Dienstag, Dezember 6, 2022
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Dobermann (Hunderasse) – unerschrocken und wachsam

Selbstsicher, unerschrocken und wachsam – der Dobermann ist ein treuer Begleiter und Beschützer. Schon Dobermann-Welpen brauchen eine sachkundige Führung und vor allem Menschen, die seinen sensiblen Charakter schätzen können.

Der Dobermann ist ein vielseitiger Allrounder, wird aber in erster Linie als Wachhund und Gebrauchshund eingesetzt. Als Familienhund ist die Rasse kinderlieb und anhänglich – man sollte aber bedenken, dass diese Rasse ein ausgeprägtes Jagdverhalten mitbringt.

Dobermann (Hunderasse) – Klassifizierung FCI

FCI-Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde
Sektion 1: Pinscher und Schnauzer
mit Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Deutschland
FCI-Standardnummer: 143

Widerristhöhe:
Rüden – 68 bis 72 cm
Hündinnen – 63 bis 68 cm
Gewicht:
Rüden – 40 bis 45 kg
Hündinnen – 32 bis 35 kg
Verwendung: Begleithund, Schutzhund und Gebrauchshund

Geschichte und Herkunft

Der Dobermann gilt als relativ junge Hunderasse und entstand wahrscheinlich im 19. Jahrhundert um die mittelthüringische Kreisstadt Apolda. Die Geschichte des Dobermanns ist eng mit einem speziellen Mann verknüpft: Als Urvater und erster Züchter dieser Hunde gilt Friedrich Louis Dobermann, welcher der Überlieferung nach Steuereintreiber und städtischer Hundefänger war. Als solcher hatte er das Recht, freilaufende Hunde einzufangen und nach Gutdünken mit ihnen zu verfahren. Zum Schutz seines Hauses verpaarte er die aufmerksamsten und schärfsten Hunde miteinander und kreuzte im Zuge dessen mehrere alte deutsche Hunderasse miteinander. Die schlanke Figur deutet zudem daraufhin, dass sich auch Windhunde wie der Greyhound unter seinen Ahnen befinden. Besonders maßgeblich für die Entstehung des Dobermanns waren sogenannte “Fleischerhunde”, Mischlinge aus Deutschen Schäferhunden und Pinschern. Diese gelten auch als Vorläufer der Rottweiler, welche über eine ähnlich schwarz-rostbraune Fellzeichnung verfügen. Seine Lieblingshündin war ein mausgraues Exemplar namens “Schnuppe”.

Dobermanns Hunde zeichneten sich durch einen ausgeprägten Wach-, Schutz- und Jagdtrieb aus. Deswegen verwendete man sie sehr gerne und erfolgreich als Hüter von Haus und Hof, zudem wurden sie als Jagdhunde auf Raubwild und als Hüte- und Polizeihunde eingesetzt. Diese Tätigkeit brachte ihnen den Beinamen “Gendarmenhund” ein. 1955 erkannte die FCI den Dobermann als eigenständige Rasse an. 2015 erfolgte außerdem ein wichtiges Update des Rassestandards, der das Kupieren von Ohren und Schwanz zu kosmetischen Zwecken strengstens untersagt.

Ein Dobermann jagt einem Ball hinterher.
Als Allround-Athlet braucht der Dobermann viel Bewegung und auch geistige Stimulation. / Foto: Canva.

Gesetzeslage

In manchen Bundesländern Deutschlands und Kantonen der Schweiz gilt der Dobermann als umgangssprachlich sogenannter Listenhund. Das bedeutet, dass die Gesetzgeber von einer “potentiellen Gefährlichkeit” einer Hunderasse ausgeht. Je nach Stadt gelten daher für den Verkauf und die Haltung dieser Rasse andere Regelungen. In besonders strengen Regelungen ist die Haltung vollkommen verboten, anderorts muss der Hund der Gemeinde gemeldet werden. Bitte erkundigen Sie sich vor (!) dem Erwerb eines Dobermanns rechtzeitig, welche bürokratischen Schritte Sie berücksichtigen müssen.

Viele Kritiker sind gegen die Existenz solcher Rasselisten, da Aggressivität von mehreren (oft menschlichen) Faktoren abhängt und die Rassezugehörigkeit selbst immer wieder als potentieller Faktor angezweifelt wird. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schaffen immer mehr Bundesländer und Kantone im deutschsprachigen Raum aufrgund von wissenschaftlichen Erkenntnissen Listen mit potentiell gefährlichen Hunderassen ab oder verkürzen diese – der Trend, stattdessen das Verantwortungsbewusstsein der HalterInnen auszubilden und zu kontrollieren, ist positiv zu betrachten.

