Tieraugenheilkunde: Wie gut sehen Hunde?

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Wie gut sehen Hunde? Expertin Dr. Grinninger beantwortete unseren LeserInnen ihre Fragen zum Thema Sehen. / Foto: Pexels

Farben oder schwarz-weiß – und wie gut sehen Hunde wirklich? Die Augen unserer Vierbeiner sind ein spannendes Thema für sich. Für Augenkrankheiten gibt es aber tatsächlich – wenn auch wenige – zertifizierte Spezialisten (Diplomate ECVO – European College of Veterinary Ophthalmologists). Petra Grinninger ist eine davon und hat Fragen unserer LeserInnen rund ums Thema Sehen beim Hund beantwortet.

Es heißt doch immer, Hunde seien weitsichtig und können erst ab einem gewissen Abstand zum Auge scharf sehen. Nun kann man aber ständig beobachten, dass sie Kekse, die ihnen zugeworfen werden, mit weit aufgerissenen Augen fixieren. Und zwar auch jene, die man nur wenige Centimeter über ihre Nase hält und fallen lässt. Auch diese fangen sie sicher.

Grinninger: Der Großteil unserer Hunde ist normalsichtig (emmetrop). Untersuchungen haben gezeigt, dass nur 8% der Hunde weitsichtig (hyperop) sind.

Fehlsichtigkeit bis +3,25D wurde vor allem bei Australian Shepherds, Alaskan Malamutes und Bouvier des Flandres gefunden. Kurzsichtigkeit (Myopie) bis zu -6,25D konnte hingegen bei 25% der Hunde fest gestellt werden. Häufig ist Kurzsichtigkeit bei Rottweilern, Collies, Miniatur Schnauzer, Toy Poodlen und Labrador Retriever zu sehen.

Mein Hund ist jetzt sechs Jahre alt und hat seit dem heurigen Sommer das Problem, dass seine Augen immer wieder tränen. Ich war bereits beim Tierarzt, dort wurden keine Erkrankungen festgestellt. Dennoch würde mich interessieren was er hat bzw. wie man es eventuell behandeln kann und ob ich mir überhaupt Sorgen darüber machen muss.

Grinninger: Es gibt eine ‚idiopathische Epiphora‘. Eine Tränenstrasse ist sichtbar, bei der Augenuntersuchung werden aber keine Veränderungen gefunden. Dies ist als kosmetisches Problem anzusehen. Bei den meisten Patienten ist allerdings eine Irritation, die zu einer Überproduktion der Tränenflüssigkeit führt, oder eine Abflussstörung vorhanden.  Bindehautentzündung, Fehlstellung von Härchen im Bereich der Augen, Lidprobleme, Probleme mit dem Tränenkanal oder auch Erkrankungen im Augeninneren können vermehrten Tränenfluss verursachen.

Stimmt es, dass Hunde rot-grün blind sind?

Grinninger: Unsere Haustiere können in der Regel zwei Farbtöne wahrnehmen. Hunde sind ‚grün-blind‘, während Pferde zum Beispiel ‚rot-blind‘ sind.

Warum können uns Hunde manchmal nicht sehen, wenn wir in einiger Entfernung ruhig vor ihnen stehen?

Grinninger: Objekte, die sich bewegen, erregen mehr Aufmerksamkeit und werden via Netzhaut und Gehirn schneller oder besser wahrgenommen als starre Objekte oder Personen.

Wie sehen Hund in der Nacht?

Grinninger: In der Nacht sind uns Hunde in punkto Sehfähigkeit überlegen. Einerseits haben Hunde mehr Stäbchen-Zellen in der Netzhaut, die für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich sind, und andererseits besitzen sie ein ‚Tapetum lucidum‘. Dies reflektiert das einfallende Licht nochmals auf die Netzhaut. So können sie auch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen noch etwas erkennen.

Mein Hund ist 8 Jahre alt, Labrador Retriever, ist sehr unsicher auf glatten, glänzenden Böden, der Tierarzt meint, er sieht schlecht, was kann ich tun?

Grinninger: Eine Augenuntersuchung kann Aufschluss über die Sehfähigkeit Ihres Hundes geben. Hornhaut-, Linsen-, Glaskörper- oder Netzhauterkrankungen können Grund für die Unsicherheit sein. Werden keine Veränderungen gefunden, ist fraglich, ob nicht die Oberflächenbeschaffenheit des Bodens die Unsicherheit verursacht (Vergleich mit Gehen auf Eislaufplatz).

Dr. Petra Grinninger ist Internationale Spezialistin für Tieraugenheilkunde. 

Petra Grinninger mit Katze
© Foto: Dr. Petra Grinninger

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