Mein Hund hört nicht!

Wenn das Mensch-Hund-Verhältnis harmonisch ist, ist Abrufbarkeit oder In-der-Nähe-Bleiben kein Thema mehr. Foto: © Kerstin Biernat-Scherf
Wenn das Mensch-Hund-Verhältnis harmonisch ist, ist Abrufbarkeit oder In-der-Nähe-Bleiben kein Thema mehr. Foto: © Kerstin Biernat-Scherf

An der Leine ist er brav, aber ohne schaltet er auf Durchzug. Er ist eigentlich folgsam, aber wenn er Artgenossen sieht, ist er auf und davon. Freilauf geht nicht, weil er alles frisst und sich nicht mehr anhängen lässt. So oder ähnlich lauten die Schilderungen der leidgeplagten Hundemenschen, die zu mir ins Hundetraining kommen – das gleichzeitig auch Menschentraining ist.

Hunde sind schlau. Sie wissen ganz genau, wann sie an der Leine, und damit kontrollierbar, sind. Viele folgen aber alleine schon aus dem Grund nicht, weil es nicht nötig ist. Denn Frauli oder Herrli rufen eh mindestens drei Mal oder – schlimmer noch – kommunizieren gar nicht und ziehen nur an der Leine. Der erste Schritt liegt also in der Kommunikation begründet. Der Hund lernt: Bin ich gemeint, ist das gut!

Schritt eins: den Namen positiv besetzen

Blacky, Bella und Co lernen in einem ersten Schritt, dass ihr Name etwas Cooles ist. Wenn sie ihn hören und darauf reagieren, gibt es Lob, Streicheleinheiten, Leckerlis oder Spielzeug. Die Übungssituation gestaltet sich so: Der Hund ist an der Leine. Ist er abgelenkt, wartet sein Mensch auf einen günstigeren Moment. Der Name des Hundes ertönt freundlich und nur ein Mal. Reagiert er, gibt es eine Belohnung. Diese Übung wird in reizarmer Umgebung, am besten indoor, aufgebaut und gefestigt. Der Hund lernt: „Ich bin gut, meinen Namen zu hören, ist etwas Positives.“ Das stärkt die Bindung zum Besitzer enorm!

Schritt zwei: Üben unter Ablenkung

Sitzt die Übung drinnen perfekt, ist eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sie auch draußen klappt. Eine schrittweise Steigerung der Reize ist unumgänglich. Kein junger Hund, der auf der Hundewiese seine besten Freunde toben sieht, kann sich ohne Übungserfolge plötzlich auf perfekte Abrufbarkeit besinnen. In der Geduld und in gewissenhafter Steigerung liegt der Erfolg begründet!

Schritt drei: Gespür entwickeln

Beim Training gilt: Nur rufen, wenn eine Chance auf Folgsamkeit gegeben ist. Sonst lernt der Hund: Die rufen mich, aber ich muss eh nicht hören. Besser weniger oft rufen und dadurch für Folgsamkeit belohnen können! Ganz wichtig: Keinen Freilauf riskieren, wenn nicht höchstgradige Wahrscheinlichkeit für Folgsamkeit gegeben ist. Eine Schleppleine ist für diese Übungszwecke perfekt geeignet. Das Handling erkläre ich gerne – einfach mit mir Kontakt aufnehmen unter www.BagheerasWelt.at

Wichtig: Der Hund ist nicht trotzig!

Vielfach interpretieren Menschen in ihre Hunde eine Trotzreaktion hinein, etwa: Er kommt jetzt nicht, weil er nicht pünktlich sein Frühstück bekommen hat. Aber Achtung: Das ist menschliche Überinterpretation! Mag sein, dass der Hund nicht kommt, weil er noch bleiben will. Aber er kommt auch deshalb nicht, weil das Herankommen nicht reizvoll genug ist. Mensch, verändere das! Ach wenn der eigene Hund sich beim Gerufenwerden nur langsam annähert, noch mal ausführlich schnüffelt oder den Blick abwendet, hat das oft mit Beschwichtigungssignalen zu tun. Das ist kein Trotz! Vielmehr merkt der Vierbeiner ganz genau, dass sein Mensch ungehalten wird. Wer an dieser Stelle seinen forschen Tonfall zügelt und sich um Freundlichkeit bemüht, wird bessere Abrufbarkeit erzielen!

Ich freue mich darauf, Ihnen durch gezieltes Training zu einer besseren Hund-Mensch-Beziehung und damit zu einer besseren Abrufbarkeit zu verhelfen!

Mag. Kerstin Biernat-Scherf,
zertifiziert als International Dog Trainerin
www.BagheerasWelt.at