DogDancing: Tanzsport für trickreiche Hunde

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Imre Vanda mit Zorro beim Wedelwerk Dogdancing Turnier auf der Messe mensch & tier 2019 / Foto: Wedelwerk

DogDancing ist die moderne Art mit dem Nachfahren des Wolfes zu tanzen. Was hinter dieser Hundesportart steckt, erklärt Trainerin und Kynologin Renate Ploder.

Was macht die Faszination am Dogdancing aus? Es gibt viele Freizeitbeschäftigungen mit Hund. Sei es Wandern, Schwimmen oder einfach nur gemütlich spazieren zu gehen. Wer den Hund geistig und körperlich etwas mehr fordern will, kann sich in sportliche Aktivitäten wie Agility, Flyball oder Breitensport üben.

Auch Nasensport wie Fährtensuche oder Mantrailing, also Personensuche wird immer beliebter. Wer es aber ganz kreativ mag, der greift zum Tricktraining bzw. DogDancing.

Beim DogDancing werden verschiedenste Tricks zu einer Choreographie ausgearbeitet und zusammen mit einer passenden Musik präsentiert. Das Schöne am DogDancing ist, dass es wirklich jeder Hund machen kann. Egal ob wendiger kleiner Sheltie oder großer, behäbiger Neufundländer. Für jeden Vierbeiner gibt es passende Tricks. Sei es Pfote geben, Häschen, Beinslalom, Totstellen, Kopf ablegen, Zunge zeigen, im Kreis drehen, Flüstern und vieles mehr. Der Kreativität sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt.

Kopfarbeit und geistige Auslastung

Wer glaubt, einen Hund glücklich zu machen, indem man am Tag zwei- bis dreimal Gassi geht und dem Hund am Abend seine volle Futterschüssel serviert, der hat leider weit gefehlt. Hunde brauchen im Alltag nicht nur körperliche, sondern auch geistige Auslastung. Das gehört zu den Grundbedürfnissen eines Hundes dazu.

Ist ein Hund geistig (und körperlich) unausgelastet, können sehr viele Verhaltensprobleme, wie z. B. übermäßiges Bellen, Stubenunreinheit oder das Zerlegen der Einrichtung entstehen. DogDancing bzw. Tricktraining bietet die nötige Kopfarbeit, um den Hund geistig auszulasten.

Krisztina Großschartner mit Babette beim Wedelwerk Dogdancing Turnier auf der Messe mensch & tier 2019 / Foto: Wedelwerk

Studien konnten außerdem zeigen, dass sich Tiere ihr Futter sogar lieber erarbeiten, als es gratis serviert zu bekommen. Den Hund für einen Teil seines täglichen Futters also arbeiten zu lassen, macht durchaus Sinn. Dazu eine kleine Anekdote aus unserem Trickhund-Alltag: Es kommt durchaus vor, dass mein Hund bestimmte Leckerlies nicht mag. Meistens einfach deshalb, weil sie zu fade oder zu trocken sind. Lasse ich meinen geübten Trickhund ein paar Tricks machen und biete ihm das gleiche Leckerlie erneut an, frisst er es mit Begeisterung. Ganz nach dem Motto: „Nach getaner Arbeit schmeckt die Jause einfach besser!“

Übrigens: Auch in meiner Kindheit hat die Jause nach getaner Arbeit, die sich auf den Bauernhof meiner Großeltern regelmäßig aufgetan hat, immer besser geschmeckt, als ohne vorherige körperliche Betätigung. Ein Effekt, der also nicht nur bei Tieren, sondern auch bei uns Menschen zu finden ist.

Turnierregeln

Hat man dem Hund bereits einige Tricks beigebracht, kann man diese in eine Choreographie einbauen und auf einem Turnier vor Bewertungsrichtern unter Beweis stellen. Bevor man sich jedoch entschließt mit dem Hund auf einem Turnier zu starten, ist es wichtig sich die Turnierregeln anzusehen. Die meisten Hundesportarten und deren Regelwerke laufen in Österreich über den ÖKV (Österreichischer Kynologen Verband).

Durchsucht man die offizielle Website des ÖKVs, lassen sich jedoch bis dato (Mai 2020) keine offiziellen Regeln zum DogDancing finden. Recherchiert man etwas genauer, findet man eine DogDance-Turnier-Ausschreibung im Jahre 2012, als die World Dog Show in Salzburg stattfand. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde ein DogDance-Turnier mit einem sechsseitigen Regelwerk ausgetragen.

Die meisten DogDance-Turniere, die in Österreich ausgetragen werden, laufen jedoch über den DDI (DogDance International). Im umfassenden Regelwerk, das 22 Seiten umfasst (Stand: 2020), ist verankert, wie gerichtet wird, wer richtet, wie die Punkte vergeben werden, wie lange die Musik sein darf und vieles mehr.

Auch gibt es Turniere, die unter keinem Verband stehen und eigene, meist sehr ähnliche Regelwerke verwenden. Aber alles der Reihe nach.

TV-Bericht zur DogDance WM in Stuttgart 2019 (SWR)

Turnierarten und Leistungsklassen

Bei einem DogDance-Turnier bewerten zwei bis drei Richter die Leistung und den Tanz des Mensch-Hund-Teams. Man kann sich das so ähnlich wie beim Eiskunstlauf vorstellen. Generell unterscheidet man beim DDI zwischen einem offiziellen und einem Fun-Turnier.

