Hundeausstellungen: Ein altes Phänomen in neuen Zeiten

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Auf der Ausstellung zeigen sich die Hunde von ihrer besten Seite. / Symbolfoto: pixabay.

Jeder kennt den Anblick von perfekt geschniegelten und gestriegelten Hunden auf dem Richtertisch – Hundeausstellungen sind bereits seit vielen Jahrzehnten Teil des Hundewesens.

Warum es Hundeausstellungen gibt, was genau dort passiert und inwiefern diese mit der Hundezucht und dem Hundewesen zusammenhängen, erfahren sie hier.

Was ist eine Hundeausstellung?

Eine (Rasse)Hundeausstellung ist eine Veranstaltung zur Beurteilung von Einzeltieren einer Rasse mit dem Ziel, jene Tiere auszuzeichnen, die dem Rassestandards besonders gut entsprechen. Sie werden in großen Teilen Europas durch den FCI reglementiert und von den Dachverbänden (VDH, ÖKV, SKG) bzw. Zuchtverbänden auf nationaler und internationaler Ebene organisiert, die auch die RichterInnen für die jeweilige Hunderasse ausbilden und stellen. Da jede Hunderasse einen anderen Rassestandard hat, gelten natürlich auch für jede Rasse andere Beurteilungskriterien, die am Ende der Beurteilung einen sogenannten Formwert bilden. Dieser Formwert legt fest, wie sehr ein einzelnes Tier dem Idealbild einer Rasse entspricht. „Der Formwert sagt aber nichts über den Hund an sich aus“, betont ÖKV-Pressesprecherin und selbst Richterin Katja Wolf. „Jeder Hund hat Spaß am Leben. Der Formwert bedeutet streng genommen nur, dass es für die Zucht eine bestimmte Linie gibt, die man fortführen möchte, und wie nahe der Hund dieser Linie kommt.“

Je nach Geschlecht und Rassenzugehörigkeit des Hundes gibt es verschiedene Klassen, an dem das Tier teilnehmen kann; mögliche Noten rangieren von der Bestnote „Vorzüglich“ über „Sehr gut“, „Gut“, „Genügend“ bis zu „Disqualifiziert“ (wenn Hunde ausschließende Merkmale wie eine stark abweichende äußere Erscheinung oder Wesensmerkamle wie übermäßige Aggressivität an den Tag legen) oder „Ohne Bewertung“ (wenn Hunde aufgrund von Verhalten oder anderen Begebenheiten nicht gerichtet werden können). Anzahl und Bezeichnungen der Klassen variieren von Land zu Land und von Rasse zu Rasse.

Nach diesem ersten Richtprozess treten die Sieger der einzelnen Klassen gegeneinander an, um den Titel BOB (eng. „Best of Breed“, also „Rassenbester“) bzw. BOS (eng. „Best of Opposite Sex“, also „Bester des anderen Geschlechts“) für sich zu beanspruchen. Außerdem können die Richter dem Sieger ein CAC (franz. „Certificat d’Aptitude au Championnat“, zu dt. etwa „Zertifikat zur Anwartschaft auf den Championstitel“) verleihen, auf internationaler Ebene kann der Sieger auch das CACIB (franz. „Certificat d’Aptitude au Championnat International de Beauté“, zu dt. etwa „Zertifikat zur Antwartschaft auf den internationalen Schönheitschampiontitel“) erworben werden.

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Nur der spaneligste Spaniel darf mit der Siegertrophäe nach Hause gehen! / Symbolfoto: pixabay.

Was haben Hundeausstellungen mit Zucht zu tun?

Um für die Zucht zugelassen zu werden, müssen Rassehunde eine Reihe bestimmter Tests und Kriterien erfüllen – mehr zum Thema Hundezucht lesen Sie hier. In Österreich benötigen Rassehunde unter anderem einen bestimmten Formwert, je nach Zuchtverein von „Gut“, „Sehr gut“ oder gar „Vorzüglich“, um als Zuchtrüde oder Zuchthündin gelistet zu werden. Diese Formwerte können nur auf Hundeausstellungen unter dem strengen Auge eines Richters erworben werden und besagen, wie sehr ein Hund dem Rassestandard entspricht.

