Tierkommunikation: „Hunde spiegeln uns, damit wir uns weiterentwickeln“

Tierflüsterer Laurent Amann über Tierkommunikation
Tierflüsterer, Autor und Verhaltensbiologe Laurent Amann. Foto: © Alex Munteanu / Kats Makeup & Photography

Wer kennt das nicht, wenn der Hund plötzlich vor der Tür steht, obwohl man nur an den Spaziergang gedacht hat. Oder er schon unruhig ist, obwohl Frauchen oder Herrchen erst in fünf Minuten nach Hause kommen. Wie Hunde mit uns kommunizieren und was Tierkommunikation überhaupt ist, erklärt Tierflüsterer und Verhaltensbiologe Laurent Amann in einem Interview.

Tierkommunikation ist ein Begriff, den man heutzutage immer öfter hört – Zukunft oder Hokuspokus? Was bedeutet Tierkommunikation für Sie? Wie würden Sie Tierkommunikation definieren?

Tierkommunikation befasst sich damit, wie wir uns über unsere Gedanken und Gefühle mit unseren Tieren austauschen können. Wir haben uns in der Kommunikation mit Tieren bisher viel auf Körper und Gedanken fokussiert, um zu wissen, wie wir zum Beispiel die Hand halten müssen, um zu wissen, welche Worte wir sagen müssen. Wir wissen auch, dass die Stimmlage eine Rolle spielt.

Aber trotzdem geht das noch viel weiter. Die Tiere haben Gefühle, Menschen haben Gefühle, Tiere haben Gedanken, Menschen haben Gedanken, und darüber können wir auch kommunizieren. Also für mich ist Tierkommunikation überhaupt kein Hokuspokus, überhaupt nicht. Was wir vom Menschen kennen, ist Empathie, das ist das gleiche. Mutter und Kind sind hier ein sehr gutes Beispiel. Obwohl sich der Schrei des Babys gleich anhört, kann die Mutter sich in ihr Kind hineinfühlen und spüren, wie es ihm geht. Genauso können wir eben auch lernen, uns in ein Tier hinein zu fühlen und die Gefühle von dem Tier wahrzunehmen.

Wie viel läuft in der Mensch-Tier-Kommunikation über Körpersprache, Mimik, etc., wie viel über Gedankenaustausch?

Körper und Stimme machen für mich so rund 30 Prozent aus. Das ist wirklich ein sehr kleiner Anteil. Das meiste läuft über Gefühle und über Gedanken und innere Bilder ab, das sind rund 70 Prozent. Immer, bevor wir etwas körperlich tun, kommt ein Gefühl oder ein Gedanke. Wenn Sie einfach nur zur Tür gehen wollen, die Tür aufmachen wollen, da werden Sie zuerst den Gedanken haben: Jetzt stehe ich auf und öffne die Tür. Bei jeder Aktion, die wir setzen, sei es jetzt mit der Stimme oder mit dem Körper, ist immer davor ein Gefühl und ein Gedanke.

Besonders die Hunde sind hier sehr spezialisiert. Sie leben ja mit dem Menschen zusammen, das heißt, sie müssen sich so gut wie möglich abstimmen. Damit sie einfach wissen, was sie zu tun haben, ob Gefahr lauert oder man in Sicherheit ist, bringt es ihnen viel, schon auf Gedanken und Gefühle zu achten -bevor der Mensch überhaupt mit seinem Körper etwas sagt.

Das ist auch das Problem, dass wir Menschen gelernt haben, unseren Körper komplett zu verstellen. Unsere Körpersprache ist ja selten authentisch, wir können ganz ruhig da stehen und innerlich aufgeregt sein, Angst haben, nervös sein. Dem Hund vorzutäuschen, ruhig zu sein, bringt ihm nichts. Wenn Sie innerlich Angst haben, wird das schon seinen Grund haben dafür und genau darauf sollte der Hund dann auch reagieren können. Das erklärt, warum sie so stark auf diese Gefühle, Gedanken und inneren Bilder reagieren und man das nicht so einfach abtrainieren kann.

Auch wenn sich der Mensch bemüht, seine Körpersprache zu verändern, dem Hund kann er dann ja nie etwas vormachen, oder?

