Josef Zotter im Interview: „Ökologisch sind Viecher oft gescheiter als Menschen“

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Wir haben Schokoladenmacher und Herrchen Josef Zotter samt Hündin Fleur zum Interview getroffen. / Foto: Larentzakis Photography

Unter Naschkatzen ist Josef Zotter bekannt wie ein bunter Hund. Wir haben den Chocolatier samt Hundedame Fleur bei seiner Manufaktur in der Südoststeiermark zum tierischen Interview getroffen!

Josef Zotter ist vieles: Unternehmer, Bio-Landwirt und „Andersmacher“. Neben seinem Einsatz für fair gehandelte und hochwertige Lebensmittel hat der gelernte Konditormeister auch ein großes Herz für Tiere. Wir haben den Chocolatier, zusammen mit seiner „Herzensdame“, Border Collie Hündin Fleur, in seiner Schokoladen-Manufaktur in Riegersburg zum Gespräch getroffen.

Herr Zotter, wenn man Sie mit Ihrer Hündin sieht, merkt man sofort die innige Verbindung. Woher kommt diese Liebe zu Hunden?

Josef Zotter: Schon in meiner Kindheit hatten wir einen Jagdhund, Rex, der unseren Hof beschützt hat. Seitdem haben wir in der Familie sicher schon acht Hunde gehabt. Fleur ist jetzt seit fünfeinhalb Jahren bei uns und die beste Hündin, die wir jemals hatten!

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Foto: Larentzakis Photography

Holen Sie Ihre Hunde eher aus der Zucht oder aus dem Tierheim?

Manche haben wir aus dem Tierheim geholt, manche vom Züchter. Ich habe mit beidem gute Erfahrungen gemacht. Nur einmal haben wir einen Husky aus dem Tierheim adoptiert – das war eine Odyssee! Wir haben das einige Zeit probiert, mussten aber einsehen, dass wir ihm einfach nicht gerecht werden konnten. Natürlich hat mir das beim Zurückbringen sehr leidgetan, aber es war letztlich auch für ihn das Beste und ich habe dem Tierheim etwas gespendet.

Warum haben Sie sich gerade für einen Border Collie entschieden, und was schätzen Sie an der Rasse?

In unserem Tiergarten (Anm.: neben der Schokoladen-Manufaktur) haben wir unter anderem 200 Schafe – da bietet sich ein Border Collie zum Hüten einfach an. Fleuri ist als „Mitarbeiterin“ sehr pflicht-bewusst, schaut bei allen Tieren nach dem Rechten und lässt sich super abrufen. Daheim hütet sie unsere drei Enten und treibt sie immer ins Haus – daran arbeiten wir noch. (Zotter lacht.)

Video: „Kakao statt Kokain“ (Trailer zur Reportage)

Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ihre Schokoladen fair und nachhaltig produzieren. Wie wichtig ist Ihnen bei Lebensmitteln der Aspekt Tierwohl?

Das Thema liegt mir sehr am Herzen, daher unterstütze ich auch das Tierschutz-Volksbegehren. Dabei geht es meiner Meinung nach um Wertschätzung ganz allgemein: Wenn ein Schwein dem Bauern nur 130 Euro einbringt und deshalb möglichst schnell für die Schlachtung wachsen muss, läuft etwas schief. Ich sehe schon, dass immer mehr Menschen bereit sind, für Qualität entsprechend zu zahlen, würde mir aber wünschen, dass nachhaltige Produktion selbstverständlich wäre. Unsere Mitarbeiter bekommen täglich ein Bio-Mittagessen, und so halte ich es auch beim Hundefutter. Ökologisch sind die Viecher sowieso oft gescheiter als die Menschen – sie nehmen nicht mehr, als sie zum Leben brauchen.

Wie kamen Sie auf die Idee für Ihr „Hunzdorf“ (Anm.: Hundeboxen für Besucher der Schokoladenfabrik)?

Wegen der Hygienebestimmungen dürfen Hunde logischerweise nicht in die Manufaktur, und aus gesundheitlichen Gründen sollten sie ohnehin keine Schokolade fressen. Verbote gibt’s aber eh schon so viele, und als Hundebesitzer steht man in der Freizeit oft vor der Herausforderung, wo und wie man den Hund unterbringt. Da haben wir mit den Hundeboxen eine praktische Lösung für unsere Besucher gefunden. Außerdem haben wir am Parkplatz Schilder aufgestellt, mit denen wir darauf hinweisen, dass kein Hund im Auto bleiben sollte.

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Josef Zotter bietet Gästen Hundeboxen während der Besuchszeiten seiner Manufaktur. / Foto: Larentzakis Photography

Beruflich sind Sie oft in China und haben auch in Shanghai einen Standort. Merken Sie im Umgang mit Hunden kulturelle Unterschiede zu Europa?

Entgegen der Vorurteile werden Hunde in China jedenfalls nicht gegessen. Im Gegenteil: Gerade bei den Gutbetuchten sieht man oft so kleine Wutzerl mit Röckchen und Luxusschmuck herausgeputzt – da sind die mindestens gleich vernarrt wie wir, wenn nicht noch mehr.

Als erfolgreicher Unternehmer gehen Sie sehr offen mit Ihrem Konkurs um. Welchen Ratschlag haben Sie für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Mit der Gründung eines Unternehmens übernimmt man Verantwortung. Also sollte man sich das – wie bei einem Hund– vorher gut überlegen. Natürlich ist Erfolg etwas Schönes, trotzdem kann niemand mit vier Löffeln gleichzeitig essen. Wenn man aber wirkliche Leidenschaft für eine Sache hat, gibt es kein Verlieren– auch nicht in schwierigen Phasen.

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