Freitag, Februar 3, 2023
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Kuvasz (Hunderasse) – imposanter Wachposten

Der Kuvasz ist eine alte ungarische Herdenschutzhundrasse, die den Menschen schon seit vielen hunderten, vielleicht sogar tausenden Jahren begleitet. Mit der Rückkehr der Wölfe entdeckt er mancherorts auch seine ursprüngliche Verwendung wieder.

Kuvasz (Hunderasse) – Klassifikation FCI

FCI-Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde
(ausgenommen Schweizer Sennenhunde).
Sektion 1 – Schäferhunde.
ohne Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Ungarn

FCI-Standardnummer: 54
Widerristhöhe:
Rüde: 71 – 76 cm
Hündin: 66 – 70 cm
Verwendung: Wachhund, Jagdhund, Spürhund

Geschichte und Herkunft

Als enger genetischer Verwandter der Tibetdogge gehört der Kuvasz zu der Familie der Molosser. Er hat seinen geschichtlichen Ursprung wahrscheinlich im nahen Osten, genauer gesagt im antiken Mesopotamien (heutiger Raum zwischen der Türkei, Syrien, Iran und Irak), der ersten menschlichen Hochkultur. Bei archäologischen Ausgrabungen in diesem Raum wurden Felszeichnungen gefunden, die wahrscheinlich vor 14.000 Jahre angefertigt wurden. Tontäfelchen mit der Bezeichnung “KU-AS-SA” bekundeten die Wachhunde einer reichen Familie. Es wird außerdem angenommen, dass man den Kuvasz auch als Beschützer der Tempelanlagen und Priester einsetze. Damit ist die Beziehung und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Kuvasz eine der längsten in unserer gemeinsamen Geschichte.

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Wahrscheinlich gelangte der Vorfahre des Kuvasz von dort nach Europa, wo es ihn bereits zu Zeiten der Völkerwanderung um 375 n. Chr. in Ungarn gegeben haben soll. Der Kuvasz war hauptsächlich Herdenschutzhund der Magyaren. Er wurde von ihnen eingesetzt, um ihre Nutztierherden, (meist Schafe und Pferde) zu bewachen und gegen Raubtiere und Diebe  zu verteidigen. Dabei war es jedoch nicht seine Aufgabe, diese zu stellen oder gar zu verfolgen. Denn der Kuvasz vertrieb seine Gegner meist durch Bellen oder Drohgebärden, ließ die Herde jedoch nicht alleine.

Ein Kuvasz steht am Strand vor dem Hintergrund eines Bergs.
Als Herdenschutzhund ist der Kuvasz an karges Klima gewöhnt. / Foto: Canva (Susanna Cesareo).

Kuvasz als ungarische Hirtenhunde

Erste konkrete Dokumentationen der Rasse tauchten zur Zeit von König Matthias Corvinus (1458–1490) auf, aus denen hervorgeht, dass man ihn am königlichen Hof zur Wolfs- und Bärenjagd verwendete. Zudem galt er als kostbares Geschenk unter Mitgliedern des Hochadels. Als ausgezeichneter Wachhund fand er später in den Dörfern Verwendung, wurde zum Beschützer der Bauern, ihres Viehs und des Hofes – eine Aufgabe, die ihm im Zweiten Weltkrieg beinahe zum fatalen Verhängnis wurde. Aufgrund ihrer Loyalität und Entschlossenheit, das ihnen anbetraute Gut zu verteidigen, löschten marodierenden Soldaten die Hunderasse beinahe aus. Mit dem Verschwinden des traditionellen Hirtentums verschob sich auch die Bedeutung des Kuvasz vom reinen Wach- und Herdenschutzhund zum Familienhund, was auch die moderne Zucht und Sozialisation des Kuvasz widerspiegelt.