Das ist nur ein ganz kleiner Teil. Es ist wichtiger zu lernen, seine eigenen Gefühle überhaupt wahrzunehmen. Wie fühle ich mich gerade jetzt, bin ich nervös oder bin ich entspannt? Daran zu arbeiten, auch an seinen eigenen Gedanken zu arbeiten. Wenn ich immer das Bild habe, oje da kommt ein Hund, mein Hund wir hinrennen und ihn beißen, natürlich wird der Hund das irgendwann tun. Er bekommt ja immer diese Anweisung, dass er es tun soll. Also wir müssen auch lernen, unsere eigenen Gedanken wieder wahrzunehmen und zu schulen, einfach umzudenken. Und dann Körper und Stimme einfach fließen lassen, nicht versuchen, sich zu sehr zu verstellen. Das muss einfach mit unseren Gedanken, mit unseren Gefühlen zusammenpassen. Dann erst kann der Hund dieses klare Bild bekommen, das von ihm jetzt gefragt ist.

Der Körper ist natürlich auch sehr wichtig. Er unterstreicht natürlich noch mehr die Gedanken und Gefühle. Also nur mit Gedanken und Gefühlen den Hund zurückrufen, das wäre zu wenig. Man muss auch mit Körper und Stimme eingreifen. Es ist einfach nur wichtig, zu wissen, es reicht nicht. Ich sehe immer wieder, dass Hundebesitzer einen Hund nicht einmal absitzen lassen können. Das ist für einen Hund die leichteste Übung. Ein Welpe kann, sobald er einigermaßen stehen kann, sich auch schon hinsetzen. Und ein Hund setzt sich von sich aus hin, wenn er etwas beobachten will, wenn er bettelt, wenn er sich etwas von jemandem wünscht – das tut er einfach sehr gerne. Trotzdem fällt es dem Hundebesitzer oft schwer, ein Sitz von seinem Hund zu bekommen, wenn er es braucht.

Im Training merke ich immer wieder, ich kann den Menschen so gut schulen, dass er mit der Stimme perfekt „Sitz“ sagt, dass er mit dem Körper perfekt „Sitz“ sagt, weil er aber trotzdem innerlich nervös ist und sich innerlich vorstellt, „oje, mein Hund wird sich niemals setzen können, das kann nicht gehen“, wird der Hund sich auch nicht hinsetzen. Also Körper und Stimme sind notwendig, aber es ist auch sehr wichtig, dass wir entspannt werden, zwei- bis dreimal durchatmen, die Gedanken darauf fokussieren, dass ich von meinem Hund jetzt ein „Sitz“ möchte. Dann erst sind wir dazu bereit, auch das Wort „Sitz“ zu sagen und mit unserem Körper umzugehen, und dann wird sich der Hund erst hinsetzen.

Ist Tierkommunikation also für jeden erlernbar? Oder haben Sie als Tierflüsterer besondere Fähigkeiten?

Mit „Tierflüsterer“ verbinde ich vieles. Ich habe den Aspekt Tierkommunikation, den Aspekt Tiertraining, mache sehr viel Coaching mit dem Menschen und auch viele energetische Behandlungen. Ich biete ein sehr breites Spektrum an. Tierkommunikation muss man wirklich lernen. Bevor man Tierkommunikation an sich lernen, also anwenden kann, muss man sein Bewusstsein, seine eigene Wahrnehmung schulen (was geht grade in mir vor?) und auch die Wahrnehmung anderen gegenüber.

Man muss lernen, die eigenen Gefühle zu spüren, diese Abgrenzung zu spüren: Ist das jetzt mein Gefühl oder ist das das Gefühl von meinem Tier? Man muss Offenheit und Einsatz zeigen, sich dem zu öffnen. Das kann auch manchmal unangenehm sein. Wenn wir uns den Gedanken der Tiere öffnen, bekommen wir auch viel vom Leid der Tiere mit. Dessen müssen wir uns bewusst sein und uns fragen: Wie kann ich damit umgehen? Wenn wir zu all dem bereit sind, dann ist das einfach nur Übungssache. Es ist so, als würden wir eine neue Sprache lernen.

In einem Interview sprachen Sie einmal von „übersinnlichen Begegnungen“. Waren diese der Auslöser, sich näher mit dem Thema Tierkommunikation zu befassen?

