Dienstag, Dezember 6, 2022
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Designer Dogs: Vorteile und Probleme bei Hybridhunden

Sogenannte Designer Dogs erfreuen sich momentan größter Beliebtheit – und stehen dennoch in scharfer Kritik. Ob es sich bei den Hybridhunden tatsächlich um die „Rassen der Zukunft“ oder einen reinen Marketing-Gag handelt, ist stark umstritten.

Designer Dogs sind der Ergebnis der planvollen Kreuzung von mindestens zwei bereits bestehenden Hunderassen. Lustige Rassebezeichnungen und attraktive Versprechungen in Bezug auf körperliche Eigenschaften und Wesen sorgten dafür, dass die Nachfrage in den letzten Jahren geradezu explodierte. Obwohl der kynologischen Dachverband FCI Hybridrassen nicht als eigenständige Hunderassen anerkennt, werden Designer Dogs zu ähnlich hohen Preisen gehandelt wie Hunde mit Stammbaum. Dies stößt vor allem Züchtern sauer auf, die sich an das strenge Reglement des Rassehundeverbands halten müssen. Erfüllen die Designer-Welpen dann die hohen Erwartungen nicht, ist auch beim Käufer die Enttäuschung vorprogrammiert. „Marketing-Gag“ und „genetisches Roulette“, sagen die einen dazu. „Rassen der Zukunft“ und „seriöse Zucht“ die anderen.

Erfolgsmodell Labradoodle?

Fast alle Hunderassen, die wir heute kennen, gehen auf Kreuzungen und Mischlinge einiger weniger Hunde-Urtypen zurück. Allerdings selektierte man diese über viele Generationen hinweg sorgfältig, bis sich die gewünschten Eigenschaften reliabel im Nachwuchs zeigten. Bei Designer Dogs dagegen handelt es sich meist um Mischlinge erster Generation mit reinrassigen Eltern. Vorhersehbare Ergebnisse oder Versprechungen, was das Wesen, das Aussehen oder die Gesundheit betrifft, sind daher eigentlich nicht möglich. Dennoch arbeiten viele Züchter von Hybridrassen genau damit, das “Beste aus beiden Rassen” zu versprechen.

Bereits seit den 1960er Jahren erfreuten sich  sogenannte Cockapoos (Cocker Spaniel x Pudel) oder Peek-a-Poos (Pekinsese x Pudel) großer Beliebtheit. Dennoch waren Hybridhunde noch eine kuriose Randerscheinung der Hundezucht. Einen globalen Aufschwung erregte erst der sogenannte Labradoodle um 1990. Denn dessen Erfinder, der Australier Wally Conron, versprach sich aus der Kreuzung von Labrador Retriever und Pudel einen Blindenführhund, den auch Hundehaarallergiker nutzen konnten. Der Labradoodle wurde allerdings so beliebt, dass die Nachfrage durch Welpen seriöser Züchter nicht mehr erfüllbar blieb. Und dann traten unerfahrene Hobbyzüchter und Hundevermehrer auf den Plan. Seitdem züchtet man kreuz und quer mit den verschiedensten Hunderassen, leider oft auch ohne Rücksicht auf Kompatibilität oder Gesundheit der Tiere. Conron bereut seine “Erfindung” mittlerweile: “Ich habe die Büchse der Pandora geöffnet und Frankensteins Monster herausgelassen.”

Das Spiel mit den Genen

Auch Dr. Michael Kreiner vom ÖKV betrachtet den Trend kritisch: „Der Verdacht liegt nahe, dass solche Kreuzungen nicht immer nur bewusst vorgenommen werden, sondern eine ungewollte Deckung zum profitablen Geschäft wird.“ Der Experte vermisst auch konkrete Regelungen durch kynologische Vereine. Denn die Züchter von Designer Dogs sind nicht daran gebunden, sich an Vorschriften wie bestimmte medizinische Untersuchungen zu halten. Doch vor allem die angestrebte Vererbung der gewünschten Eigenschaften könne nicht erzwungen werden, so Kreiner: „Es werden immer auch unerwünschte weitergegeben. Es wäre zu einfach, wenn bei der Kreuzung von Rassen die Nachkommen immer nur die Vorzüge in sich vereinen würden.“

Weiters fraglich: Was passiert, wenn ein Wurf nicht den Erwartungen entspricht? „Wahrscheinlich sind dann das Abschieben in Tierheime und Schadensersatzprozesse vorprogrammiert“, so Kreiner. Und tatsächlich zeigen Studien, dass zum Beispiel der Traum von „hypoallergenen“ Hund zu schön ist, um wahr zu sein. Ganz zu schweigen vom Zuchtziel des „perfekten Familienhundes“.