In seinem Ursprungsland Ungarn und umliegenden Nachbarländern konzentriert sich die Zucht durch die Rückkehr der Wölfe ins natürliche Ökosystem wieder darauf, die originalen Anlagen des Kuvasz zu fördern und ihn größer, kräftiger und auch wachsamer zu züchten. Daher kann man im Allgemeinen zwei Zuchtlinien unterscheiden: den menschenbezogenen, sozialisierten Familienhund und den ursprünglichen, sehr eigenständigen Arbeitshund, der nicht mehr so stark ins menschliche Alltagsleben eingebunden ist.

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Heute hat sich der Bestand der Kuvasz wieder erholt - trotzdem werden in Deutschland nur ca. 50 Welpen pro Jahr geboren. / Foto: Franz Steinsdörfer (Kuvasz Freunde e.V.).

Gesetzeslage

Nur im Schweizer Kanton Tessin ist er auf der Liste “potentiell gefährlicher Hunderassen” vermerkt und darf dort nur mit behördlicher Bewilligung gehalten werden. Viele Kritiker sind gegen die Existenz solcher Rasselisten, da Aggressivität von mehreren (oft menschlichen) Faktoren abhängt und die Rassezugehörigkeit selbst immer wieder als potentieller Faktor angezweifelt wird. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schaffen immer mehr Bundesländer und Kantone im deutschsprachigen Raum aufrgund von wissenschaftlichen Erkenntnissen Listen mit potentiell gefährlichen Hunderassen ab oder verkürzen diese – der Trend, stattdessen das Verantwortungsbewusstsein der HalterInnen auszubilden und zu kontrollieren, ist positiv zu betrachten. Grundsätzlich ist der Kuvasz Fremden gegenüber misstrauisch und zurückhaltend, aber nicht aggressiv.

Wesen und Charakter

Als uralte Herdenschutzhundrasse ist der Kuvasz ein unabhängiger und aufmerksamer Arbeiter, der daran gewöhnt ist, die ihm anvertrauten Personen oder Besitztümer zu bewachen. Dabei verlässt er sich jedoch hauptsächlich auf Bellen oder Drohgebärden – tatsächlich aggressives Verhalten ist besonders in der Familienhundezucht untypisch. “Für uns ist es wichtig, dass er ein zuverlässiger Familienhund ist, dass er mit Kindern sehr gut zurechtkommt und dass man den Kuvasz in alle Bereiche des sozialen Lebens mitnehmen kann”, erklärt Franz Steinsdörfer, Vorsitzender der Kuvasz Freunde, das moderne Zuchtziel.  Das Anzeigen von fremden Personen oder Tieren in der Nähe des bewachten Besitzes durch lautes Bellen ist jedoch tief im Wesen des Kuvasz verwurzelt und kann ihm nicht abtrainiert werden.

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Der Kuvasz ist kein unterwürfiger Hund - man muss seinem starken Charakter gewachsen sein. / Foto: Franz Steinsdörfer (Kuvasz Freunde e.V.)

Der Kuvasz ist daran gewöhnt, eigenständig zu arbeiten, und ist daher nicht so gehorsam und unterwürfig wie andere Schäferhunderassen. Der Kuvasz will seinen Menschen als gleichwertiger Partner zur Seite stehen, und seinen Respekt und seine Zuneigung muss man sich hart verdienen. Er ist aufmerksam und sensibel seinen Bezugspersonen gegenüber, aber nicht so verschmust wie andere Hunderassen. Daher braucht er einen sicheren Rückzugsort, den er aufsuchen kann, wenn sein Bedürfnis nach Streicheleinheiten gestillt ist.

Den Kuvasz muss man konsequent und liebevoll erziehen und sorgfältig sozialisieren. Ansonsten kann der eigensinnige, selbstbewusste Hund auf schlechte Behandlung oder fremde Lebewesen aggressiv reagieren. Als echter Naturbursche braucht er ausreichend Bewegung im Freien und möchte seinen Bedürfnissen entsprechend ausgelastet werden.