Ich komme ja aus der Verhaltensbiologie. In Versuchen mit Bergpapageien wollten wir herausfinden, wie schnell ein Tier Futter finden und wie schnell es lernen kann. Ich hatte da immer bessere Resultate, als wir uns vorgestellt hatten. Da haben wir uns zusammengesetzt und uns gefragt, wie das möglich sein kann, dass die Tiere so gut abschneiden. Den einzigen Unterschied, den wir festgestellt hatten war der, dass ich mir im Gegensatz zu den anderen, die den gleichen Versuch durchgeführt hatten, immer ganz genau vorgestellt habe:  So und so läuft das ab. Also: Das Tier kommt rein, es läuft da hin, es zieht an der Schublade, nimmt das Futter und geht wieder raus. Das haben die Tiere als Anhaltspunkt genommen. Ich habe gemerkt, ich stelle mir etwas vor, ich habe einen Film im Kopf, und das Tier macht genau das, ohne dass ich jetzt über Körper oder Stimme mit ihm kommuniziere. Das war ein Punkt, wo ich mir gedacht habe, ok, da muss irgendetwas sein.

Dann waren da die Erfahrungen mit meinem eigenen Hund Rio. Er kam im Alter von sieben Wochen, also als Welpe zu mir, und er hatte von Anfang an sehr schlecht gegessen. Ich habe alles versucht, damit er besser ist, Joghurt und Honig aufs Futter gegeben, ich habe alle möglichen Futtersorten ausprobiert. Er hatte einfach nicht gegessen. Das hat dazu geführt, dass ich mich intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigen musste, um eine Möglichkeit zu finden, dass er wieder zunimmt, damit er gut wachsen kann. Da ist mir aufgefallen, dass ich mich selbst sehr schlecht bis gar nicht ernähre.

Ich habe dann an mir gearbeitet, mit einem Coach, um meine Essstörung aufzulösen und dann hat auch Rio wieder zu essen begonnen. Da war ich als Verhaltensbiologe natürlich sehr skeptisch, was das für einen Zusammenhang haben kann. Ich habe alles durchgetestet und mich gefragt: Ist das jetzt Zufall, dass von den Millionen Hunden, die jedes Jahr auf die Welt kommen, ich genau den bekomme, der genau das gleiche Problem hatte wie ich? Das konnte kein Zufall sein. Ich hatte es ihm auch nicht gelernt, also ich habe meinem Hund ja nicht beigebracht, nicht zu essen. Beim Züchter hatte er gegessen, bei mir hat er nicht gegessen – von einem Tag auf den anderen. Und das hat sich auch von einem Tag auf den anderen gelöst, als ich meine Essstörung im Griff hatte.

Ich habe als Verhaltensbiologe alle Möglichkeiten durchgetestet und gemerkt, ich finde keine Erklärung, warum mein Hund nicht isst, wenn ich nicht esse und warum er wieder isst, wenn ich esse – warum er mich da eins zu eins spiegelt. Und da habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie das möglich sein kann, dass er mich spiegelt. Das bedeutet, er kann fühlen, was in mir vorgeht, er weiß, was in mir vorgeht und er weiß auch, dass das für mich wichtig ist und was er bei mir bewirken und ändern kann. Es ist ein Netzwerk, das in diesem Tier vorhanden ist, das einfach so viel Wissen hat, so weise ist, so intuitiv – das ist es, was wir die Seele nennen.

Ich habe sehr viele Kunden betreut, die das bestätigt haben. Ein Beispiel: Eine Kundin hatte mich gerufen, weil ihr Hund auf Menschen losgegangen ist. Wir haben uns angesehen, auf welche Menschen. Interessanterweise haben wir herausgefunden, dass er auf jeden Mann losgeht. Und besonders auf Männer, die irgendwie mit der Frau in Kontakt treten wollten. Die Frau war gerade in einer Scheidungsphase, in der sie nichts von Männern wissen wollte, und der Hund hat das gespürt und hat dann dieser Frau helfen wollen, Männer fern zu halten. Das kann man nur so erklären, dass der Hund so viel über uns Menschen weiß, er uns spiegelt, sich in uns hineinfühlt und weiß, ok, das kann ich machen, um zu helfen.

Mehr von Laurent Amann in folgenden Büchern:

Würden Sie sagen, das macht der Hund auch ganz bewusst?

Ein großer Teil davon ist auch unbewusst. Da haben Tiere einen großen Vorteil. Sie sind intuitiv und folgen dem, was wir Menschen das Bauchgefühl nennen.

