Kolumne: Mit Schnuller & Fell – So wird aus Kind und Hund ein Dreamteam

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Kind und Hund aneinander zu gewöhnen ist für eine gemeinsame Zukunft sehr wichtig. / Foto: Pexels

Kind und Hund aneinander zu gewöhnen und das zukünftige gemeinsame Leben zu planen ist schon während der Schwangerschaft wichtig.

Haustiere beeinflussen unser Leben auf vielerlei positive Weise, dies zeigen zahlreiche Studien. So erlernen Kinder, die mit Tieren aufwachsen, nicht nur soziale Verantwortung, Selbstkontrolle, Geduld und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, sondern auch mit natürlichen Prozessen, wie Geburt, Sexualität, Krankheit, Verlust und Schmerz umzugehen. Aber auch in den Bereichen Empathie und Einfühlungsvermögen profitieren Kinder, die mit (Haus)Tieren aufwachsen. Das Haustier wird in den Augen der Kinder meist auch als der beste Freund, gesehen, der immer für einen da ist und für alle Probleme Verständnis hat. Ein Therapeut auf vier Beinen, den Eltern nicht ersetzen können. Dies sind nur ein paar wenige Aspekte, bei denen sich (Haus)Tiere auf die kindliche Entwicklung positiv auswirken. Wichtige  Voraussetzung ist allerdings, dass ein harmonisches Zusammenleben zwischen Kind und Hund möglich ist. Hier spielen besonders wir Eltern eine tragende Rolle. Denn, auch wenn wir beim Thema Kind und Hund oft tierische Helden wie Lassy, Beethoven & Co im Hinterkopf haben, sieht die Realität doch anders aus. So passieren etwa 70% aller Bissverletzungen im eigenen Zuhause mit dem Familienhund.

Unsere Hunde sind – wie wir – fühlende Lebewesen mit Stärken und auch Schwächen. Diese Schwächen können Grund dafür sein, dass es zu Unfällen im häuslichen Bereich kommt. Oft ist aber auch eine falsche Einstellung, was der Hund alles auszuhalten habe, die Ursache für Konflikte zwischen Kind und Hund. Hier möchte ich besonders hervorheben, dass Hunde keine Stofftiere und schon gar keine Babysitter sind. Deswegen sollte das Gemeinsam von Kind und Hund immer im sicheren Rahmen stattfinden mit besonderem Augenmerk auf gegenseitige Rücksichtnahme der jeweiligen Schwächen. Hier spielt auch unser eigenes Verhalten eine wesentliche Rolle, nämlich dass wir selbst mit unserem Kind, unserem Hund und anderen Mitmenschen rücksichtsvoll umgehen. Kinder lernen durch Beobachtung und ahmen uns nach und dies bereits ab dem Säuglingsalter.

Aber wie Alexander Graham Bell bereits sagte, ist vor allem die Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. Deswegen können wir bereits in der Schwangerschaft eine sichere Basis für das spätere Zusammenleben schaffen. 

Machen Sie sich bereits in der Schwangerschaft ernsthafte Gedanken, welche Veränderungen durch den Zuwachs auf Ihren Hund zukommen werden.

Die gewohnte alltägliche Routine ist zumindest in den ersten Wochen mit Baby nicht mehr gegeben. So steht meist weniger Zeit für den Vierbeiner zur Verfügung als er es gewohnt ist. Das kann den Spaziergang, aber auch die gemeinsame Kuschel- oder Spielzeit betreffen. Nicht nur Ihre Ruhezeit, sondern auch die Ihres Hundes kann – je nach Rhythmus Ihres Babys – gestört werden. Dies sind nur einige wenige Beispiele, die Stress beim Hund, bei Ihnen und in weiterer Folge bei Ihrem Baby verursachen können. Um dies zu verhindern, beginnen Sie am besten bereits während der Schwangerschaft, den Tagesablauf zu verändern. 