Zwei Goldendoodle-Welpen laufen auf einer Wiese, der rechte hält einen Ball im Maul.
Weil die Hunderasse noch so jung ist, lässt sich das Wesen, das Aussehen und die Gesundheit der Welpen nur schwer einschätzen. Überraschungen können positiv, aber auch negativ sein. / Foto: pixabay.

Designer Dogs als eigenständige Rasse?

Passionierte Verfechter der Hybridhunde haben mittlerweile eigene Zuchtvereine gegründet. Sie arbeiten unablässig an der offiziellen Anerkennung der neuen Rassen durch offizielle und etablierte Organe wie die FCI in Europa. Gegen den Begriff der „Designer Dogs“ wehren sich die meisten Züchter allerdings, auch das Wort „Mischlinge“ hören sie nicht gerne.

Eine von ihnen ist Gabriela Werner aus Niederösterreich, die seit vielen Jahren Australian Labradoodles aus Leidenschaft züchtet. Bei ihren Welpen handelt es sich jedoch nicht bloß um die Nachkommen von Labrador und Pudel. Insgesamt sechs Hunderassen wurden über Generationen eingekreuzt, sie selbst verpaart nur Australian Labradoodles miteinander. „Das Ziel war es, eine Rasse zu schaffen, die den Anforderungen einer urbanen Gesellschaft gerecht wird“, erklärt Werner. „Einen perfekten Familienhund ohne ausgeprägten Jagd-, Schutz- oder Hütetrieb, der nicht genug vom Knuddeln kriegt.“ Manche ihrer Welpen wurden bereits zu Therapie- oder Servicehunden ausgebildet. Das „allergikerfreundliche“ Fell beschreibt die Züchterin als „weiteren Vorteil“. 2.200 Euro bezahlen ihre Welpenkäufer für einen kastrierten, geimpften und entwurmten Hund, der nach den Richtlinien des Verbandes ALAEU (Australian Labradoodle Association Of Europe) gezüchtet wurde. „Ich finde wichtig, dass eine vernetzte Kontrolle von Gesundheit, Abstammung und Standards stattfindet“, betont Gabriela Werner.

Designer Dogs im Trend

Fest steht: Labradoodle und Co. sind im Trend, die Nachfrage steigt weiter. Wer daher einen Designer Dog halten will, sollte vor dem Kauf sorgfältig recherchieren und die Anbieter genauestens unter die Lupe nehmen. Seriöse Züchter freuen sich über Interesse an ihrer Rasse und sind gerne bereit, Fragen über Gesundheit, Wesen und Haltung zu beantworten. (Hilfreich dafür ist die in Zusammenarbeit mit dem ÖKV erstellte Checkliste für seriöse Hundezüchter.) Auch bei Hybridhunden gilt: Finger weg von Schnäppchenkäufen aus dem Internet!

Insgesamt gibt es mehr als 400 verschiedene Designer Dogs. Neben den besonders populären „allergikerfreundlichen“ Goldendoogles (Golden Retriever x Pudel) und Labradoodles wird auch der Puggle (Mops x Beagle) immer beliebter. Durch die Einkreuzung des Beagles wollte man vor allem den gesundheitlichen Problemen der Rasse Mops entgegenwirken. Kritiker warnen jedoch vor dem Risiko, einen Hund mit dem Körper vom Mops und dem Jagdtrieb des Beagles zu erhalten. Andere Designer Dogs sind etwa der Ausky (Australian Cattle Dog x Sibirischer Husky), der Shihpoo (Pudel x Shi Tzu), der Papshund (Dackel x Papillon) und der Rottermann (Rottweiler x Dobermann).

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