Studie beweist, dass Pferde und Hunde sich im Spiel verstehen

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Pferde und Hunde verstehen einander besser, als bisher angenommen wurde. / Symbolfoto: Pixabay.

Eine wissenschaftliche Studie der Universität Pisa fand heraus, dass sich Pferde und Hunde beim gemeinsamen Spiel ausgezeichnet verstehen und dieselben Strategien anwenden.

Pferde und Hunde könnten unterschiedlicher nicht sein – außer vier Beinen haben die beiden Tiere wenig gemeinsam. Pferde sind Herdentiere, Pflanzenfresser, immer auf der Hut vor Angreifern und schreckhaft mit ausgeprägtem Fluchttrieb; Hunde hingegen sind Rudeltiere, Fleischfresser (noch heute steht Pferd auf so manchem hündischen Speiseplan) und territorial veranlagt. WissenschaftlerInnen der Fakultät für Biologie der Universität Pisa, Italien, haben nun das Spielverhalten dieser beiden unterschiedlichen Tiere untersucht und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Die beiden verstehen einander besser, als man aufgrund ihrer Verschiedenheit annehmen durfte.

Youtube-Video als Ausgangspunkt

Im Zuge der Studie von Veronica Maglieri, Filippo Bigozzi, Marco Riccobono und Elisabetta Palagi wurden 20 Youtube-Videos analysiert, die Pferde und Hunde beim gemeinsamen Spiel zeigen; Ausgangspunkt für die Studie war ein besonders anschauliches Beispiel für harmonische Kommunikation zwischen Huftier und Fellnase (siehe Video unten), das das Interesse der WissenschaftlerInnnen für diese Thematik erregte.

Freundschaften zwischen zwei unterschiedlichen Spezies sind deswegen so selten und so kostbar, weil unterschiedliche Tierarten aufgrund ihrer Anatomie und ihres Sozialverhaltens andere Körpersprachen benutzen und einander nicht immer verstehen – Missverständnisse sind leider vorprogrammiert. Pferde und Hunde könnnen jedoch nicht nur miteinander spielen und diese Absicht auch für den jeweils anderen verständlich kommunizieren, sondern auch die Gesichtsausdrücke der anderen Spezies korrekt deuten und auch nachahmen: Sie zeigen öfter ein entspanntes, offenes Maul und ahmen die Mimik des anderen nach, um die positive Stimmung zu teilen. „Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie Tiere sich gegenseitig verfolgen, herumrollen und sich sogar beißen, ohne jemals Zweifel an der spielerischen Absicht ihrer Handlungen zu zeigen“, sagte Maglieri im ProPferd-Interview. „Das alles zeigt die kognitive Komplexität dieser Tiere.“

Hund und Pferd passen sich einander an

Ein wichtiger Bestandteil des Spiels vieler Lebewesen ist die Strategie der „Selbstbehinderung“: Spielpartner erlegen sich selbst ein Handicap auf, um einen etwaigen Nachteil eines Spielpartners auszugleichen, ganz ähnlich einem Profitennisspieler, der im Match mit einem Anfänger nicht seine dominante Hand nutzt. Pferde machen sich beim Spiel mit Hunden durch Ducken oder Hinlegen kleiner, während Hunde weniger ihre Zähne und Krallen einsetzen. Beide Arten rollen sich beim Spiel auf den Rücken, um sich verletzlich zu zeigen und damit ihre Spielabsicht zu kommunizieren: „Sieh her, ich will dir nichts tun – und ich vertraue dir so sehr, dass ich dir sogar Gelegeneheit dafür gebe, mich anzugreifen.“ Die Selbstbehinderung zeigt nicht nur, dass Hunde und Pferde miteinander spielen wollen, sondern deuten auch darauf hin, dass sie die Unterschiede zwischen sich verstehen und Gegenstrategien entwickeln, um das Spielfeld fairer zu gestalten.

„Diese Arbeit hat uns von Anfang an fasziniert“, sagte Maglieri zu ProPferd. „Wir glauben nicht, dass das Spielverhalten zwischen so unterschiedlichen Individuen auf so natürliche und entspannte Weise stattfinden kann, ohne dass zwischen ihnen großes Vertrauen besteht. Wenn Menschen das Glück haben, in ihrem Umfeld auf dieses Verhalten zu stoßen, hoffen wir, dass sie es mit einem neuen Bewusstsein betrachten und genießen können, was hinter einem vermeintlich so ‚einfachen‘ Verhalten, wie es das Spiel ist, steckt – denn dahinter verbirgt sich eine ganze Welt.“

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