Eine Form der Entlastung kann auch eine weitere Bezugsperson für Ihren Hund sein, die sich bereits während Ihrer Schwangerschaft mit dem Hund vertraut macht. Hat Ihr Hund eine zweite Vertrauensperson, ist dies besonders in den ersten Wochen mit Baby hilfreich. Ihr Hund muss nicht auf seine gewohnte Qualitätszeit verzichten und Sie können sich entspannt um Ihr Baby kümmern oder die Zeit für Ihre eigene Entspannung und Ruhe nutzen. 

Vielleicht haben Sie Bedenken oder Ängste im Bezug auf das Zusammenleben von Kind und Hund. 

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Auch diese Gedanken sollten Sie nicht verharmlosen. Jetzt haben Sie die Gelegenheit ohne Druck, an den kritischen Punkten zu arbeiten. Machen Sie sich am besten eine Prioritätenliste. Manche Sorgen könnten vielleicht sogar ganz einfach durch Managementmaßnahmen verringert werden, die Ihnen womöglich unnötigen Trainingsaufwand ersparen. Ich empfehle gerne den Einsatz von Kinderschutzgittern, um dem Hund den Zutritt zum Kinderzimmer oder zu anderen Bereichen verwehren. Spätestens dann, wenn Ihr Baby beginnt die Umgebung selbstständig zu erkunden, macht eine zeitweise räumliche Trennung von Kind und Hund Sinn und ist speziell dann hilfreich, wenn Sie nicht mit voller Aufmerksamkeit bei den beiden sein können. Alternativ kann auch eine Hundebox hilfreich sein, die Ihr Hund liebt. Ich persönlich finde es allerdings aus Hundesicht schöner, nicht ständig räumlich eingeschränkt zu werden, wenn der „Minimensch“ auf Entdeckungsreise geht. Auch, wenn Ihr Hund während der Erkundungszeit des Babys ruhig in einer Ecke liegt, ist eine räumliche Trennung zum Schutz ratsam. So verhindern Sie, dass Ihr Sprössling den Hund zu sehr bedrängt, am Fell oder anderen Körperteilen zieht etc. Kleinkinder bewegen sich Kleinkinder unberechenbar und wackelig, dies wirkt auf Hunde oftmals bedrohlich und führt nicht selten zu Abwehrreaktionen beim Hund. Eine Studie hat diesbezüglich ergeben, dass etwa 62% aller getesteten Kinder unter 4 Jahren aggressive Mimik von Hunden als lächelnd bzw. glücklich interpretieren. Aus diesem Grund ist es vor allem bei Kleinkindern umso wichtiger, auf einen sicheren Rahmen zu achten. In allen Situationen, in denen Sie Kind und Hund nicht Ihre volle Aufmerksamkeit schenken können, ist eine räumliche Trennung ratsam. Mit einem Kinderschutzgitter ist  zugleich das Spielzeug Ihres Kindes vor dem Hund geschützt und dieser kann sich in seinem Bereich ungestört mit seinen Spiel- oder Kausachen beschäftigen. Wichtig ist mir hier aber auch zu erwähnen, dass Sie Ihren Hund nicht ausschließen. Ich sehe leider häufig, dass aus Angst, etwas könne passieren, der Hund „weggesperrt“wird. Der versteht den Zusammenhang natürlich nicht. Es kann sogar dazu führen, dass der Hund das Kind als negatives Anhängsel empfindet.  Das Gegenteil sollte der Fall sein. Ihr Hund sollte lernen, dass zu ihrem gemeinsamen Glück nun auch das „Minimenschlein“ dazu gehört.