Er will und sollte ein sorgfältig abgesichertes Territorium bewachen dürfen und ins soziale Familienleben integriert werden. “Diese Veranlagung zur Bewachung muss vom Zweibeiner in sinnvolle, für den Alltag taugliche Bahnen gelenkt werden”, erklärt Kuvasz-Rassebeauftragte Angelika Lanerath vom Klub für Ungarische Hirtehunde. Der Kuvasz eigne sich wunderbar als Begleiter auf Wanderungen oder langen Spaziergängen, zeige Talent beim Mantrailing und sei mancherorts sogar als Therapiehund tätig.

Ein Kuvasz steht auf einem Wiesenstück.
Der Kuvasz gehört nur in erfahrene und fähige Hände! / Foto: Canva (slowmotiongli).

Erscheinungsbild

Während Kuvasz-Welpen wie kleine Wolken mit Beinen wirken, ändert sich das im Erwachsenenalter drastisch. Denn die äußere Erscheinung des Kuvasz ist beeindruckend und imposant. Sie sind groß gewachsene Hunde mit kräftigem Knochenbau und beinahe hagerer Bemuskelung, die Adel, unermüdliche Leistungsfähigkeit und Kraft ausstrahlen. Die weder zu kurzen, noch zu langen Läufe sind Voraussetzung für die elastische, raumgreifende Beweglichkeit der Hunde. Der Kopf ist charakteristisch keilförmig, edel und hager. Die Nase und Lefzen sind üblicherweise dunkel pigmentiert, auch die Haut weist eine schiefergraue Färbung auf. Die etwas schräg liegenden, mandelförmigen Augen müssen ebenfalls dunkel sein.

Fell & Pflege

Ein besonderes Charakteristikum des Kuvasz ist sein weißes, langes, mäßig hartes Fellkleid, dessen Deckhaar aus groben, gewellten Haaren besteht. Unter diesem befindet sich eine feine, flaumige und dichte Unterwolle zum Schutz vor schlechter Witterung. Die befederten Läufe und Rute und die üppige Halskrause geben ihm sein wuscheliges Aussehen. Nur am Rumpf, den Oberarmen und Oberschenkeln ist das Fell mit vier bis zwölf Zentimetern mittellang. Zugelassene Fellfarben umfassen weiß und elfenbeinfarben. Wie bei vielen Hütehunderassen haben die Hunde im Laufe der Zeit ihre Fellfarbe an diejenige ihrer Schutztiere angeglichen.

Das gewellte Fell des Kuvasz muss regelmäßig gebürstet, sollte aber nur selten gewaschen werden, da dies das Unterfell stören kann. Besonders beim Fellwechsel muss man mit großen Mengen loser Haare rechnen.

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Das typische Aussehen eines Kuvasz: schönes weißes Fell und eine schwarze Schnauze und dunkle Augen. Fast könnte man ihn für eines seiner anvertrauten Schafe halten!/ Foto: Heribert Stahl (Klub für Ungarische Hirtenhunde e.V.)

Gesundheit

Dank sorgfältiger Zucht gilt der Kuvasz als sehr gesunde und robuste Hunderasse. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zwischen 10 und 14 Jahre – für eine so große Hunderasse phänomenal. Jedoch muss man bei der Beschäftigung achtgeben, denn ein sehr beanspruchter Bewegungsapparat kann bei großen Hunderassen schnell zu Gelenksabnützungen führen. Ideale Nahrung umfasst hochwertiges Hundefutter mit hohem Fleischanteil mit Proteinen aus Muskelfleisch und Innereien. Das Gewicht eines gesunden Kuvasz liegt für Rüden zwischen 48 und 62 Kilogramm und für Hündinnen zwischen 37 und 50 Kilogramm.

Wusstest du, dass der Kuvasz...

… seinen Namen von einem türkischen Polizisten hat?

Höchstwahrscheinlich stammt die Rassebezeichnung Kuvasz von dem türkischen bzw. arabischen Wort “Kawass” ab, ein historischer Begriff für einen Sicherheitsbeamten oder Polizeidiener.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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Aus klein wird groß – der Kuvasz im Zeitraffer (Video)

Jeder Kuvasz war einmal ein kleiner Fellball, aus dem innerhalb eines Jahres jedoch ein etwa 45 kg schwerer, waschechter Riese wird.

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