Hund an Maulkorb gewöhnen – Schritt für Schritt erklärt

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Den Hund an den Maulkorb zu gewöhnen braucht Training und Geduld. / Foto: Limuzz

Die Maulkorbpflicht steht immer wieder Fokus der Diskussionen. Der Maulkorb ist sicher nicht die Lösung aller Probleme, oft aber nützlich, wenn man Bus oder Zug benutzen will. Wir sind der Frage nachgegangen: Wie kann man Hund an den Maulkorb gewöhnen?

Wenn sich Hunde einmal an den Maulkorb gewöhnt haben, ist das im Bedarfsfall sicher von Vorteil. Wie aber stellt man das an? Alexandra Wischall-Wagner, Präsidentin der Vereinigung Österreichischer HundeverhaltensTrainerInnen (VÖHT), gab uns im Interview wertvolle Tipps zum Thema.

Kann ich den Maulkorb jedem Hund antrainieren, auch älteren?

Alexandra Wischall-Wagner: Selbstverständlich. Wichtig ist, dass der Maulkorb zur Hunderasse und zur Anatomie des Tieres passt. Der Hund muss auch mit Mauli trinken und – besonders im Sommer – hecheln können, er darf keine Druck- oder Scheuerstellen verursachen. Auch sollte es möglich sein, dem Hund durch den Maulkorb hindurch Futterbelohnungen reichen zu können. Hat der Hund bereits negative Erfahrungen mit dem Mauli gemacht wie z. B. Druckstellen vom Tragen oder den Maulkorb mit Gewalt aufgesetzt bekommen, wird das Training natürlich umfangreicher ausfallen. In jedem Fall und ganz unabhängig vom Alter des Hundes sollte das Üben spielerisch und in kleinen Schritten erfolgen. Wichtig ist, dass Sie eine große Portion Geduld und Zeit aufwenden. Es wird sich garantiert lohnen!

Ist es möglich, dass Hunde ihn sogar gerne tragen?

Mit dem Maulkorb für Hunde verhält es sich ein wenig so wie mit Brillen oder Kontaktlinsen für uns Menschen. Wir müssen uns alle erst an diese zusätzlichen Gegenstände in unserem Gesicht gewöhnen. Setzt Ihnen jemand die neue Brille auf und befiehlt Ihnen, diese für fünf Stunden zu tragen, wird Ihnen bestimmt nach kürzester Zeit schlecht werden und Sie werden alles versuchen, um die Brille wieder wegzubekommen. Gewöhnen Sie sich aber erst langsam daran und bekommen immer wieder nette Komplimente, wie hübsch Sie damit aussehen, werden Sie lernen, die Brille zu mögen.

Kann man das Training, wie Sie Hund an den Maulkorb gewöhnen, in ein paar kurzen Schritten erklären?

In diesem Fall empfehle ich gerne die Arbeit über Futterbelohnung. Ihr Hund muss den Mauli toll finden. Im ersten Schritt können Sie ihn für jedes Interesse am Maulkorb belohnen. Zeitgleich kann auch mit einem Joghurtbecher geübt werden, den der Hund ausschlecken darf. Gelernt wird, dass es etwas Gutes bringt, seine Nase in einen „Korb“zu stecken. Ihr Hund gewöhnt sich dank des Joghurtbechers langsam daran, den leichten Druck am Nasenrücken zu tolerieren und sogar gut zu finden. In weiteren Schritten wird dann aus dem (noch nicht geschlossenen) Mauli gefressen. Ein bisschen Futter in eine Schale geeigneter Größe, den Mauli hinein und den Hund aus der Schale fressen lassen. Sind Sie ruhig kreativ in der Bekanntmachung mit dem Maulkorb. Nach und nach machen Sie dann die Laschen über die Ohren, machen ganz kurz zu, dann wieder auf. So kann Ihr Hund z. B. auch den Maulkorb kurz tragen, und nach der Abnahme erfolgt die Fütterung. Wichtig ist, dass die Tragedauer erst langsam gesteigert wird. Ihr Hund sollte nie in die Situation kommen müssen, sich den Mauli selbst von der Nase reiben zu wollen, denn dann sind Sie im Training zu rasch vorgegangen. Auch lohnt es sich, Bewegung in das Spiel zu bringen. Bringen Sie den Maulkorb an, lassen Sie Ihren Hund Leckereien daraus essen und gehen Sie ein paar Schritte mit dem Hund mit. Nehmen Sie dann den Mauli wieder ab.

Wie lange kann mein Hund den Maulkorb am Stück tragen?

Leider weiß man noch nicht, wie sich das lange Tragen eines Maulis auf Hunde auswirkt. Wichtig zu erwähnen ist, dass der Hund – auch wenn der Maulkorb noch so gut sitzt – in seiner Bewegungsfreiheit und Kommunikation mit anderen Hunden eingeschränkt ist. Das freie Bewegen, Schnüffeln und Erkunden ohne Maulkorb sollten jedem Hund möglich gemacht werden. Aus meiner derzeitigen Sicht ist ein Tragen des Maulis von über einer Stunde daher tierschutzrechtlich fragwürdig.