Bei einem Fun-Turnier dürfen laut DDI Hunde ab 6 Monaten teilnehmen und Motivationsmittel wie Futter, Spiel, Klicker etc. verwendet werden. Am Ende jedes Tanzes, bekommt das Mensch-Hund-Team ein mündliches und schriftliches Feedback der Richter. Eine Punktevergabe und entsprechende Reihung mit Siegerehrung gibt es nicht. Ein Fun-Turnier ist daher v. a. für Anfänger eine tolle Gelegenheit, Turnierluft zu schnuppern. Aber auch „alte Hasen“ sind auf Fun-Turnieren anzutreffen. Diese nutzen dieses oft als Training für offizielle Turniere.

Bei einem offiziellen Turnier ist ein Mindesthalter des Hundes von 15 Monaten vorgegeben. In einem offiziellen Turnier sind keine Motivationsmittel wie Futter, Spiel und Co. erlaubt und würden zu einer Disqualifikation führen. Nach dem Tanz der einzelnen Mensch-Hund-Teams vergeben die Richter Punkte. Am Ende gewinnt das Mensch Hund-Team mit den meisten Punkten.

Möchte man mit dem Hund bei einem Turnier antreten, sollte man sich nicht nur fragen, ob man auf einem offiziellen oder einen Fun-Turnier starten möchte, sondern auch, welche Musik passen könnte. Ist der eigene Hund eher langsam und behäbig, bietet sich vermutlich eine entsprechend langsame Musik eher an, als ein flotter Walzer. Außerdem muss man auch auf die Musiklänge achten. Sowohl auf einem Fun- als auch auf einem offiziellen Turnier, werden verschiedene Leistungsklassen unterschieden. Diese Klassen definieren auch die Mindest- und Maximallänge der Musik.

In erster Linie unterscheidet man zwischen HTM (Heelwork to music) und FS (Freestyle). Beim Freestyle steht einem Mensch-Hund-Team frei, welche Tricks und Fußpositionen in eine Choreographie einfließen. Es stehen dem Mensch-Hund-Team also alle Möglichkeiten offen. Beim HTM soll sich der Hund mindestens 75% der Choreographie in einer von 18 vorgegebenen Fußpositionen befinden. Viele wussten bis jetzt vermutlich nicht einmal, dass es mehr als eine Fußposition gibt. In der Grafik unten ist dargestellt, wie viele Fußpositionen es neben dem klassischen „links, nebenher Trotten“ noch gibt.

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Fußpositionen beim DogDancing. / Bild: Wedelwerk

FS und HTM werden nun in einzelne (Schwierigkeits-) Klassen unterteilt. Als Beginner startet man in der Klasse 1 und kann sich, wenn man die entsprechende Leistung erzielt, bis zur Klasse 3 hocharbeiten. Außerdem gibt es noch spezielle Klassen, wie z. B. für alte und/oder gehandicapte Hunde und/oder Hundebesitzer (Senior & Handicap für Hunde über 8 Jahren und/oder Menschen über 60 Jahre, sowie für Hunde und/oder Menschen mit körperlichem Handicap) oder Junioren (Jugendliche Turnierstarter bis 16 Jahre). Es gibt im Freestyle auch die Möglichkeit als Trio (ein Mensch mit 2 Hunden), Quartett (2 Menschen mit 2 Hunden) oder als Gruppe (mehr als 2 Mensch-Hund-Teams) anzutreten. Je nach Klasse und Turnierart (offiziell oder Fun) wird die Zeitspanne vorgegeben. Anfänger liegen dabei ca. bei 1:30-2:30 Minuten. Profis können bis zu 4:00 Minuten tanzen.

Claudia Duroska mit Justy beim Wedelwerk Dogdancing Turnier auf der Messe mensch & tier 2019 / Foto: Wedelwerk

Eine ganz besondere Turnierform im DogDance stellt das Lucky Dip dar. Dabei werden Musik und Requisiten den einzelnen Startern zugelost. Danach darf sich das Mensch-Hund-Team in der gegebenen Zeit bis zum Start vorbereiten und/oder den Tanz direkt improvisieren. Je eingespielter das Team ist, umso leichter wird diese Aufgabe fallen.

Punktevergabe beim DogDancing

Während dem Tanz vergeben die Richter bei einem offiziellen Turnier Punkte. Bewertet werden dabei Aspekte wie:

  • Teamwork (Ausstrahlung Mensch & Hund, Motivation des Hundes, Zusammenarbeit als Team)
  • Dynamik (tänzerischer Ausdruck, rhythmische Variation/Akzente/Tempo, musikalische Interpretation)
  • Konzept (Musikwahl, Idee, Umsetzung)
  • Choreographie (Aufbau & Struktur, Ringnutzung, Positionierung/Ausrichtung)
  • Fluss (Timing, Übergänge der Tricks)
  • Ausführung (Signalgebung, Reaktion auf Signale, Ausführung)
  • Inhalt (Trickelemente, Kombinationen, Variationen)
  • Schwierigkeitsgrad (Elemente, Kombinationen, Signalgebung)

Aber auch die Rasse, sowie der Ausbildungsstand und die Erfahrung von Mensch und Hund fließen in die Bewertung mit ein. Zu beachten ist, dass man bei einer DogDance-Darbietung immer auf das Wohl des Hundes zu achten hat. Viele und langandauernde Rückwärts-Elemente und/oder lange auf den Hinterbeinen gehen, werden beispielsweise bei übertriebener Verwendung von den Richtern nicht gerne gesehen und können zu Punkteabzügen führen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass DogDance eine sehr kreative und lustige Sportart ist. Unterm Strich soll das DogDancen sowohl den Hunden als auch den Menschen Spaß machen, wobei immer der Weg und nicht der menschliche Ehrgeiz das Ziel sein soll!

Zur Autorin

Renate Ploder ist Verhaltensbiologin, akademisch geprüfte Kynologin, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und Inhaberin von Wedelwerk.