Falls ein Hund ein Problemverhalten zeigt – sich zum Beispiel aggressiv anderen Hunden gegenüber verhält – gehe ich zuerst zum Hundetrainer oder zum Tierkommunikator?

Das Problem ist, das ist immer nur ein Aspekt davon. Der Hundetrainer wird Ihnen beibringen, wie Sie Ihrem Hund zeigen, nicht mehr auf andere Hunde loszugehen – wie Sie körperlich Ihrem Hund zeigen können: Lass die anderen Hunde in Ruhe. Das würde der übliche Hundetrainer machen. Ein üblicher Tierkommunikator wird herausfinden, warum Ihr Hund das so macht. Also warum Ihr Hund andere Hunde angeht. Er könnte etwa schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht haben, ist vielleicht gebissen worden, oder hatte nicht genug Sozialkontakt mit anderen Hunden, sodass er die Körpersprache nicht versteht und er nicht weiß, wie er mit einem anderen Hund umgehen kann.

Ich habe den Vorteil, dass ich Hundetraining und Tierkommunikation mache und in der Tierkommunikation gehe ich sogar meistens noch einen Schritt weiter, sodass ich mir anschaue: Ok, was will der Hund mit diesem Verhalten bei seinem Besitzer bewirken? Es ist kein Zufall, dass genau dieser Hund mit diesem Problem zu dieser Person gekommen ist. Also was kann der Mensch aus der Situation lernen? Mir geht es gar nicht darum, das Verhalten schnell abzutrainieren, sondern zu sagen: Das ist da. Und zu fragen: Was kannst du aus der Situation für dich lernen, warum wirst du mit so einer Situation konfrontiert, was hat das für dich zu bedeuten? Und dann arbeiten wir daran, diese Blockade oder eventuelle Probleme aufzulösen. Meistens verschwindet dann beim Hund das Problem von selbst, und wenn nicht, müssen wir eben mit ein bisschen Training nachhelfen, damit er sich auch körperlich umstellt. Es hat einfach jeder seine Bereiche.

Der Hundetrainer konzentriert sich mehr auf das Körperliche: Wie sage ich meinem Hund, dass du dich so und so verhalten sollst. Die meisten Tierkommunikatoren finden die Ursachen heraus. Ist er mal gebissen worden, hatte er eine schlechte Erfahrung, etc. Tierkommunikatoren, die sich wirklich auf die Seele fokussieren, auf Seelenverträge, die werden zum Beispiel herausfinden: Ok du hast diesen Hund weil es bei dir darum geht, deinen aggressiven Teil mehr rauszulassen, zu lernen, dich selbst mehr abzugrenzen von anderen Leuten. Als Tierflüsterer versuche ich, das alles irgendwie in Eins zu packen. Der Schwerpunkt liegt bei jedem Hund ein bisschen anders. Der eine Hund macht das wirklich, weil er eine schlechte Erfahrung gemacht hat, ein anderer macht das eher nur für seinen Besitzer. Man kann hier keine pauschale Lösung anbieten. Man muss bei jedem Tier einzeln hineinfühlen: Warum machst du das? Was soll ich daraus lernen?

Sehen Hunde das als ihre Aufgabe oder wollen sie auch von uns Menschen lernen?

Das ist ein gegenseitiges Lernen. Der Hund hat den Nachteil, dass seine Seele sehr in der eigenen Rasse gefangen ist. Jeder Labrador geht gern ins Wasser, die meisten Jagdhunderassen jagen gern, usw. Die Seele, die in einen Hund inkarniert ist, ist sehr eingeschränkt in der jeweiligen Rasse. Und was der Hund zum Beispiel vom Menschen lernen will, ist, sich dessen etwas zu befreien. Wir Menschen können unser Leben ziemlich so führen, wie wir wollen. Wir können dorthin ziehen, wo es uns gefällt, wir können uns unsere Arbeit aussuchen.  Wir sind sehr frei, wenn wir bereit dazu sind, die Führung über unser Leben zu übernehmen. Wohingegen der Hund da ziemlich gefangen ist. Das heißt, der Hund kann da schon einiges von uns lernen. Aber ich gehe davon aus, dass wir extrem viel von unseren Hunden lernen können. Das ist das, was ich in meinem Buch auch „Die vier Seelenbotschaften“ nenne. Das sind die Schwerpunkte, was wir von unseren Hunden lernen können. Die Hunde spiegeln uns, damit wir uns weiterentwickeln können. Jeder hat da seine Themen, was er vom anderen lernen kann, aber es ist auch ein schönes Zusammenspiel.

