Virologin klärt auf: Sind unsere Hunde überimpft?

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"Überimpfen" bringt keine Vorteile - ganz im Gegenteil. Daher sollte für jeden Hund ein individueller Impfplan erstellt werden. / Foto: Unsplash / Illustration: Pixabay

Bei den Impfstoffen hat sich in den letzten Jahren viel getan – Neuerungen versprechen längere Haltbarkeit, jedoch wird vielfach noch jährlich geimpft. Aber wie lange halten nun Impfungen beim Hund wirklich? Wir haben bei Virologin Karin Möstl genauer nachgefragt.

Wie lange hält ein Impfschutz an, also wie oft sollten Hundebesitzer ihre Vierbeiner impfen lassen?

Ao. Univ.-Prof. Dr. med. vet. Karin Möstl: Wie lange der Impfschutz anhält, hängt vor allem vom Erreger, gegen den geimpft wird, vom Impfstoff und von der individuellen Immunantwort des Impflings ab. Allgemein gilt, dass Impfungen gegen generalisierende Virusinfektionen wie die Hundestaupe, die Parvovirose und die ansteckende Leberentzündung eine jahrelang anhaltende Immunität auslösen, während bakterielle und auf Schleimhäute begrenzte Infektionen einen wesentlich kürzeren Immunschutz hinterlassen.

Demgemäß sind in den meisten Fällen bei Hunden mit vollständiger Grundimmunisierung (also inklusive der ersten Nachimpfung nach rund einem Jahr) weitere Nachimpfungen gegen die erwähnten Virusinfektionen alle drei Jahre vollkommen ausreichend.

Hingegen sind Nachimpfungen zum Beispiel gegen Leptospirose (bakterielle Infektion), gegen die jeder Hund gut geschützt sein soll, unbedingt jährlich erforderlich. Zu betonen ist allerdings, dass der Impfplan für jeden Impfling individuell je nach den Erfordernissen und Infektionsrisiken erstellt werden sollte!

Wenn nicht mehr jährlich geimpft werden muss, warum wird von vielen Tierärztinnen und -ärzten doch noch eine jährliche Impfung empfohlen?

Am jährlichen „Impftermin“ sollte sich keinesfalls etwas ändern. Erstens ist er wichtig für den regelmäßigen Gesundheits-Check des Hundes zur Früherkennung gesundheitlicher Probleme und zweitens sind ja verschiedene Impfungen, wie z. B. jedenfalls die Leptospirose jährlich erforderlich. Geändert hat sich nur, dass zu diesem Termin nicht alle Vakzinekomponenten verabreicht werden sollen.

Kann man daraus schließen, dass viele Hunde heutzutage überimpft sind?

Wenn ohne triftigen Grund gegen Hundestaupe, Parvovirose und ansteckende Leberentzündung jährlich nachgeimpft wird, dann sind diese Hunde sicherlich „überimpft“. Derartige „Überimpfungen“ bringen keinen Vorteil. Wenn ein bereits immunes Tier nochmals geimpft wird, hat die Impfung von keinerlei Nutzen, weil sie rasch von der bestehenden Immunität unwirksam gemacht wird.

Nebenwirkungen

Auch wenn die bei uns erhältlichen Impfstoffe über eine gute Sicherheit verfügen, ist bei keinem Impfstoff auszuschließen, dass es zu negativen Nebenwirkungen, unter Umständen auch mit schweren Konsequenzen kommen kann. Bei „Überimpfung“ steht also ein Risiko für einen Schaden keinerlei Nutzen gegenüber, weshalb „Überimpfen“ abzulehnen ist.

 

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