Doch selbst ein „vorzüglicher“ Formwert allein bedeutet noch keine Zuchtzulassung: Um zu überprüfen, ob ein bestimmter Hund nicht nur selbst dem Standard entspricht, sondern auch rundum gesunden Nachwuchs zeugen kann, sind außerdem Gesundheitstest (z.B. je nach Rasse Belastungstest, tierärtzliche Gutachten, Erbgutanalysen) und ein Wesenstest vonnöten. Jeder Zuchtverein weiß über die besonderen Probleme und Herausforderungen ihrer Rasse(n) Bescheid und versuchen, bereits im Vorhinein jene Tiere von der Zucht auszuschließen, die von diesen Problemen in einem gesundheitsschädlichen Maße betroffen sind.

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Die Geschichte der Hundeausstellung

Die Geschichte von Hundeausstellungen ist eng mit der Geschichte der Hundezucht verbunden und ist daher ähnlich wenig dokumentiert, je weiter man in der Zeit zurück reist. Daher ist es schwierig zu sagen, wann genau zum ersten Mal die vierbeinigen Vertreter einer Rasse in direkter Konkurrenz miteinander verglichen und eventuell sogar Sieger gekürt wurden. Fakt jedoch ist, dass es auf frühen Hundeausstellungen um die Nützlichkeit der Hunde als Gebrauchstiere und ihre Eignung für die ihnen angedachten Tätigkeiten ging. Die erste offizielle Hundeausstellung, wie man sie heute definieren würde, fand 1859 in England statt, 1863 folgten erste Verantsaltungen in Deutschland und Österreich. Die vom britischen Kennel Club organisierte „Crufts“ ist heutzutage die größte Hundeausstellung.

Später richtete sich der Fokus vermehrt auch auf das äußere Erscheinungsbild der Hunde – die Nützlichkeit und leider auch das körperliche Wohlbefinden der Tiere rückten in den Hintergrund. Die Züchter strebten nach auffälligen Körpermerkmalen und extremen Ausprägungen jener Eigenschaften, die bei den Richtern am meisten Punkte einbrachten. Die Folgen waren teilweise verheerend: Hunde mit akuten Atembeschwerden, mit zu großen Köpfen für den Geburtskanal und mit verkürzten Lebensspannen aufgrund von Inzuchtpraktiken waren nicht die einzigen langfristigen Resultate einer Gemeinschaft, die ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren hatte. Heute sprechen wir bei der selektiven Auswahl gesundheitschädlicher Merkmale zu Gunsten einer guten Richtnote oder hohen Verkaufspreisen und deren damit verbundenen Risiken für den Hund von Qualzucht.

Zum Glück verändert sich heute vieles: Die Gesundheit der Hunde und deren lebenslanges Wohlbefinden rückt an allen Fronten wieder in den Fokus. Es braucht ein Zusammenspiel von Dachverbänden und Zuchtvereinen, die auf spezifische Probleme und Missstände achten und strengere Kontrollen durchführen, über Züchter, denen Gesundheit wichtiger ist als Richturteile – aber auch Kunden, die besser über diese Problematiken informiert sind und ihre Nachfrage dementsprechend anpassen. Auch die Kynologie und andere relevante wissenschaftliche Disziplinen sind sehr daran interessiert, ihre Erkenntnisse und Diagnoseverfahren zur Gesundheitsförderungen der Hunde bereitszustellen. Nur, wenn alle Parteien an einem Strang ziehen, kann Besserung für die Hunde eintreten – und in den letzten Jahren ist in dieser Hinsicht ein erfreulicher Trend zu verzeichnen.

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