Wenn nun ein Problem vorhanden ist, wo setze ich am besten an?

Habe ich ein Problem ist es wichtig, sich hinzusetzen und sich zu fragen: Was kann ich jetzt daraus lernen? Worum könnte es gehen? Also wenn ich jetzt einen aggressiven Hund habe, laufe ich nicht sofort zum Hundetrainer und sehe zu, dass er sofort wieder brav ist, sondern sollte mich vielmehr fragen: Warum habe ich jetzt grade einen aggressiven Hund? Hat das vielleicht irgendetwas mit mir zu tun? Das ist keine Kritik vom Hund, er will uns da nicht runtermachen, sondern uns nur auf einen blinden Fleck aufmerksam machen. Und dafür sollte man wirklich offen sein.

Das Verhalten vom Hund hat ziemlich wahrscheinlich etwas mit mir zu tun. Nicht immer, nicht in jedem Fall, auch der Hund will seine eigenen Erfahrungen sammeln. Aber sehr oft hat das Verhalten vom Hund etwas mit uns zu tun. Also am besten sage ich: Ok, mein Hund ist jetzt grade so, das nehme ich an. Was kann ich daraus lernen? Da ist es eben wichtig, auf die eigenen Gefühle zu achten.

Es geht nicht darum, das sofort wegzutrainieren, sondern mal zu schauen, welche Gefühle kommen da in einem hoch. Bin ich traurig? Bin ich selbst zu aggressiv? Was geschieht dann in mir, wenn ich das annehme? Es geht darum, die Gefühle zu erkennen und sich dann im nächsten Schritt  zu fragen: Was mach ich jetzt damit? Und da ist es hilfreich, sich Unterstützung von außen zu holen – je nachdem, wie viel Erfahrung jemand im Coaching hat. Wir sind sehr in unserem Alltag gefangen und wollen meist nicht allzu viel verändern. Die Seele will immer neue Erfahrungen sammeln, sie will wachsen, sie will sich verwirklichen, und das Ego meint eher, es passt so, wie es ist. Die erste Frage, die man sich stellen sollte, wenn man ein Problem mit dem Hund hat, ist: Was tut das mit mir. Kann es sein, dass er mich spiegelt? Was könnte ich aus diesem Verhalten lernen? Was kann es mir bringen? Warum ist mein Hund so?

In der Tierkommunikation arbeitet man oft auch nur mit einem Foto von dem jeweiligen Tier. Wie kann Kommunikation da möglich sein? Und wie sieht es auf dem Gebiet der Tierkommunikation mit Scharlatanerie aus?

Tierkommunikation ist noch nicht messbar. Dafür gibt es noch keine Geräte. Davon profitieren sicher einige, weil es gerade Trend ist. Aber ich betreue auch viele Kunden übers Telefon oder über Skype -und das weltweit. Und das mache ich natürlich auch, ohne das Tier körperlich vor mir zu sehen. Ich habe dann auch nur ein Foto vom Tier. Und das klappt, da verbinden wir uns auf einer ganz neuen Ebene, über die Gefühle, über die Gedanken. Da braucht es diese körperliche Präsenz nicht.

Es ist sogar so, dass die körperliche Präsenz einschränkt, weil wir über Jahrzehnte geschult wurden, auf den Körper zu schauen. Das beste Beispiel: Wenn der Hund bettelt, tut er so, als würde er bald tot umfallen, weil er am Verhungern ist. Aber das ist er nicht. Der Körper zeigt, ok ich kann nicht mehr, ich bin schwach, aber innerlich ist er das nicht. Der Hund kann da sehr gut mit seinem Körper vortäuschen. Und daher macht es die Tierkommunikation manchmal leichter, wenn man den Körper nicht vor sich sieht.