Kupierverbot beim Dobermann

Zudem ist das Kupieren von Ohren und Schwanz zu kosmetischen Zwecken sowohl in Deutschland, Österreich und der Schweiz per Tierschutzgesetz untersagt: “Heute ist das Amputieren von Körperteilen nach § 6 Abs. 1 Satz 1 des Tierschutzgesetzes in Deutschland verboten”, heißt es von Seiten des Deutschen Tierschutzbundes. “Mit Inkrafttreten der Tierschutz-Hundeverordnung am 1. September 2001 ist es zudem verboten, Hunde, deren Ohren oder Rute zum Erreichen bestimmter Rassemerkmale vollständig oder teilweise amputiert wurden, auszustellen oder Ausstellungen mit solchen Tieren zu veranstalten.” Seit 2012 ist auch der Import, der Erwerb, die Vermittlung und die Weitergabe von kupierten Hunden, die nach dem 1. Jänner 2008 geboren wurden, verboten.

Seitdem hat sich das Bild der Rasse stark gewandelt: Wo früher Stehohren und Stummelschwanz herrschten, fliegen heute lustige Schlappohren und wedeln fröhlich lange Ruten. Ohren und Rute sind nicht nur für die Sinneswahrnehmung und Balance der Hunde wichtig, sondern auch zur Kommunikation mit Artgenossen.

Links ist ein Dobermann mit verbundenen Ohren zu sehen, rechts ein Dobermann mit Schlappohren.
Die Stehohren des Dobermann sind keineswegs natürlich, sondern erfordern einen operativen Eingriff (l.). Eigentlich verfügt der Dobermann über Schlappohren (r.). / Fotos: Canva.

Wesen und Charakter

Der Dobermann gilt als ausgesprochen wachsam, mutig und entschlossen. Als Wachhund verfügt er über ein ruhiges Temperament und eine mittlere Reizschwelle sowie auch eine mittlere Schärfe, die man als Halter bedenken muss. Bei liebevoller und konsequenter Erziehung zum Familienhund zeigt sich der Dobermann jedoch von seiner sensiblen Seite, ist freundlich, friedlich und sogar anschmiegsam. Er gehorcht seinen Menschen gerne und liebt die Nähe zu seiner Familie, Fremden gegenüber ist er jedoch sehr misstrauisch. Daher ist der Dobermann definitiv kein Hund für Anfänger, da man die perfekte Mischung aus Geduld, Feinfühligkeit und Stabilität als Hundeführer mitbringen muss.

Zudem ist der Dobermann als Gebrauchshunderasse ein sehr aktiver Hund mit großem Bewegungsdrang. Bei dementsprechender Auslastung kann er auch in der Stadt gehalten werden, perfekt wäre aber ein gut eingezäuntes, großes Grundstück zum Toben und Bewachen. Auch an Hundesport hat diese Hunderasse viel Spaß.

Vier Dobermann-Welpen sitzen nebeneinander.
Wird der Dobermann von Welpenpfoten an liebevoll und konsequent erzogen, wird er zu einem freundlichen, aufgeweckten Familienhund. / Foto: Canva.

Erscheinungsbild

Der Dobermann zeichnet sich durch einen schlanken, muskulösen Körperbau mit eleganter Linienführung aus. Mit einem Stockmaß von über 60 Zentimetern gehört er zu den mittelgroßen Hunderassen. In dem keilförmigen Kopf sitzen zwei ovale, dunkle Augen, die Farbe der Lefzen und des Nasenschwamms passt sich an die Fellfarbe an. Seit dem Kupierverbot sind erfreulicherweise wieder mehr und mehr Hunde mit naturbelassenen Schlappohren und langen, dünnen Ruten zu sehen. Die langen Läufe erlauben dem Dobermann einen elastischen, wendigen Gang.