Nutzen Sie die Macht von Ritualen

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Wir wissen, dass Rituale nicht nur uns Menschen Sicherheit geben, sondern auch unseren Hunden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Hundebesitzer mit Ritualen arbeiten, auch, wenn es den wenigsten wirklich bewusst ist. Das kann beispielsweise das Anziehen für den Spaziergang sein. Die Art und Weise wie und wann der Spaziergang abläuft. Gibt es Wochenendrituale, die sich vom Arbeitsalltag unterscheiden? Wird beim Fernsehen jeden Abend mit dem Hund gekuschelt? Gibt es einen bestimmten Ablauf, wenn Besuch kommt? Die Liste der Möglichkeiten ist lange, daher nehmen Sie sich die Zeit und überlegen kurz, welche Rituale Sie mit Ihrem Hund etabliert haben. Welche Situationen laufen bei Ihnen und Ihrem Hund nach einem ganz bestimmten Schema ab? Sie werden sicherlich erstaunt feststellen, dass Sie das ein oder andere Ritual (unwissentlich) eingeübt haben. Versuchen Sie Rituale, die Ihrem Hund wichtig erscheinen und ihm die nötige Sicherheit bieten, zu erhalten. Manche können abgeändert werden, sodass es auch mit Zuwachs möglich ist, diese zu erhalten. Denn gerade bei Veränderungen sind gewohnte Abläufe  besonders wichtig. Sie geben, wenn sich ein Faktor im (Hunde)Leben verändert, besonderen Halt. Daher nutzen Sie die Macht, die solch ein Ritual mit sich bringt. Zusätzlich können Sie aber auch weitere fixe Abläufe während der Kugelzeit aufbauen, die Ihnen und Ihrem Hund später mit Baby helfen. Auch ein Entspannungssignal gehört dazu.  Etablieren Sie bereits während der Schwangerschaft solch ein Ritual, von dem auch Ihr Bauchzwerg später profitiert. Und das tolle an dieser Art von Ritual, es bracht kaum einen Aufwand, sondern einfach nur Geduld und Zeit zum Entspannen für Sie, Ihren Hund und zugleich auch das Baby. Wie so ein Entspannungsritual aussieht, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es kann eine entspannende Musik sein, ein spezieller Duft, ein bestimmtes Wort, gekoppelt mit einer speziellen Handlung, wie das gemeinsame Kuscheln oder aber auch das Vorlesen einer kurzen Gutenachtgeschichte. Oder Sie kombinieren mehrere Dinge miteinander , wie beispielsweise den Duft und die Musik. Damit der Entspannungsmoment bei Hund und Baby eintrifft, sollten Sie beim Aufbau dieses Signals selbst eine gemütliche Position einnehmen und sich entspannen. Ist dieses Signal dann gut konditioniert, können Sie es sich in unruhigen Momenten zunutze machen und so für Ruhe sorgen. 

Last but not least…

Die Kugelzeit darf trotz aller Vorbereitung eine schöne Zeit sein, die Sie genießen. Die erste Schwangerschaft ist – wie ich persönlich finde – die schönste und wundervollste, die Sie erleben werden. Allein schon deswegen, weil Sie diese Zeit noch ganz alleine genießen können. Machen Sie diese schöne Zeit nicht kaputt, indem Sie von einem Training zum nächsten hetzen. Sie können in der Schwangerschaft nicht sämtliche Probleme Ihres Hundes beheben. Vor allem für Problemverhalten, das bereits seit Jahren besteht, brauchen Sie viel Geduld und Zeit. Stecken Sie sich machbare Ziele und fordern Sie nicht zu viel von sich selbst und von Ihrem Hund.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wunderbare Kugelzeit und viel Freude mit dem zukünftigen Familienglück. 

Die Autorin ist ganzheitlich orientierte Hundeverhaltenstrainerin und zertifizierte Trainerin für stressbedingte Verhaltensweisen beim Hund. So liegen ihr leicht gestresste und hibbelige Hunde besonders am Herzen. Durch ihre eigene Angst vor Hunden in der Kindheit ist ihr das harmonische Zusammenleben von Kind und Hund ein spezielles Anliegen.

Bitte beachten Sie, dass die Beantwortung der Mails unter Umständen einige Zeit dauern kann, da wir den Großteil unserer Zeit dem Training und der Ausbildung widmen.

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