Hundezucht, Zuchtverband, FCI – ihre Aufgaben und Ziele

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Um die Hundezucht zu regeln, werden von der FCI Standards erlassen und vom jeweiligen Zuchtverband kontrolliert. / Foto: Unsplash

Selbst für viele Menschen, die einen Hund vom Züchter geholt haben, ist die komplexe Welt der Hundezucht ein Buch mit sieben Siegeln: Was genau ist ein Rassestandard? Wer gilt überhaupt als seriöser Züchter? Wer führt Aufsicht? Und wer ist die FCI und was genau macht die eigentlich?

Alles rund um die Geburt und Aufzucht von kleinen, süßen Hundewelpen mag auf den ersten Blick einfach erscheinen – ein Männchen und ein Weibchen werden zusammengebracht, ein paar Monate darauf gibt es Nachwuchs, der ab einem gewissen Lebensalter an euphorische neue Hundebesitzer weitergegeben wird. Tatsächlich ist die Sache ungemein komplexer: Nicht jedes Tier ist zur Hundezucht zugelassen, und um als gesunder Nachwuchs einer bestimmten Hunderasse zu gelten, müssen strenge Richtlinien befolgt werden. Dies erfordert natürlich Aufsicht, doch wer führt diese? Auf diese Fragen soll nun Antwort gegeben werden.

Rassestandards – Pudel ist nicht gleich Pudel

Seit der Domestizierung des Wolfes in grauer Vorzeit hat sich der Mensch natürliche und selektive Auslese zunutze gemacht, um sich im Laufe der Jahrhunderte den perfekten vierbeinigen Gefährten heranzuzüchten – doch was als perfekt gilt, ist von Mensch zu Mensch und auch von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden. Darum haben sich weltweit die unterschiedlichsten Hunderassen entwickelt: Immer wieder sind neue Rassen durch Kreuzungen entstanden, alte Rassen sind obsolet geworden und ausgestorben oder werden noch heute sorgfältig weitergezüchtet. Besonders in der Neuzeit ist auch die körperliche Gesundheit der Hunde und die Förderung dergleichen durch selektive Hundezucht ein wichtiges Thema geworden.

Erfahren Sie mehr über den Lebensweg junger Welpen von der Geburt bis zum neuen Besitzer!

Streitigkeiten darum, über welche Merkmale ein Hund verfügen muss, um beispielsweise als Pudel zu gelten, wurden für viele Rassen seit Anbeginn der Hundezucht hitzig geführt, und hatten nicht nur die Spaltungen von Meinungen, sondern auch von Zuchtvereinen zur Folge – bis 1911 die Fédération Cynologique Internationale (FCI, zu deutsch „internationale kynologische Föderation“) gegründet und internationale Rassestandards angefertigt wurden. Rassestandards sind kynologische Idealbeschreibungen, also Auflistungen von Merkmalen wie körperliche oder geistige Eigenschaften, die eine bestimmte Hunderasse ausmachen – sie definieren, ab wann ein Hund zum Beispiel als Pudel gilt und auch, welche Merkmale bei Pudeln nicht gewünscht sind. Soll ein Welpe also als reinrassiger Pudel gelten, müssen sowohl Vater als auch Mutter als auch das Jungtier diesen Merkmalen gerecht werden.

Will nun beispielsweise der Besitzer eines Pudels diesen zur Zucht von Pudelnachwuchs anbieten, muss erst eine Zuchttauglichkeitsprüfung abgelegt werden. Diese Prüfungen und deren Auflagen sind in den Statuten der jeweiligen Zuchtverbände frei einsehbar festgelegt und müssen gewährleisten, dass die Zuchtziele der einzelnen Rassen, die im FCI-Rassestandard fixiert sind, erreicht werden können. Zuchtverbände können auch eigene Kriterien zur Zuchtzulassung anwenden oder Rassestandards modifizieren. Einzeltiere müssen diese Prüfung bestehen, um offiziell zur Zucht zugelassen zu werden; dabei wird die Gesundheit, das äußere Erscheinungsbild und das Verhalten des Hundes begutachtet, für einzelne Erbanlagen können DNA-Tests zu Rate gezogen werden. Diese Prüfungen sind von Rasse zu Rasse unterschiedlich, da zum Beispiel Schäferhunde anderes Verhalten zeigen sollen als Jagdhunde oder gar Familienhunde – sie werden je nach Gebrauch an unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Der ÖKV verlangt für alle Zuchthunde eine positive Ausstellungsbeurteilung, wobei nur ÖKV- bzw. FCI-Ausstellungen anerkannt werden. In Deutschland stehen Hundeausstellungen in keinem Zusammenhang mit der Zuchtzulassung.

Rassekonforme und gesunde Hunde, die diese Prüfung bestehen, werden in die Zuchtlisten aufgenommen, die all jene Tiere listet, die zur Zucht einer bestimmten Rasse zugelassen sind und in Zuchtvereinen vorliegt. Alle Hunde, die aufgrund von ausschließenden Merkmalen (z.B. Farbfehlern, also nicht anerkannte Fellfarben) oder Nichtbefolgen der Zuchtregeln keine Ahnentafel haben, werden als Mischlinge bezeichnet. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Hunde „fehlerhaft“ sind! Die meist kerngesunden Hunde entsprechen lediglich nicht dem strengen Rassestandard des Zuchtverbandes.

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Damit Hundewelpen unter besten Bedingungen aufwachsen können, ist eine ganze Kette von Organisationen notwendig. / Symbolfoto: pixabay.