Fell & Pflege

Der Körper des Dobermanns wird von kurzem, harten Haar dicht bedeckt. Seit 2016 wird diese Hunderasse nur mehr in braun oder schwarz mit rostrotem Brand gezüchtet. Davor waren auch immer wieder Dobermänner mit blauem Fell zu sehen – diese Farbe ist eine Aufhellung des schwarzen Fells, die durch das Dilution-Gen hervorgerufen wird. Eine solche Aufhellung führt in den meisten Fällen zum sogenannten “Blue Dobermann-Syndrom“. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die zu Haarverlust und trockener und rissiger Haut führt. Deshalb fällt in Deutschland die Zucht dieser Fellfarbe unter das Qualzuchtverbot.

Die Pflege des Dobermanns gestaltet sich sehr simpel. Da er über keine Unterwolle verfügt, verliert er nicht viel Haar und kommt gut damit aus, einmal pro Woche mit einer weichen Bürste gebürstet zu werden. Aufgrund seiner Schlappohren muss jedoch der Ohrkanal regelmäßig gesäubert werden, um Entzündungen vorzubeugen.

dobermann in braun steht auf einer wiese, im hintergrund ist herbstlich gefärbtes laub
Der Dobermann braun kommt seltener vor als in schwarz. / Foto: pixabay

Gesundheit

Ein Dobermann von seriösen Züchtern erfreut sich guter Gesundheit und einer robusten Konstitution. Sie können zwischen 10 und 13 Jahre alt werden. Dennoch gibt es einige rassetypische und erblich bedingte Krankheiten bei dieser Hunderasse, die besonders bei Hunden aus fragwürdigen Quellen auftreten können.

Zum Einen können Dobermänner an Dilatative Kardiomyopathie (DCM) erkranken. Dabei handelt es sich um eine unheilbare Herzschwäche, die zu einer Vergrößerung des Herzens und in weiterer Folge zu plötzlichem Herztod führt. Dobermänner leiden überdurchschnittlich oft und an einer besonders aggressiven Form von DCM, weswegen sie auch oft Dobermann-Kardiomyopathie genannt wird. Zudem besteht beim Dobermann eine Veranlagung für das Wobbler-Syndrom (bei dem schwere Schädigungen des Rückenmarks in der Halswirbelsäule festzustellen sind) für das Kongenitale Vestibularsyndrom (eine Erbkrankheit des Innenohrs mit Gleichgewichtsstörungen) und Taubheit.

dobermann mit der fellfarbe blau liegt auf dem gras und hechelt
Ein Dobermann mit aufgehellter "blauer" Fellfarbe - aufgrund von Gesundheitsrisiken heute nur mehr ein seltener Anblick. /Foto: Taryn916 (CC BY-SA 3.0)

Anschaffung des Dobermann

Beim Kauf eines Dobermann-Welpen gibt es mehrere Dinge zu berücksichtigen. “Wenn man überlegt, sich einen Dobermann anzuschaffen, sollte man unbedingt zu erfahrenen Trainern und kontrollierten Züchtern gehen. Grundlegend gilt für Ersthundebesitzer, dass sie auf alle Fälle (!) eine Hilfestellung benötigen, da der Dobermann ein schneller, cleverer Hund ist, der schon auch die Führung übernehmen möchte”, erklärt Frau Eberstaller vom Österreichischen Dobermannklub.

ein pinscher sitzt auf dem rücken des viel größeren dobermanns, beide sehen in die ferne
(Dobermann-)Pinscher im Vergleich zum Dobermann. / Foto: Österreichischer Dobermannklub

Wusstest du, dass der Dobermann...

… auch für eine Karriere in Hollywood geeignet ist?

Aufgrund ihrer Intelligenz und Gelehrsamkeit lassen sich Dobermänner gut für Filmrollen trainieren. Diesen Fakt hat auch der Spielfilm The Doberman Gang von 1972 zum Thema. Darin bringt ein Hundetrainer seinen sechs Dobermännern bei, Banken auszurauben, und gibt ihnen die Namen berühmter Bankräuber. Trotz der fragwürdigen Handlung war der Film sehr beliebt und erhielt sogar drei Fortsetzungen. Wau!

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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Drollige Dobermann-Welpen (Video)

Wie sehen Dobermann-Welpen aus? Das folgende Video zeigt im Zeitraffer die Entwicklung der Hundebabys von der Geburt bis zur achten Woche.

Weitere Hunderassen

Du kannst von Hunden nicht genug bekommen? Wir auch nicht! In unseren Rasseporträts erfährst du alles über die Merkmale, Geschichte und Besonderheiten verschiedener Hunderassen!

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