Bei einem Tierkommunikator sollte man nicht darauf schauen, wie viele Leute er schon betreut hat, wie bekannt er ist, sondern darauf: Habe ich ein gutes Gefühl mit diesem Menschen oder habe ich kein gutes Gefühl? Für jemanden, der sich von einem Tierkommunikator Hilfe holt, ist der erste Schritt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Und wenn man jetzt noch niemand findet, dann schaut man halt in einem Monat wieder.  Also da nicht sagen, ich muss jetzt mit dem arbeiten, weil er weltweit der beste ist. Wenn ich das Gefühl habe, der wird mich nicht weiterbringen, dann wird es einen anderen geben, der es besser kann.

Es muss nämlich auch menschlich passen. Da werden oft die Schattenseiten vom Menschen angesprochen, denn genau darauf wird der Hund uns ja aufmerksam machen. Und da kann es schon – auch am Telefon – extrem emotional werden. Da muss es zwischen dem Hundebesitzer und dem Tierkommunikator schon passen. Damit sich beide darauf einlassen können, in diese Emotionen, in diese Gefühle reinzugehen.

Tierkommunikation ist ein Feld, das immer größer wird. Würden Sie sagen, ist das gut so?

Das ist sehr gut. Wir öffnen uns einfach neuen Möglichkeiten. Am Anfang hat man mit dem Hund nur mit der Stimme kommuniziert, dann hat man begonnen, mit dem Körper zu reden. Und wir gehen jetzt einfach den nächsten Schritt, dass wir uns mehr den Gefühlen und den Gedanken öffnen. Und das merken wir ja auch in der Menschenwelt. All diese Burn-outs, diese Panikattacken – das sind unterdrückte Gefühle, die wieder hochkommen. Wir Menschen beginnen wieder, sich diesen Gefühlen zu öffnen. Und genau das – also die Beziehungen zwischen Menschen und auch wie der Mensch mit sich selbst umgeht – genau das spiegelt sich auch im Umgang und im Austausch mit den Tieren wider.

Sich seinen Gefühlen zu öffnen, ist in unserer Gesellschaft ja nicht gut angesehen. Es ist nicht gut angesehen, wütend zu sein, es ist nicht gut angesehen, zu weinen, es ist nicht gut angesehen, frei zu lieben. Viele Menschen lieben sich selbst ja auch nicht. Die Gefühle wurden so lange unterdrückt, dass all diese Burn-outs, diese Panikattacken, die ja so viele Menschen haben, dass alle diese extremen Gefühle jetzt hochkommen. Der Mensch ist jetzt bereit, sich seinen Gefühlen wieder zu öffnen, seine Gefühle zu zeigen. Und das spiegelt sich eben eins zu eins im Umgang mit dem Tier wider.

Nochmal zurück zu dem Beispiel mit dem Hund, der zur Tür geht, schon bevor wir etwas vom Spaziergang gesagt haben. Könnte man nicht auch sagen, der Hund habe hier nicht unsere Gedanken gelesen, sondern wir haben mit unserem Körper unbewusst Signale gesendet?

Das kann ich erklären. Wir haben nicht nur einen Gedanken, nicht nur ein Gefühl, sondern Körper und Stimme passen sich an. Das Gefühl, der Gedanke, ist als erstes da, und gleich danach reagiert der Körper dann auch, sodass es auch richtig ist: Unbewusst schicken wir auch mit dem Körper ganz kleine Zeichen. Aber es ist ja oft so, dass der Hund liegt, die Augen verschlossen, und wir denken daran aufzustehen, und dann springt er auf einmal auf. Was er körperlich nicht wahrnehmen konnte, weil er die Augen zu hatte. Da gibt es zahlreiche Beispiele.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich meinen Hund dem Dogsitter gegeben, weil ich auf Urlaub war, und als ich den Hund wieder abgeholt hatte, meinte er, es habe alles super funktioniert, aber gestern um Punkt 17Uhr hat der Hund sein Spielen abgebrochen, hat sich hingestellt und fünf Minuten lang durchgeheult. Und dann war er fertig und hat weitergespielt. Was war da los? Dann habe ich überlegt, 17 Uhr, das war der Moment, als ich mit dem Flugzeug aus Zürich gestartet bin und ich gedacht habe, endlich komme ich wieder zu meinem Hund nach Hause und gehe ich morgen abholen. Jeder, der einen Hund hat, kennt solche Geschichten. Wenn der Hund schon nervös wird, eine halbe Stunde bevor jemand aus der Familie nach Hause kommt. Also die Hunde spüren da schon sehr viel mehr als nur, was wir mit dem Körper und mit der Stimme ausstrahlen.

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