Die Organisationen rund um die Hundezucht

  • FCI
    Die Fédération Cynologique Internationale ist der größte kynologische Dachverband weltweit. Ziel und Aufgabe der FCI ist es, die Zucht und Verwendung von Rassehunden sowie die Kynologie als Wissenschaft und das Wohlergehen der Hunde zu fördern. Sie verfassen Rassestandards zu allen anerkannten Hunderassen. Es herrscht außerdem ein Kooperationsabkommen mit dem britischen, amerikanischen und kanadischen Kennel Club, die ihre Rassestandards gegenseitig anerkennen.
  • Dachorganisationen
    Jeder Mitgliedsstaat des FCI wird durch je einen nationalen Dachverband vertreten; in Deutschland übernimmt diese Aufgabe der föderalistisch organisierte VDH (Verband für das deutsche Hundewesen), in Österreich ist dies der ÖKV (Österreichischer Knyologenverband), in der Schweiz ist dafür die SKG (Schweizer Kynologische Gesellschaft) zuständig. Diese erstellen auf nationaler Ebene Zuchtbücher und Ahnentafeln sowie Zuchtrichtlinien, organisieren (inter)nationale Hundeausstellungen und Arbeitsprüfungen und bilden Richter und Zuchtwarte aus. Die Dachverbände fördern Forschung und wissenschaftliche Projekte rund um den Hund, bieten regelmäßig Weiterbildungen an und erleichtern die Kommunikation zwischen den Zuchtverbänden.
  • Zuchtverbände
    Innerhalb eines Landes gibt es verschiedene Zuchtverbände, die sich auf die Verbreitung, Zucht, Ausbildung und Aufzucht einer oder mehrerer Hunderassen spezialisiert haben und die meist einem nationalen Dachverband (wie zum Beispiel dem VDH, ÖKV oder SKG) angeschlossen sind. Sie betreuen und bilden Besitzer und Züchter jener Rassen aus und tragen dafür Sorge, dass die Welpen in bester Umgebung und unter besten Umständen aufwachsen. Sie listen zur Zucht zugelassene Rüden und Hündinnen auf, erstellen Richtlinien zur Zuchtzulassung und prüfen diese an den einzelnen Hunden, melden Würfe und vermitteln Interessierte an jene Züchter weiter, deren Arbeit den Standards der Dachverbände entsprechen. Zur (angekündigten und unangekündigten) Kontrolle und Betreuung der einzelnen Züchter werden Zuchtwarte ernannt und abgestellt.
  • Züchter & Hundehalter
    Die einzelnen Züchter selbst gewinnen durch ihre Mitgliedschaft in einem Zuchtverband nicht nur Seriösität und die Gewissheit der Kundschaft, dass die Zucht der Hunderasse unter strengen Bedingungen und Aufsicht erfolgt ist. Sie teilen Wissen und Erfahrungswerte mit anderen Züchtern und können sich gemeinsam speziellen Herausforderungen ihrer Hunderasse(n) stellen. Sie halten die Tiere und kümmern sich um den Nachwuchs, bis die Welpen alt genug sind, um an neue Besitezr weitervermittelt zu werden – dann sorgen sie dafür, dass die Welpen ein passendes neues Zuhause erhalten.

Kritik an Zuchtverbänden

Leider war die gesundheitliche Optimierung nicht seit jeher oberste Priorität von Hundezüchtern und auch Zuchtverbänden; obskure Rassestandards, Hundeshows und Ausstellungen hoben die Messlatte für vierbeinige Vertreter einer Rasse manchmal leider bis ins Irrationale. Um den Rassestandards zu entsprechen und ein gewisses Erscheinungsbild möglichst wahrscheinlich auch im nächsten Wurf zu erhalten, war es daher früher in vielen Ländern gängige Praxis, auf Inzucht, die Tötung nichtkonformer Welpen oder eine Vernachlässigung der Gesundheit des Hundes zugunsten bestimmter Körperproportionen zurückzugreifen. Auch Tests auf Erbkrankheiten waren keineswegs die Regel. Heute spricht man von solchen Praktiken und deren gesundheitsschädlichen Ergebnissen als Qualzucht.

Mittlerweile bemühen sich jedoch sowohl Dach- und Zuchtverbände als auch die Züchter selbst, darauf zu achten, dass Rassestandards das körperliche Wohlbefinden des Hundes fördern und Hunde mit gesundheitsschädlichen Merkmalen von der Zucht ausgeschlossen werden. „Wir haben ein vitales Interesse daran, diese Hunderassen zu erhalten, und das wird uns nur gelingen, wenn wir Kriterien finden, mittels denen wir sicherstellen können, dass einerseits nur gesunde Hunde in die Zucht gelangen, und andererseits indem wir lernen, die Mechanismen, die hinter diesen gesundheitlichen Problemen stehen, besser zu erklären“, sagt Udo Kopernik, Pressesprecher des VDH. Konter-Qualzucht ist auch ein wichtiges Anliegen des ÖKV, der eine Verbesserung der Situation in der Kooperation von Züchtern mit der Veterinärmedizin und den Vorgaben des ÖKV, aber auch in der Normalisierung der Kundennachfrage sieht: „Wir Menschen müssen darauf achten, dass unser Eingreifen nicht entgleitet“, sagt ÖKV-Presseprecherin Katja Wolf. Es gäbe natürliche Grenzen einer Spezies nach unten und nach oben, und es sollten keine Bemühungen stattfinden, diese mit Mini-Chihuahuas oder übermäßig massigen Mastiffs auf Kosten der Gesundheit auszureizen. „Die Menschheit strebt nach Extremen – Hundezucht hat daher mit einem Höchstmaß an Vorsicht und Umsicht zu geschehen.“ Züchter und Zuchtverbände sollen und wollen heutzutage gewährleisten, dass der Tierschutz schon vor der Geburt der Welpen beginnt, damit diese ein langes und gesundheitlich uneingeschränktes Leben führen können.