Jagdersatztraining – Spielen statt jagen

Hund hat Dummy-Spielzeug im Maul

Einige Hunderassen haben einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb – und diese Hunde zu erziehen und artgerecht auszulasten, kann eine echte Herausforderung sein. Ersatzspiele können dabei helfen, den Jagdtrieb dieser Hunde auf friedliche und sinnvolle Weise zu befriedigen. Hundetrainerin Kerstin Biernat-Scherf gibt Tipps zum Jagdersatztraining.

Sehr viele Hunderassen wurden jahrhundertelang als Jagdbegleiter der Menschen eingesetzt und haben mehrere tausend Jahre davor ihre Beute selbst beschafft. Der Urinstinkt des Beutegreifers ist daher in den Genen der meisten Hunde fest verankert – bei manchen Rassen mehr als bei anderen. Auch explizite Jagdhunderassen wie den Magyar Vizsla und den Beagle sieht man heute abseits der Jagdflinte oft als Familienhunde. Und das kann auch sehr gut funktionieren, solange man für eine artgerechte Auslastung sorgt. Ersatzspiele können da gut Abhilfe schaffen: Neben dem kontrollierten Hinterherjagen eines Balls kann auch Nasenarbeit eine ausgezeichnete Beschäftigung für die triebigen Vierbeiner sein.

Falsche Fährte

Um einen Hund mit Jagdtrieb zu beschäftigen, kann man selbst eine „falsche Fährte“ durch den Garten oder anderes Gelände ziehen. Dazu einfach ein stark riechendes Leckerli wie getrocknete Rinderlunge über den Boden ziehen und ans Ende der Fährte legen. Anfangs sollte die Fährte gerade und ohne Unterbrechungen sein, geübte Nasen können auch Schlangenlinien oder kleinen Unterbrechungen folgen. Alternativ kann man auch Leberwurst in Wasser auflösen und mit einer Flasche über die Wiese verteilen. Der besondere Leckerbissen am Ende ist dann die Belohnung für den „Jäger“.

Weißer Hund schnüffelt auf einer Wiese am Boden.
Um den Jagdtrieb zu beschäftigen kann man eine "falsche Fährte" legen. ©Canva

Finderlohn

Man kann der Fellnase auch beibringen, verlorene Gegenstände zu finden. Dazu kann man auf einem Spaziergang in reizarmer Umgebung einen harmlosen Gegenstand wie beifällig fallen lassen, wie eine Taschentuchpackung oder einen Handschuh. Danach dreht man mit dem Hund um, und wenn er mit der Nase darauf stößt, gibt es ein überschwängliches Lob. Hat der Hund das Grundprinzip verstanden, kann man das Spiel auch mit einem konkreten Suchbefehl koppeln. Geübte Schnüffler können das Kommando auch in aufregender Umgebung wie einem Waldstück oder einer Wiese ausführen.

Dummy-Training

Das Training mit einem duftenden Säckchen aus Fell oder Stoff, einem sogenannten „Dummy“ oder Ersatzbeute, ist ebenfalls eine tolle Methode, einen passionierten Jäger abzulenken. Man kann den Dummy neben dem Nasentraining auch dazu nutzen, den Hund abzulenken, wenn dieser tatsächliche Beute wittert. Raschelt es beim Spaziergang im Gebüsch und sieht
der Hund aufmerksam dorthin, wird der Dummy möglichst unbemerkt deponiert. Danach bekommt er den Befehl, den Dummy zu suchen – und das Tier in Ruhe zu lassen. Beim Auffinden der Attrappe gibt es dann auch freudiges Lob.

Schwarz-weiß gemusterter Hund trägt einen roten Dummy einer Wiese herum.
Eine tolle Mehtode einen leidenschaftlichen Jäger abzulenken, ist das Spiel mit einem Dummy. ©Canva

 

Es gibt noch viele weitere Arten, den Jagdtrieb eines Hundes artgerecht auszulasten, doch mit diesen Tricks hat man bereits ein tolles Fundament für einen rundum zufriedenen Vierbeiner geschaffen. Wichtig ist es, die Nasenarbeit in langsamen Schritten schwieriger zu machen und auch eine Stufe zurückzuschalten, wenn der Vierbeiner frustriert wird. Denn allem voran sollen Mensch und Tier gemeinsam Spaß haben!