assistenzhunde aus Hygienegründen von öffentlichen Orten auszuschließen, vollkommen.“

Von Pfotenhygiene und Unwissenheit

Während darauf zu hoffen ist, dass das Ergebnis der Studie zukünftige Konflikte vermeiden kann, liegt der eigentliche Grund für die häufige Zurückweisung jedoch wahrscheinlich woanders. Tatsächlich wissen viele Fachkräfte in Arztpraxen oder Krankenhäusern einfach nicht, was ein Assistenzhund ist und über welche Sonderrechte diese verfügen. In Österreich beispielsweise sind diese überall erlaubt, mit wenigen Ausnahmen (z.B. Operationssaal). Gezielte Informationskampagnen und persönliche Weiterbildung über das Thema haben daher wahrscheinlich bessere Chancen, unangenehme und vor allem ungesetzliche Situationen für Menschen mit Behinderung zu vermeiden.

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