Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Wie finde ich den richtigen Hundetrainer? Hundeschule
Wie finde ich den richtigen Hundetrainer? Mag. Iris Schöberl klärt die wichtigsten Fragen! / Foto: Schöberl

Bei der Hundeerziehung geht es bei einigen Menschen oft nicht um Fakten, sondern um ideologische Glaubensrichtungen. „Hundeneulinge“ können dabei leicht den Überblick verlieren. Wir sind einer der wichtigsten Fragen nachgegangen: Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Der Begriff HundetrainerIn ist rechtlich nicht geschützt, somit kann theoretisch jede/r nach Lust und Laune von heute auf morgen HundetrainerIn werden. Die Betonung liegt dabei aber auf theoretisch! Denn falsche Erziehungsmaßnahmen können in der Praxis mehr Schaden als Nutzen bringen. Vor allem beim ersten Hund stellen sich viele die Frage: Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Belohnen

Verschiedene Studien zeigen, dass ein auf Belohnung basierter Umgang mit dem Hund effizienter und zielführender ist, als ein auf Strafen basiertes Training. Freundliche, bestätigende Interaktionen (Spielen, Streicheln…) haben eine stressdämpfende Wirkung.

Strafende, harsche Interaktionen (d.h. Hinzufügen von etwas Unangenehmen wie körperliches Zurechtweisen, Anschreien etc.) führen genau zum Gegenteil – einem Anstieg der Stresshormone. Belohnung steht im Zusammenhang mit weniger Angst und Aggression, chronischer Stress, zum Beispiel durch harschen Umgang, fördert Angst und Aggression. Lernen unter starkem Stress erschwert die Konzentration und kann das Gedächtnis beeinträchtigen, Inhalte gehen schnell verloren. Lernen unter Druck erfordert immer mehr Druck.

Laut Studien hatten Hunde, die nur mit Belohnung trainiert wurden, den besten Gehorsam und waren am wenigsten überdreht. Den schlechtesten Gehorsam hatten Hunde, die nur mit Strafe erzogen worden sind.

Checkliste: Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Kompetente HundetrainerInnen …

Was fachkundige HundetrainerInnen NICHT tun:

☑ … verfügen über eine einschlägige Ausbildung und bilden sich laufend fort.☒ auf Hilfsmittel beharren, um auf den Hund körperlich einzuwirken
☑ … kennen gesundheitliche Ursachen für unerwünschtes Verhalten.☒ mit Schreckreizen wie Schütteldosen oder Spritzflaschen arbeiten
☑ … arbeiten mit Tierärzten zusammen und können medizinische Ursachen ausschließen.☒ körperliche Korrekturen wie Stupsen, Zwicken, Treten und Leinenimpulse einsetzen
☑ … arbeiten bei Hund und HalterIn mit Lob und Belohnung.☒ Fehlverhalten durch Dominanz des Hundes erklären
☑ … bauen das Training auf gemeinsamen Erfolgserlebnissen auf.☒ über Rangordnung und Unterwerfung arbeiten
☑ … gehen respektvoll mit Mensch und Tier um.☒ eine 100%ige Besserung versprechen
Quelle: Hundetrainerin Sunny Bennett

Strafen haben Folgen

Da die Nebenwirkungen von Strafe nicht abschätzbar sind, ist von einer strafbasierten Erziehung abzuraten. Vertrauens- und Beziehungsaufbau sollten stattdessen im Vordergrund stehen! Leider wird vor allem bei Hunden mit Angst- und Aggressionsthemen nach der vermeintlich schnellen Lösung gesucht. Im ersten Eindruck wirken Methoden wie Reizüberflutung und körperlicher Zwang als effiziente Lösung. Die Nebenwirkungen dieser schnellen Methoden, wie Symptomverschiebung, gesundheitliche Folgen und emotional verkrüppelte Hunde, dürfen dann die Jahre darauf ausgebadet werden. Wenn ich glaube, meinen Hund mit körperlichen Maßnahmen erziehen zu müssen (weil ja Hunde untereinander dies auch so tun), muss ich auch damit rechnen, dass mein Hund mit körperlichen Maßnahmen antwortet. Da Hunde eher mit den Zähnen, als mit den Pfoten reagieren, ist zu erahnen, wo dies hinführen kann.

Positiver Umgang

Wichtig in der Hundeerziehung sind positive, soziale Interaktionen, durch die das stressreduzierende Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Dem Hund Schutz und Sicherheit bieten und eine verlässliche Bezugsperson sein. Ausweich- und Kontrollmöglichkeiten bieten und den Hund vor allem nicht in den Konflikt führen.

Erwünschtes Verhalten bestätigen und unerwünschtes Verhalten bereits im Ansatz umlenken, indem es durch eine Ersatzhandlung in ein erwünschtes Verhalten geführt wird. All dies fördert den Vertrauensaufbau und eine gute Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es ist schon lange bekannt, dass Lernen mit Freude effizienter ist. Das geht uns Menschen ja genauso! Übungen, die Spaß machen, werden gerne wiederholt und verlässlicher ausgeführt.

Bauchgefühl entwickeln

Für Hundehalter ist es oft schwierig den Überblick über die vielen Hundetrainingsangebote zu bewahren. Es ist am besten seinem Bauchgefühl zu folgen:

  • Fühle ich mich selber wohl bei diesem/r HundetrainerIn?
  • Geht es meinem Hund gut?
  • Fördert dieser Umgang unsere Beziehung?
  • Würde ich selber so behandelt werden wollen?
  • Würde ich so Freude haben und gut und gerne lernen?

Wenn auch nur eine Frage mit Nein beantwortet wird sollte das Training überdacht werden!

Mag. Iris Schöberl ist Verhaltensbiologin und Hundeverhaltensberaterin sowie Dipl. Lebens- und Sozialberaterin, Präsidentin der VÖHT und Beirat im RRCÖ.

Weitere Infos zu Beratung, Seminaren und Trainings gibt’s unter www.der-hund-und-du.com