Mimik und Körpersprache bei Hunden erklärt

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Gähnen kann bei Hunden auch als sogenanntes Beschwichtigungssignal eingesetzt werden. Für Frauchen und Herrchen ist es wichtig, die Mimik und Körpersprache ihrer Vierbeiner verstehen zu können. / Foto: Pixabay

Hunde nutzen ihre Mimik und Körpersprache, um zu kommunizieren und Konfliktsituation aufzulösen. Wir haben kompakt zusammengefasst, worauf Hundebesitzer dabei achten sollten.

Mimik und Körpersprache verraten uns viel über die Stimmung unserer Hunde. Es ist wichtig, diese Signale zu erkennen und richtig interpretieren zu können. Für einen reibungslosen Ablauf im Rudel haben Wölfe und Hunde ein sehr feines Kommunikationssystem entwickelt, bei dem der Schwerpunkt auf körpersprachlichen Signalen liegt, die dabei helfen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Dabei gilt bezüglich Sozialstruktur der Leitsatz: So lange friedlich, wie es möglich ist.

Schon aus Selbstschutz versuchen Hunde meist, ernsthaften Konflikten aus dem Weg zu gehen. Dazu setzen sie oft feine, aber deutliche Signale ein, die auch wir Menschen für einen respektvollen und sicheren Umgang mit ihnen kennen und berücksichtigen sollten.
Beschwichtigen

Um stressige Situationen zu entschärfen, setzen Hunde sogenannte Beschwichtigungssignale ein. Dazu gehören unter anderem das Abwenden des Blickes, Gähnen, Senken des Kopfes, Schnüffeln, Kleinmachen, Über-die-Schnauze-Lecken, Heben der Vorderpfote, Harnabsatz etc. Manche Hunde zeigen zudem das sogenannte „Submissive Grin“, ein Grinsen, das nicht mit aversivem Zähnezeigen verwechselt werden darf.

Hunde warnen, bevor sie aggressiv werden

Oft geben Hunde, bevor sie aggressives Verhalten zeigen, zahlreiche Beschwichtigungssignale. Werden die vom Menschen (oder auch vom anderen Hund) nicht gesehen oder ignoriert, kann es zum Konflikt kommen.

In der Kommunikation zwischen Mensch und Hund gibt es zudem zahlreiche Missverständnisse, die zu Konflikten führen können: Während es unter Menschen als höflich gilt, dem Gegenüber fest in die Augen zu sehen, empfinden Hunde den direkten Blickkontakt durch Fremde als bedrohlich. Nähert sich ein freilaufender Hund in bedrohlicher Pose, ist es am besten, den Blick abzuwenden.

Ein weiteres Missverständnis: Wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt, ist er freundlich gestimmt. Allerdings bedeutet Schwanzwedeln in erster Linie Aufregung, und die ist oft nicht positiv. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass Hunde verschiedene Arten zeigen, mit dem Schwanz zu wedeln. Nur die Schwanzhaltung in Kombination mit Amplitude, Geschwindigkeit und restlichen Körpersignalen gibt Auskunft darüber, in welcher Stimmung sich der Hund tatsächlich befindet.

Lautäußerungen

Neben ausgeprägter Mimik und Körpersprache verfügen Hunde über eine Reihe akustischer Signale, die aber in der Gesamtwahrnehmung eine vergleichsweise geringere Rolle spielen. Zu den häufigsten Lautäußerungen zählen:

  • Winseln,
  • Knurren (freundliches Spielknurren und Drohknurren),
  • Bellen
  • und Wuffen.

Kommunikation über Gerüche und Berührung

Eine Dimension der Hundewahrnehmung, die sich dem Menschen völlig entzieht, ist die Kommunikation über Gerüche. Hunde geben wichtige Informationen über Gerüche weiter, und sie holen sich diese Informationen direkt (Schnüffeln am anderen Hund) oder indirekt (Schnuppern an Harn oder Kot). Auf diese Weise erfahren Hunde in Sekundenschnelle alles über Alter, Geschlecht, Status, Gesundheit oder momentane Stimmung des anderen.

Auch Berührungen sind in der Hundewelt wichtig: Anstupsen, Anrempeln, Mundwinkellecken oder Hochspringen zählen zu den sogenannten taktilen Signalen. Das Wissen über die komplexe Kommunikation ist der Grundstein guten Trainings.

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Die Eskalationsleiter nach Martina Maier-Schmid

In den Büchern Sprachkurs Hund und Ausdrucksverhalten beim Hund erhaltet ihr noch viele weitere nützliche Informationen über Mimik und Körpersprache.


Die 4 Konfliktstrategien von Hunden

Eine unangenehme oder bedrohliche Situation versucht der Hund nicht nur mit seiner Mimik, sondern mit seiner gesamten Körpersprache zu entschärfen. Dabei stehen ihm im Wesentlichen vier Strategien zur Verfügung:

  1. FIDDLE (blödeln)
  2. FREEZE (erstarren)
  3. FLIGHT (flüchten)
  4. FIGHT (kämpfen)

Speziell die erste Strategie wird oft missverstanden und vom Menschen als freundliche Spielaufforderung fehlinterpretiert. Der Hund ist unruhig, blinzelt, wedelt mit dem Schwanz, leckt sich mit der Zunge über das Maul – er sendet Beschwichtigungssignale, mit denen er seinem Menschen mitteilen will, dass es ihm zu viel wird.

Beschwichtigungssignale ernst nehmen

Ein Hund, der bereits Beschwichtigungssignale zeigt (insbesondere, wenn er erstarrt) sollte auf keinen Fall bedrängt werden. Fehlt die Möglichkeit zur Flucht, ist Angriff für ihn manchmal die einzige Alternative. Besser ist hier das Unterlassen des für den Hund unangenehmen Verhaltens. Situationen, in denen Hunde sich bedrängt fühlen können, sind u. a. zu rasche Annäherung eines Hundes oder Menschen, herabbeugen von oben, anstarren, umarmen, hochheben usw.