Hundeartige – die ungewöhnliche Verwandtschaft unserer Haushunde

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Die Familie der Hundeartigen ist bunter, als man denkten möchte! / Fotos: pixabay.

In der großen Familie der Raubtiere spielen zwei Untergruppen bedeutende Rollen: Katzenartige (Feliformia) und Hundeartige (Caniformia). Zu letzterer Gruppe gehören jedoch nicht nur unsere Haushunde und deren Vorfahren, die Wölfe, sondern auch andere, überraschende Verwandte.

Hundeartige Säuge- bzw. Raubtiere zeichnen sich durch eine längere Schnauze, ein zahnreiches Gebiss und halb- oder nicht-einziehbare Krallen aus, im Gegensatz zu den Schwestern der Katzenartigen. Mit Ausnahme von Hunden sind Hundeartige üblicherweise Sohlengänger: Sie setzen beim Auftreten des Fußes die ganze Sohle auf den Boden; als Zehengänger bewegen sich Hunde buchstäblich stets auf Zehenspitzen. Hundeartige tendieren eher zum Allesfressertum und nehmen auch pflanzliche Nahrung zu sich, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, während Katzenartige sich eher auf die Verdauung von Fleisch spezialisiert haben. Sie sind außerdem hauptsächlich in Nordamerika und im nördlichen Eurasien verbreitet.

Hundeartige Familienmitglieder

Dass unsere modernen Haushunde aus von frühen Menschen domestizierten Wölfen hervorgegangen sind, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch Hunde und Wölfe teilen sich gemeinsame Vorfahren mit einigen ungewöhnlichen, auch heute noch lebenden Verwandten. Zu dieser Familie der Hundeartigen gehören:

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Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) gehört zu den sogenannten Canidae und ist der in Europa am häufigsten vorkommende Wildhund. / Foto: Pixabay

Hunde (Canidae)

Tiere der Familie der Hunde umfassen neben Wölfen und ihren domestizierten Nachkommen, Hunden, auch Füchse, verschiedene Schakalarten und Kojoten. Sie sind die einzigen Zehengänger in der Gruppe und auf die Jagd von Beutetieren spezialisiert. Sie weisen relativ lange Beine, buschige Ruten und einen schlanken, geschmeidigen Körperbau auf.

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Auch Bären (Ursidae) sind entfernte Verwandte unserer domestizierten Hunde. / Foto: Pixabay

Bären (Ursidae)

Bären sind jene Mitglieder der Hundeartigen, deren Körpergröße die anderer Gruppen übertrifft. Sie haben massige Körper mit gedrungenen Beinen, Stummelschwänzen, langen Schnauzen und struppigem Fell, und sind (wie alle folgenden Untergruppen) Sohlengänger. Bären sind grundsätzlich Allesfresser – manche Bärenarten jedoch haben sich auf die Verdauung pflanzlicher Nahrung spezialisert, zum Beispiel der große Panda, dessen Ernährung zu 99% aus Bambus besteht. Der Eisbär muss aufgrund seiner lebensfeindlichen Umgebung hauptsächlich auf Fleisch als Nahrungsquelle zurückgreifen. Die meisten Bären sind Einzelgänger, gute Kletterer und Schwimmer und halten in kalten Monaten eine Winterruhe, während der sie sich kaum bewegen und kaum fressen.

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Wer hätte gedacht, dass Seehunde und Hunde tatsächlich miteinander verwandt sind? / Foto: pixabay.

Robben (Pinnipedia)

Auch die Robben zählen zu den Hundeartigen, selbst, wenn sich ihr Aussehen und ihre Lebensweise stark von denen anderer Hundeartigen unterscheidet. Diese semiaquatischen Meeressäuger unterteilen sich in Hundsrobben, Ohrenrobben und Walrosse. Sie sind allesamt Flossenfüßer und exzellente Schwimmer und auch Taucher: Sie können bis zu zwei Stunden unter Wasser bleiben, ohne zum Luftholen auftauchen zu müssen. Die genaue Verwandschaftsbeziehungen zwischen den Robben und Hundeartigen ist noch unklar, doch die wahrscheinlich nähesten Verwandten sind entweder Bären oder Marderverwandte.

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Zur Familie der Marder (Mustelidae) gehören u. a. Nerze, Wiesel, Iltisse, Dachse und Otter. Sie alle sind hundeartige Raubtiere. / Foto: Pixabay

Marderverwandte (Musteloidae)

Zu dieser Familie eher kleinerer Säugetiere gehören Stinktiere, Kleinbären und Marder – allein Kleine Pandas bilden als einzige Spezies eine eigene Untergruppe innerhalb der Marderverwandten. Sie verfügen tendenziell über lange, niedrig gebaute Körper mit sehr kurzen Beinen und langen Ruten, doch die globale Verbreitung und die Anpassung an spezielle Lebensumstände haben auch anatomische Veränderungen wie beispielsweise ein abgeplatteter Schwanz und Schwimmhäute bei Ottern hervorgebracht. Sie verstecken sich tagsüber in oftmals selbst errichteten Bauten und kommen abends und nachts heraus, um auf Nahrungssuche zu gehen: Kleine Nagetiere und Vögel sowie Fisch oder pflanzliche Nahrung machen sie zu opportunistischen Allesfressern.

Grundsätzlich lassen sich die genauen Verwandtschaftsverhältnisse der Hundeartigen nicht zweifelsfrei klären, es wird jedoch eine allgemeine Einteilung in Cynoidea (Hunde) und Arctoidea (Bären, Robben, Marderverwandte) angenommen, die auf gemeinsamen Vorfahren basieren, die bis ins Eozän vor 42 Millionen Jahren zurückgehen. Wenn sich Ihre Fellnase also beim nächsten Strandurlaub in die Wellen wirft oder ein Faible für Honig entwickelt, könnte sie sich das bei einem Verwandten abgeschaut haben.

Lesen Sie mehr über Wölfe, ihre Lebensweise und Domestizierung hin zum „besten Freund des Menschen“ in unserem Interview mit dem Biologen und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal!

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